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Neuwied und Bendorf fusionieren: Was sich ändert

Straßenreinigung, Friedhöfe, Abwasser: Neuwied und Bendorf legen ihre Betriebe zusammen. Im November fällt die Entscheidung.

Nahaufnahme der gelben Bürsten eines Straßenkehrers auf einer gepflasterten Straße.
Foto: Boris Hamer / Pexels

Neuwied/Bendorf. Zwei Städte, zwei Landkreise, ein gemeinsamer Betrieb: Zum 1. Januar 2027 sollen die Servicebetriebe Neuwied und die Stadtwerke Bendorf zusammengehen. Am 3. und 10. November stimmen die Stadträte ab – es ist die entscheidende Abstimmung. In einem Interview, das die Servicebetriebe selbst veröffentlicht haben, werben Oberbürgermeister Jan Einig und Bendorfs Bürgermeister Christoph Mohr dafür und gehen offen auf die Sorge ein, Bendorf könne an Eigenständigkeit verlieren.

Worum es überhaupt geht

Die Servicebetriebe Neuwied und die Stadtwerke Bendorf sind die Betriebe, die den Alltag am Laufen halten, ohne dass man viel von ihnen mitbekommt. Sie reinigen die Straßen, pflegen Grünflächen und Spielplätze, kümmern sich um das Abwasser, um die Friedhöfe und im Winter um den Räumdienst.

Beide erledigen also im Kern dieselben Aufgaben – nur getrennt, jeder in seiner Stadt.

Das soll sich ändern. Aus beiden wird ein gemeinsamer Betrieb unter dem Namen „sbn – Servicebetriebe Bendorf Neuwied". Zuständig wäre er dann für rund 85.000 Einwohner.

Juristisch entsteht eine gemeinsame Anstalt des öffentlichen Rechts. Das klingt sperrig, bedeutet aber nur: Der Betrieb bleibt in kommunaler Hand und wird nicht privatisiert, bekommt aber eine eigene Führung und eine eigene Kasse. Beide Städte bleiben Eigentümer.

Der politische Startschuss fiel Anfang Juni 2026. Seitdem arbeiten Arbeitsgruppen beider Betriebe die Einzelheiten aus. Jetzt müssen die Räte entscheiden.

Die Sorge, die Mohr selbst benennt

Der Bendorfer Bürgermeister spricht den Punkt an, bevor er gefragt wird. Wer sich vor interkommunaler Zusammenarbeit fürchte, befürchte die Aufgabe der kommunalen Eigenständigkeit – dass die Stadt also nicht mehr alles allein machen könne. Das könne er nachvollziehen.

An anderer Stelle wird er noch deutlicher: „Diese Frage wird in Bendorf mehrfach gestellt, und sie ist auch berechtigt."

Nehmen lasse sich die Sorge nur durch gute, bürgerorientierte Arbeit. Neuwieds Oberbürgermeister sieht die Sache pragmatischer: „Ich glaube, dem Bürger ist es letztendlich egal, woher die Leistung kommt. Hauptsache, es läuft."

Warum überhaupt

Beide beschreiben dieselbe Lage: immer mehr Aufgaben, immer weniger Mittel, um sie zu erledigen. Ohne interkommunale Zusammenarbeit, sagt Mohr, werde es schlicht nicht mehr funktionieren. Einig formuliert es so, dass Städte an ihren Kapazitäten scheiterten, wenn sie allein weitermachten.

Neu ist die Zusammenarbeit nicht. Nach Mohrs Angaben arbeiten beide Betriebe seit fast zehn Jahren eng zusammen, auf Leitungs- wie auf Mitarbeiterebene. Daraus sei die Idee entstanden, gleich ganz zusammenzugehen.

Der dritte Weg – und was er mit den Gebühren zu tun hat

Am aufschlussreichsten ist, wie Einig die finanzielle Zwickmühle beschreibt. Eine Kommune mit wachsenden Aufgaben habe grundsätzlich zwei Möglichkeiten: die Gebühren anheben, was die Bürger teuer zu stehen komme – oder Leistungen einsparen, was die Qualität senke.

Der Zusammenschluss sei der dritte Weg. Durch Synergien solle die Qualität nicht sinken, im besten Fall steigen, und Kostensteigerungen sollten nicht ungebremst auf die Gebühren durchschlagen. In einer größeren Einheit lasse sich das leichter abfangen als in einer kleinen.

