Polizei durchsucht 242 Wohnungen in Kieler Hochhaus
Kiel. Bei einem Großeinsatz hat die Polizei am Dienstagmorgen das als „Weißer Riese“ bekannte Hochhaus im Kieler Stadtteil Mettenhof durchsucht. Rund 200 Einsatzkräfte waren ab 6 Uhr vor Ort. Das Gebäude mit 22 Etagen und 242 Wohnungen wurde umstellt, während die Ermittler Wohnung für Wohnung kontrollierten.
Hintergrund des Einsatzes ist ein mutmaßlicher Mordversuch auf eine Polizistin. Am 2. Juni war kurz nach Mitternacht ein mehrere Kilogramm schweres Stück einer Gehwegplatte aus dem Hochhaus auf einen Polizeiwagen geworfen worden. Der Betonbrocken durchschlug die Frontscheibe und verletzte eine 25-jährige Beamtin an der Hand und am Sprunggelenk. Sie ist weiterhin dienstunfähig.
Bewohner sollen DNA-Proben abgeben
Auf Grundlage eines Beschlusses des Amtsgerichts Kiel sollen die Bewohner des Hochhauses DNA-Proben abgeben. Personen, die während des Einsatzes nicht angetroffen wurden, erhielten eine schriftliche Aufforderung, sich freiwillig an der Untersuchung zu beteiligen.
Auch eine Staatsanwältin war vor Ort. Zusätzlich setzte die Polizei Drohnen zur Unterstützung des Einsatzes ein.
Die Ermittler gehen davon aus, dass der Betonbrocken gezielt auf den Streifenwagen geworfen wurde und ermitteln wegen versuchten Mordes. Unklar ist bislang, aus welcher Wohnung der Gegenstand geworfen wurde. Eine Belohnung von 1.000 Euro für Hinweise führte bisher offenbar nicht zur Identifizierung eines Tatverdächtigen.
Ein Bewohner erklärte, er habe freiwillig eine DNA-Probe abgegeben, da er mit der Tat nichts zu tun habe.
Der rund 85 Meter hohe „Weiße Riese“ am Kurt-Schumacher-Platz ist das höchste Wohngebäude Kiels. Das Hochhaus wurde ab 1968 errichtet, die ersten Bewohner zogen Anfang der 1970er-Jahre ein. In der Vergangenheit geriet das Gebäude wiederholt wegen seines baulichen Zustands und sozialer Probleme in die Schlagzeilen. Nach Angaben der Polizei kam es allein im Jahr 2025 zu mehr als 100 Einsätzen in dem Gebäude.