"Kommando Angry Birds": Gruppe bekennt sich zu Brandanschlag auf Bahnstrecke bei Leverkusen
Leverkusen. Nach dem Brand an der Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf ist auf der linksradikalen Plattform Indymedia ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Eine Gruppe, die sich "Kommando Angry Birds" nennt, erklärt sich darin für die "Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen" verantwortlich. Die Kölner Polizei prüft die Echtheit des Schreibens; in Sicherheitskreisen wird laut dpa davon ausgegangen, dass es authentisch ist. Der Staatsschutz ermittelt.
Behördlich bestätigt ist bislang Folgendes: Am Freitagvormittag entdeckten Techniker gegen 10:30 Uhr ein Feuer an der Eisenbahnbrücke über die Wupper bei Leverkusen-Rheindorf. An zwei Stellen der Böschung brannte es, mehrere Signalkabel wurden beschädigt. Bei den Reparaturarbeiten fand die Polizei rund 200 Meter entfernt einen zweiten Brandsatz. Staatsanwaltschaft und Polizei Köln gehen von einem vorsätzlich gelegten Brand aus; die Bahn sprach von "immensen Schäden".
Was in dem Schreiben steht – und was davon belegt ist
In dem am Samstagmorgen veröffentlichten Schreiben, über das zuerst der WDR berichtete, schildert die Gruppe Details zum angeblichen Tathergang und nennt als Motiv ein "Massensterben" durch die "technologische Eskalation". Wichtig zur Einordnung: Diese Angaben stammen ausschließlich aus dem Bekennerschreiben selbst und sind von den Ermittlungsbehörden nicht bestätigt. Auch die Täterschaft der Gruppe ist nicht bewiesen, solange die Echtheitsprüfung läuft.
Die Gruppe ist den Sicherheitsbehörden allerdings kein unbeschriebenes Blatt: Seit 2023 hat sich das "Kommando Angry Birds" mehrfach zu Anschlägen auf Bahninfrastruktur in NRW bekannt, darunter Brandanschläge auf Signalkabel im Großraum Düsseldorf und ein Anschlag auf die Hauptstrecke Düsseldorf–Duisburg im Juli 2025, der eine tagelange Sperrung nach sich zog. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet die Gruppe dem Linksextremismus zu und wirft ihr vor, Anleitungen zum Bau von Brandsätzen verbreitet zu haben, um Nachahmer zu befähigen. Die Ermittlungen gestalten sich laut Behörden schwierig, weil es sich nicht um eine fest gefügte Gruppe handele.
Strecke wieder frei – Reul spricht von "gezielter Sabotage"
Für Pendler und Reisende hatte der Brand massive Folgen: Die Hauptstrecke Köln–Düsseldorf war im Abschnitt Langenfeld–Leverkusen ab Freitagvormittag gesperrt. Betroffen waren vor allem die S6 sowie die RRX-Linien RE 1 und RE 5, im Fernverkehr kam es zu Umleitungen und Ausfällen; für den Nahverkehr fuhren Ersatzbusse. Am frühen Samstagabend wurde die Strecke wieder freigegeben. "Die Strecke ist vollständig repariert und der Zugverkehr läuft reibungslos", sagte ein Bahnsprecher am Sonntag der dpa.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) stufte den Vorfall nach derzeitigem Stand als "Aktion von Linksextremisten" ein. "Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage", sagte er dem ZDF – die Täter nähmen Kollateralschäden billigend in Kauf und wollten "Politik durch Gewalt ersetzen".
Der Fall reiht sich in eine Serie von Anschlägen auf kritische Infrastruktur ein, zu denen sich linksextreme Gruppen bekannt haben. Erst im Januar hatte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Heizkraftwerk Berlin-Lichterfelde rund 45.000 Haushalte tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten; dort ermittelt inzwischen der Generalbundesanwalt. Ob Verbindungen zwischen den Gruppen bestehen, ist offen.
Die Kriminalpolizei Köln sucht Zeugen, die im Bereich der Wupperbrücke bei Leverkusen-Rheindorf verdächtige Beobachtungen gemacht haben.