Fachärztliche Versorgung in Neuwied: OB Einig spricht mit Medizinern der Schwerpunkt-Praxis
Neuwied. Oberbürgermeister Jan Einig und Christoph Engels von der städtischen Wirtschaftsförderung haben die „Schwerpunkt-Praxis“ in der Dierdorfer Straße besucht. Mit den dort tätigen Medizinern sprachen sie darüber, wie die fachärztliche Versorgung in Neuwied langfristig gesichert werden kann. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Facharztpraxen, der Fachkräftemangel und die Suche nach Praxisnachfolgern.
Hohe Investitionen, schwierige Refinanzierung
An dem Gespräch nahmen Dr. Ulrich Groß, Dr. Thomas Stritzke, Dr. Thomas Biegel und die Gastroenterologin Stefanie Rothkegel teil. Spezialisierte Praxen stehen nach Einschätzung der Mediziner vor wachsenden Herausforderungen. Moderne Diagnostik und Behandlung erfordern hohe Investitionen in Geräte und technische Ausstattung. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren es zugleich, diese Investitionen wieder hereinzuholen.
Hinzu kommt die Frage, wie frei werdende Kassensitze künftig wieder mit qualifizierten Medizinern besetzt werden können.
Nachfolge für Kassensitz gefunden
Dr. Groß schilderte aus eigener Erfahrung, wie schwierig die Nachfolgesuche ist. Er blickte im vergangenen Jahr auf 30 Jahre ärztliche Tätigkeit in der Praxis zurück. Für seinen Kassensitz gibt es inzwischen eine Lösung: Mit Stefanie Rothkegel konnte eine qualifizierte Gastroenterologin als Nachfolgerin gewonnen werden.
Um die Praxis zukunftssicher aufzustellen, wurde zuletzt in neue Technik investiert:
- neue Ultraschallgeräte mit sogenannter Schwerwellenelastographie zur speziellen Untersuchung der Leber
- eine Endoskopie nach neuester Technik mit computerassistierter Polypendetektion
Die computerassistierte Polypendetektion unterstützt bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) in Echtzeit dabei, Gewebeveränderungen und Vorstufen von Darmkrebs zu erkennen.
Stadt will im Gespräch bleiben
„Eine gute medizinische Versorgung gehört zu den entscheidenden Faktoren für die Lebensqualität in unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister Jan Einig. Sie sei zugleich ein wichtiger Standortfaktor. Die Stadt müsse genau hinschauen, welche Entwicklungen auf niedergelassene Ärzte zukommen und wo sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen könne.
Der Austausch habe gezeigt, dass die Sicherung der medizinischen Infrastruktur angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels eine wichtige Zukunftsaufgabe sei. Die Stadt will deshalb mit den Akteuren im Gesundheitswesen im Gespräch bleiben und die Entwicklung des Medizinstandortes Neuwied begleiten. Konkrete Maßnahmen oder Zusagen nennt die Stadt bislang nicht.
Über die Schwerpunkt-Praxis Neuwied
Die „Schwerpunkt-Praxis“ in der Dierdorfer Straße in Neuwied ist eine fachärztliche Gemeinschaftspraxis mit den Schwerpunkten Innere Medizin, Diabetologie sowie Gastroenterologie und Hepatologie. Zur diabetologischen Schwerpunktpraxis gehört außerdem eine Fußambulanz.