Sonnenfinsternis am Mittwochabend: 90 Prozent der Sonne verschwinden
Neuwied. Am Mittwochabend schiebt sich der Mond vor die Sonne – und verdeckt sie fast vollständig. Über unserer Region werden rund 88 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt. Es ist das größte Himmelsereignis seit der Jahrhundertfinsternis von 1999. Wer es sehen will, braucht zwei Dinge: einen freien Blick nach Westen und eine Schutzbrille.
Die Zeiten
Die Finsternis beginnt gegen 19.15 Uhr. Das Maximum wird etwa um 20.10 Uhr erreicht – dann ist die Sonne fast vollständig verdeckt.
Das Ende bekommt in Deutschland allerdings niemand zu sehen: Die Sonne geht unter, bevor der Mond wieder freigibt.
Der Haken: die Sonne steht sehr tief
Und genau darin liegt die Schwierigkeit. Zum Zeitpunkt des Maximums steht die Sonne nur noch wenige Grad über dem Horizont – weniger als eine Handbreit bei ausgestrecktem Arm.
Das heißt: Ein freier Blick nach Westnordwesten ist wichtiger als jedes Teleskop. Häuserzeilen, Bäume oder ein Hügel im Westen, und man sieht schlicht nichts.
Wer das Schauspiel erleben will, sollte sich rechtzeitig einen erhöhten Standort mit offenem Horizont suchen. In unserer Region bieten sich die Höhen über dem Rheintal an.
Ohne Schutzbrille geht gar nichts
Der wichtigste Hinweis überhaupt: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken – auch nicht, wenn sie zu 90 Prozent bedeckt ist. Die verbleibenden zehn Prozent reichen aus, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Das Tückische daran: Man spürt es nicht, weil die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren hat.
Geeignet ist ausschließlich eine zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille nach der Norm ISO 12312-2. Achten Sie auf die entsprechende Kennzeichnung.
Nicht geeignet sind: Sonnenbrillen, auch mehrere übereinander. Berußte Gläser. Rettungsdecken. Belichtete Filme. CDs. Geschweißtes Glas ohne passende Schutzstufe. All das lässt genug Strahlung durch, um Schäden zu verursachen.
Besondere Vorsicht bei Fernglas, Teleskop oder Kamera: Diese bündeln das Licht zusätzlich. Ohne speziellen Objektivfilter drohen schwerste Verletzungen – eine Finsternisbrille vor dem Auge reicht dabei ausdrücklich nicht.
Wo es total wird
Vollständig verschwindet die Sonne nur in einem schmalen Streifen: über Grönland, Island, Nordspanien und den Balearen. Dort wird es für kurze Zeit dunkel wie in der Nacht, Sterne werden sichtbar, die Sonnenkorona erscheint.
In Deutschland bleibt es trotz 88 Prozent Bedeckung deutlich heller als gedacht. Der Unterschied zwischen partiell und total ist größer, als die Prozentzahl vermuten lässt.
Eine Chance für Jahrzehnte
Ein Bedeckungsgrad von rund 90 Prozent wird in Deutschland erst wieder am 13. Juli 2075 erreicht. Wer diese Gelegenheit verpasst, wartet also fast fünfzig Jahre.
Die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland liegt fast auf den Tag genau 27 Jahre zurück: Am 11. August 1999 verdunkelte sich der Himmel über dem Süden des Landes.
Und noch ein Bonus
In derselben Nacht erreichen die Perseiden ihr Maximum – der bekannteste Sternschnuppenstrom des Jahres. Und weil Neumond ist, stört kein Mondlicht.
Wer also nach der Finsternis noch draußen bleibt, hat gute Chancen auf Sternschnuppen. Dafür braucht es keine Brille, nur Geduld und einen dunklen Ort abseits der Straßenlaternen.