Die Geschichte Neuwieds
Von der Gründung als Residenzstadt der Grafen zu Wied 1653 bis zur Stadt mit 14 Ortsbezirken.
Neuwied ist eine vergleichsweise junge Stadt. Graf Friedrich III. zu Wied gründete sie 1653 als Residenzstadt am Rhein und lockte Siedler mit Privilegien an, vor allem mit einer für ihre Zeit außergewöhnlichen Religionsfreiheit. So entstand eine Stadt, in der Katholiken, Lutheraner, Reformierte, Mennoniten, Herrnhuter und Juden nebeneinander lebten.
Bekannt wurde Neuwied später durch die Möbel der Familie Roentgen, durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der in Heddesdorf die Grundlagen des Genossenschaftswesens legte, und durch den großen Hochwasserschutzdeich, der der Stadt den Beinamen Deichstadt eingebracht hat. Ihre heutige Gestalt erhielt die Stadt mit der Gebietsreform von 1970.
- 1646
Graf Friedrich III. zu Wied ließ an der Rheinfront seiner Grafschaft, an der Stelle des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Weilers Langendorf, eine kleine Befestigungsanlage errichten. Von der Teilhabe am Rheinhandel erhoffte er sich neue wirtschaftliche Impulse für die verarmte Grafschaft.
- 1653
Am 26. August 1653 erwirkte Graf Friedrich III. zu Wied bei Kaiser Ferdinand III. in Regensburg die Übertragung der Stadtrechte des Westerwaldstädtchens Nordhofen auf die Siedlung um das Haus Newen Wiedt. Dieser Tag gilt als Gründungsdatum der Stadt Neuwied, an das noch heute der Pfau im Stadtwappen erinnert.
- 1662
Mit dem Stadtrechtsprivileg vom 4. Juni 1662 garantierte der Graf den Einwohnern weitreichende Freiheiten, darunter Magistratswahl, Freiheit von Frondiensten und eine für die Zeit außergewöhnliche Religionsfreiheit. Die Stadt wurde dadurch zu einem Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge unterschiedlicher Konfessionen.
- 1694
Die als rechtwinklige Planstadt mit gitterförmigem Straßennetz angelegte junge Stadt wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört.
- 1706
Mit dem Bau der heutigen dreiflügeligen Schlossanlage begann die Geschichte des Neuwieder Residenzschlosses, das bis in die napoleonische Zeit Regierungssitz der Grafen und Fürsten zu Wied war.
- 1721
Ein Streit zwischen Graf und Magistrat um die städtischen Einnahmen endete vor dem Reichskammergericht mit der sogenannten Wetzlarer Punctation. Sie regelte die finanziellen Fragen und erkannte zugleich die wiedische Toleranzpolitik reichsrechtlich an.
- 1748
Im Beisein des Grafen weihte Rabbiner Lazarus Salomon am 13. August 1748 die erste Neuwieder Synagoge ein, die als Vorbild späterer Stadtsynagogen im Rheinland gilt.
- 1750
Nach ihrer Ausweisung aus dem Isenburger Land zogen 41 Herrnhuter, darunter die Familie des Kunsttischlers Abraham Roentgen, auf Einladung des Grafen Johann Friedrich Alexander nach Neuwied. Damit begann die Geschichte der Herrnhuter Brüdergemeine und der Roentgen-Möbelmanufaktur in der Stadt.
- 1760
Graf Johann Friedrich Alexander verpachtete das Eisenwerk am Rasselstein, das unter ihm um Eisenhütte und Blechhammer erweitert worden war, an den Unternehmer Heinrich Wilhelm Remy. Ab 1784 ging es in den Besitz von Carl Wilhelm Remy über und entwickelte sich zu einem der führenden deutschen Stahl- und Walzwerke. Dort entstanden 1835 unter anderem die Schienen für die erste deutsche Eisenbahnstrecke mit Lokomotivbetrieb zwischen Nürnberg und Fürth.
- 1772
David Roentgen übernahm noch zu Lebzeiten seines Vaters die Leitung der Neuwieder Werkstatt und baute sie zu einer Möbelmanufaktur von Weltruf aus, deren Möbel an Fürstenhöfen in ganz Europa gefragt waren.
- 1784
Beim schwersten bekannten Hochwasser, dem Eishochwasser von 1784, stand die Rheinflut in den Straßen der Stadt über vier Meter hoch. Im selben Jahr erhob Kaiser Joseph II. Graf Johann Friedrich Alexander am 29. Mai in den erblichen Fürstenstand, Neuwied wurde damit Residenz des Fürstentums Wied.
- 1785
Die Herrnhuter Brüdergemeine errichtete ihren spätbarocken Kirchensaal im Herrnhuter Viertel, das bis heute zu den markanten Ensembles der Innenstadt zählt.
- 1797
In der Schlacht von Neuwied errangen französische Revolutionstruppen unter General Lazare Hoche einen Sieg über die österreichische Armee, an den eine Inschrift am Arc de Triomphe in Paris erinnert.