Die Einschränkung dazu haben die Betriebe bereits im Oktober selbst geliefert: Gebührenerhöhungen seien 2027 voraussichtlich unausweichlich – begründet mit geplanten Verlusten beim Bendorfer Wasser- und Abwasserwerk, nicht mit dem Zusammenschluss. Um wie viel es geht, ist bis heute nicht beziffert.

Was das praktisch heißt

Mohr rechnet es an zwei Beispielen vor.

Das erste ist ein Fahrzeug zur Kanalreinigung, wie es die Servicebetriebe Neuwied vorhalten. Es kostet zwischen 700.000 und 800.000 Euro und ist für mehr als eine Acht-Stunden-Schicht ausgelegt. Bendorf müsste sich ein solches Fahrzeug sonst selbst anschaffen. Teilt man es auf 85.000 Einwohner auf, relativieren sich Anschaffung und Betrieb.

Das zweite Beispiel liegt erst wenige Wochen zurück. In Bendorf fiel der Bagger aus, mit dem auf dem Friedhof Gräber ausgehoben werden. Geholfen hat damals Neuwied – wegen der guten Beziehungen. Künftig wäre das kein Sonderfall mehr, sondern Normalbetrieb.

Ähnlich beim Personal: Fallen in Bendorf ein oder zwei Gärtner aus, merkt man das im Alltag deutlich. In Neuwied mit dem größeren Team fällt derselbe Ausfall weniger ins Gewicht.

Dazu kommt ein Punkt, den Einig anspricht: Neuwied erledige mehr in Eigenregie, Bendorf kaufe manche Leistungen extern ein. Genau dort ließen sich Synergien heben.

Wie viel Einfluss behalten die Stadträte?

Führen soll die neue Anstalt ein gemeinsamer Verwaltungsrat, in den beide Stadträte Vertreter entsenden. Einig verweist darauf, dass der Stadtrat schon heute wenig direkten Kontakt mit der Arbeit der Servicebetriebe habe; die Fachthemen würden im Verwaltungsrat besprochen.

Mohr beschreibt die Bendorfer Praxis konkreter – und bemerkenswert offen. Dort entscheide der Werkausschuss die allermeisten Fragen: „Ich kann mich an keine einzige Entscheidung erinnern, wo der Stadtrat nicht der Empfehlung des Werkausschusses gefolgt wäre."

Einig legt Wert darauf, dass die Konstruktion unabhängig von handelnden Personen funktioniert. Auch in 40 oder 50 Jahren müsse es möglich sein, die Interessen der einzelnen Kommunen zu vertreten.

Wird Bendorf der 15. Neuwieder Stadtteil?

Diese Frage stellen die Interviewer augenzwinkernd – die Antwort fällt eindeutig aus.

Das sei überhaupt nicht das Thema, antwortet Einig lachend. Eine Kommunalreform dieser Art brauche und wolle man nicht. Bendorf sei eine verbandsfreie Gemeinde, Neuwied eine große kreisangehörige Stadt, dazu lägen beide in unterschiedlichen Kreisen. Eine Zusammenlegung werde es nicht geben.

Mohr bestätigt das und dreht es um: Solche Maßnahmen stärkten die Eigenständigkeit der Städte, statt sie zu schwächen.

Was sich für Bürger ändert

Zunächst wenig. Die neue Anstalt soll einen Standort in Bendorf bekommen, Ansprechpartner bleiben vor Ort. Die allermeisten Kontakte liefen ohnehin über Telefon, Mail oder Internet, sagt Mohr – eine andere Vorwahl falle da kaum ins Gewicht.

Straßenreinigung, Grünpflege, Winterdienst und die Pflege der Spielplätze sollen zunächst weiterlaufen wie bisher. Umstellungen sollen schrittweise kommen – bis Satzungen angeglichen und Abläufe vereinheitlicht sind, rechnen die Betriebe mit ein bis zwei Jahren.

Wie es weitergeht

Bendorfs Werkausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss haben bereits einstimmig zugestimmt.

Die Stadträte beider Städte entscheiden am 3. und 10. November. Fällt die Zustimmung, startet die gemeinsame Anstalt zum 1. Januar 2027.

Unser Artikel von Juli: Servicebetriebe und Stadtwerke Bendorf wollen 2027 fusionieren

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