Álvarez erlöst den Weltmeister: Argentinien schlägt die Schweiz und trifft im Halbfinale auf England
Kansas City. Titelverteidiger Argentinien hat das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen die Schweiz mit 3:1 (1:1, 1:0) nach Verlängerung gewonnen und steht zum zweiten Mal in Folge in einem WM-Halbfinale. Im Arrowhead Stadium von Kansas City brauchte die Albiceleste gegen leidenschaftlich verteidigende Eidgenossen eine Verlängerung – und einen Geniestreich von Julián Álvarez.
Dabei begann der Abend nach Plan für den Weltmeister: Bereits in der 10. Minute köpfte Alexis Mac Allister eine präzise Ecke von Lionel Messi ins lange Eck – das früheste Turniertor der Argentinier und der erste Rückstand für die Schweiz bei dieser WM überhaupt. Danach verflachte die Partie, Emiliano Martínez im argentinischen Tor musste vor der Pause nur einmal eingreifen.
Ausgleich, Gelb-Rot und Tränen bei Embolo
Nach dem Seitenwechsel kam die Schweiz stärker auf und belohnte sich in der 67. Minute: Ricardo Rodríguez schickte Dan Ndoye in die Tiefe, der aus spitzem Winkel zum 1:1 vollendete. Doch nur fünf Minuten später kippte das Spiel: Der portugiesische Schiedsrichter João Pinheiro hatte zunächst Leandro Paredes für ein vermeintliches Foul an Breel Embolo verwarnt. Nach VAR-Hinweis überprüfte er die Szene am Monitor, nahm die Karte zurück – und zeigte stattdessen Embolo Gelb wegen einer Schwalbe. Weil der Stürmer schon verwarnt war, bedeutete das Gelb-Rot. Embolo verließ den Platz unter Tränen; laut ESPN war er der erste Spieler seit Asamoah Gyan 2006, der bei einer WM die zweite Gelbe Karte für eine Schwalbe kassierte. TV-Experten kritisierten die Härte der Entscheidung in einem Spiel dieser Tragweite.
In Überzahl rannte Argentinien an, biss sich aber lange an der Schweizer Defensive um Keeper Gregor Kobel die Zähne aus – bis zur 112. Minute: Julián Álvarez schlenzte den Ball aus der Distanz sehenswert in den Winkel, für viele Beobachter eines der schönsten Tore des Turniers. In der Nachspielzeit der Verlängerung machte Lautaro Martínez per Nachschuss nach einem geblockten Versuch von Thiago Almada den 3:1-Endstand perfekt (120.+1).
Messi ohne Tor, aber mit Schlüsselvorlage
Superstar Lionel Messi blieb mit nur 18 Ballkontakten in der ersten Hälfte auffällig unauffällig, lieferte aber die Vorlage zur Führung – seine Serie von Toren in neun WM-Spielen in Folge riss damit. Defensiv überragte Cristian Romero, während Álvarez sich nach zuvor durchwachsenem Turnier zum Matchwinner aufschwang.
Für die Schweiz endet damit ein historischer Lauf: Erstmals seit 1954 stand sie wieder in einem WM-Viertelfinale – ein Halbfinale bleibt ihr weiterhin verwehrt. Gegen Argentinien wartet sie zudem weiter auf den ersten Sieg; auch die WM-Duelle 1966 und 2014 gingen an die Südamerikaner.
Argentinien ist seit dem Titelgewinn 2022 nun seit zwölf WM-Spielen ungeschlagen und könnte als erst dritte Nation nach Italien (1934/1938) und Brasilien (1958/1962) den Titel verteidigen. Im Halbfinale wartet am Mittwoch (15. Juli, 21:00 Uhr MESZ) in Atlanta England, das sich zuvor mit 2:1 nach Verlängerung gegen Norwegen durchgesetzt hatte. Das zweite Halbfinale bestreiten Frankreich und Spanien am Dienstag in Dallas. Das Finale steigt am 19. Juli im MetLife Stadium bei New York.