- 1806
Im Zuge der Mediatisierung verlor das Fürstentum Wied seine Eigenständigkeit, Neuwied und das wiedische Gebiet fielen an das Herzogtum Nassau. Damit endete die Zeit der Stadt als Residenz eines selbstständigen Territoriums.
- 1815
Das gesamte heutige Stadtgebiet kam an Preußen, die Fürsten zu Wied übten bis 1848 noch Rechte als Standesherren aus.
- 1816
Der preußische Landkreis Neuwied wurde gebildet, Neuwied wurde Sitz der Kreisverwaltung. Diese Funktion als Kreisstadt hat die Stadt bis heute.
- 1852-1865
Friedrich Wilhelm Raiffeisen war Bürgermeister der Bürgermeisterei Heddesdorf, die heute zur Stadt Neuwied gehört.
- 1854
Auf Betreiben Raiffeisens entstand der Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein, dem im Mai 1854 bereits 58 Mitglieder beitraten und der am 22. Juli 1854 seine erste Generalversammlung abhielt.
- 1864
Aus dem Wohltätigkeitsverein ging durch Umgründung der Heddesdorfer Darlehenskassenverein hervor, der als erste Genossenschaftsbank nach heutigem Verständnis gilt.
- 1870
Neuwied erhielt Anschluss an die rechtsrheinische Eisenbahnstrecke. Nach Angaben der Stadt nahm der Bahnhof Engers bereits 1869 den Betrieb auf.
- 1901
Die Neuwieder Kreisbahnen eröffneten die erste Straßenbahnverbindung nach Oberbieber, 1909 folgten Strecken über Engers nach Gladbach.
- 1904
Zum 1. April 1904 wurde das benachbarte Heddesdorf nach Neuwied eingemeindet, wodurch sich die Stadt erheblich vergrößerte.
- 1928-1931
Nach drei schweren Hochwassern in den 1920er-Jahren entstand auf Initiative von Bürgermeister Robert Krups ein 7,5 Kilometer langer Hochwasserschutzdeich mit einer rund 500 Meter langen Deichmauer vor dem Stadtzentrum. Seit seiner Fertigstellung im Oktober 1931 trägt Neuwied den Beinamen Deichstadt.
- 1938
Beim Novemberpogrom kam es auch in Neuwied zu schweren Ausschreitungen, der Metzgermeister Ferdinand Levy starb an den Folgen der Misshandlungen und die Inneneinrichtung der Synagoge wurde zerstört. 1942 wurden die letzten verbliebenen jüdischen Bürgerinnen und Bürger deportiert.
- 1939-1945
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zu 18 Prozent durch Bomben zerstört.
- 1946
Stadt und Landkreis Neuwied wurden Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
- 1947
Am 22. Dezember 1947 stießen bei Neuwied-Irlich zwei Schnellzüge zusammen. 41 Menschen kamen bei einem der schwersten Zugunglücke der deutschen Nachkriegsgeschichte ums Leben.
- 1965
Neuwied ging mit dem niederländischen Beverwijk seine erste Städtepartnerschaft ein, die 1990 von niederländischer Seite aufgekündigt wurde. Freundschaftliche Beziehungen bestehen bis heute.
- 1969
Die bis dahin selbstständige Gemeinde Irlich wurde am 7. Juni 1969 nach Neuwied eingemeindet.
- 1970
Mit der rheinland-pfälzischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurden zum 7. November 1970 die Städte Neuwied und Engers sowie die Gemeinden Altwied, Feldkirchen, Gladbach, Heimbach-Weis, Niederbieber-Segendorf und Oberbieber zur neuen großen Stadt Neuwied zusammengeschlossen.
- 1978
Am 28. September 1978 wurde nach vierjähriger Bauzeit die Raiffeisenbrücke nach Weißenthurm für den Verkehr freigegeben. Die Schrägseilbrücke ersetzte eine 1935 fertiggestellte Vorgängerbrücke und zählt zu den Wahrzeichen der Stadt.
- 1987
Neuwied besiegelte Partnerschaften mit dem Londoner Stadtteil Bromley und der israelischen Region Drom Hasharon, deren Urkunde am 29. April 1987 unterzeichnet wurde. 1989 folgte die Partnerschaft mit Güstrow in der damaligen DDR.
- 2003
Mit zahlreichen Veranstaltungen feierte die Stadt das Jubiläum 350 Jahre Neuwied. Aus diesem Anlass entstand auch die Schriftenreihe der Stadt zu Geschichte und Gegenwart.
- 2015
Am 23. September 2015 wurde in Neuwied der Partnerschaftsvertrag mit der chinesischen Stadt Suqian unterzeichnet.
- 2024
Mit Ablauf der Kommunalwahlperiode 2019 bis 2024 wurden auch Innenstadt und Heddesdorf zu Ortsbezirken, seitdem ist das gesamte Stadtgebiet in 14 Ortsbezirke gegliedert.
Angaben nach Veröffentlichungen der Stadt Neuwied (neuwied.de, Der Deich). Stand: 8. Oktober 2026.