Flughafen Hahn: Geschäftsführer geht nach wenigen Monaten
Hahn. Der Flughafen im Hunsrück stellt seine Führung neu auf. René Steinhaus scheidet aus der Geschäftsführung aus – er hatte das Amt erst wenige Monate zuvor übernommen. Die Eigentümerin Triwo und Steinhaus haben sich nach Angaben der Flughafengesellschaft "im besten gegenseitigen Einvernehmen" auf das Ausscheiden verständigt. Gründe nennt das Unternehmen nicht.
Wer jetzt wofür zuständig ist
Robert Willems bleibt Geschäftsführer. Er übernimmt zusätzlich die Funktion des EASA Accountable Manager – jene Rolle, die gegenüber der europäischen Flugsicherheitsbehörde für die Einhaltung der Sicherheitsvorgaben geradesteht.
Jan Glockauer verantwortet als Vorstand seit September die Bereiche Operations und Aviation, also den Flugbetrieb und das Geschäft mit den Fluggesellschaften.
Michael Feit ist für Infrastruktur, Bauen und Technik zuständig. In seine Zuständigkeit fällt die laufende Modernisierung des Terminals.
Die Flughafengesellschaft betont, Zuständigkeiten, Kontinuität und Handlungsfähigkeit seien gesichert. Für Reisende solle der Betrieb verlässlich weiterlaufen.
Ein kurzes Gastspiel
Bemerkenswert ist die Dauer. Steinhaus hatte die Geschäftsführung nach Branchenberichten erst im Frühjahr dieses Jahres übernommen.
Der 1972 geborene Luft- und Raumfahrtingenieur war zuvor rund zehn Jahre bei der Fraport AG, zuletzt als Senior Executive Manager, danach bei der Beratung A.T. Kearney. Ab 2016 arbeitete er am Flughafen Luxemburg, zunächst als kaufmännischer Direktor, ab 2018 als Geschäftsführer. Zuletzt war er bei dem schwedischen Elektro-Lkw-Hersteller Einride für das Wachstum im deutschsprachigen Raum und in den Benelux-Staaten zuständig.
Sein Vorgänger Rüdiger Franke war dem Flughafen als Berater für das Luftfrachtgeschäft erhalten geblieben.
Wie es dem Flughafen geht
Die Zahlen zeigen nach oben, aber noch nicht weit genug.
Im vergangenen Geschäftsjahr zählte der Hahn rund 2,196 Millionen Passagiere – nach etwa 1,865 Millionen im Jahr davor. Das ist ein Zuwachs von rund 18 Prozent. Getragen wird das Geschäft vor allem von Billigfluggesellschaften wie Ryanair und Wizz Air.
Bei der Fracht bewegt sich wenig: rund 106.640 Tonnen gegenüber 105.268 Tonnen im Vorjahr. Zur Einordnung: Die Anlagen sind auf 400.000 Tonnen jährlich ausgelegt. Es steht also reichlich Kapazität leer.
Die Verluste sind in den vergangenen beiden Jahren deutlich gesunken. In der Gewinnzone ist der Flughafen aber weiterhin nicht. Als Weg dorthin gilt, zusätzliche Passagierverbindungen und weitere Frachtfluglinien zu gewinnen.
Warum der Hahn für die Region zählt
Für Reisende aus Neuwied und dem Kreis ist der Hahn nach Köln/Bonn der nächstgelegene Abflughafen – gut eine Autostunde über die A61 beziehungsweise durch den Hunsrück.
Seine Besonderheit ist eine, die kaum ein deutscher Flughafen hat: Der Hahn unterliegt keiner Betriebszeitenbeschränkung und bietet freie Slotwahl. Nachtflüge sind möglich. Das macht ihn für Frachtfluggesellschaften interessant – und ist zugleich der Grund, warum Anwohner im Hunsrück seit Jahren gegen den Fluglärm vorgehen.
Die Vorgeschichte
Der Flughafen hat eine bewegte Eigentümergeschichte hinter sich.
Im Oktober 2021 meldete die Betreibergesellschaft Insolvenz an. Mehrheitsgesellschafter war damals der chinesische Konzern HNA mit 82,5 Prozent.
Anfang 2023 scheiterte ein Verkauf an die NR Holdings AG, die dem russischen Unternehmer Viktor Charitonin zugerechnet wird, gemeinsam mit der Mainzer Immobiliengruppe Richter. Die Gläubiger legten Widerspruch ein, und die Investoren erhielten keine Betriebsgenehmigung.
Im April 2023 erhielt schließlich die Triwo AG aus Trier den Zuschlag – einstimmig in allen Gläubigerversammlungen. Geführt wurde die Übernahme von Peter Adrian, damals Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Alle 400 Beschäftigten wurden übernommen.