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120 Ideen für Neuwied: Das wünschen sich die Bürger von ihrer Innenstadt

Konzerte am Deich, Schatten auf dem Marktplatz, Kino im Schlosspark – und ein klares Nein zum Riesenrad: 120 Ideen haben Neuwieder für ihre Innenstadt eingereicht. Was sie sich wünschen.

Eine auffällige digitale Stadtlandschaft, die von hellen roten Neonlichtern erleuchtet wird und eine futuristische Atmosphäre schafft.
Foto: Pachon in Motion / Pexels

Neuwied. Konzerte am Deich, Schatten auf dem Marktplatz, Open-Air-Kino im Schlosspark – und ein deutliches Nein zum Riesenrad: Rund drei Wochen lang konnten Neuwiederinnen und Neuwieder Vorschläge für ihre Innenstadt einbringen. Heute endet die Beteiligung zum "Masterplan Öffentlicher Raum". Ein Blick auf die 120 eingegangenen Ideen zeigt, was die Menschen bewegt.

Die Top 5 der beliebtesten Ideen

Bewertet wurden die Vorschläge von den Nutzern selbst. Die größte Zustimmung erhielten:

Uferkonzerte an der Freitreppe (56 Stimmen). "Regelmäßig kleine, gemütliche Konzerte oder Jamsessions an der Freitreppe vor der Deichkrone" – der meistunterstützte Vorschlag überhaupt.

Mehr Schatten auf dem Marktplatz (51 Stimmen). Eine Anwohnerin schreibt, sie gehe täglich am Platz vorbei und sehe dort nie jemanden sitzen: "Ich habe mich dort hingesetzt und es nicht das Gefühl, dass man da gerne und länger sitzen möchte."

Open-Air-Kino (50 Stimmen). Nach dem Vorbild der Filmnächte in Andernach oder des Uferkinos in Koblenz – Schlosspark oder Marktplatz als mögliche Orte.

Das Berninger-Areal begrünen (44 Stimmen). Die brachliegende Fläche soll zum "Wohlfühlort" werden, mit Bäumen, Bänken und Spielgeräten. In den Kommentaren fällt mehrfach das Wort "Schandfleck".

Ein grüner Deich (43 Stimmen). Begrünte Sonnensegel oder Pflanzbögen entlang der Deichmauer, die auch die Promenade beschatten.

Klima ist das Leitthema

Auffällig ist, wie oft es um Hitze und Schatten geht. Ob Marktplatz, Luisenplatz, Deich oder Hermannstraße: Immer wieder wünschen sich Menschen mehr Bäume, mehr Grün, weniger Beton.

"Zu viel Beton. Die ganze Innenstadt braucht mehr Bäume", heißt es in einem Beitrag, der 17 Stimmen bekam. Vorgeschlagen werden auch Fassadenbegrünung an den Parkhäusern, Trinkbrunnen, Wassertretbecken und ein reaktivierter Brunnen am Berliner Platz.

Ein Kommentar bringt einen Punkt an, der bei künftigen Pflanzungen relevant sein dürfte: Neue Bäume sollten größere Exemplare sein als die am Luisenplatz – diese könnten "erst in etlichen Jahren nennenswerten Schatten spenden".

Der Luisenplatz überzeugt noch nicht alle

Der frisch umgestaltete Luisenplatz kommt in den Beiträgen nicht nur gut weg. "Auch nach Umbau, Neugestaltung ist der Luisenplatz immer noch nicht wirklich einladend", schreibt eine Nutzerin – 26 Menschen stimmten zu.

Ähnlich der Marktplatz: kahl, zu wenig Schatten, kein Ort zum Verweilen. Mehrfach wird angeregt, den Platz mit Gastronomie, einem Kiosk oder Veranstaltungen zu beleben.

Was strittig ist

Nicht alle Vorschläge fanden Anklang. Die deutlichste Ablehnung erhielt die Idee eines Riesenrads am Deichufer: eine Zustimmung, elf Gegenstimmen.

Kontrovers ist auch die Frage nach Fastfood-Ketten. Der Wunsch nach einem Burger King, McDonald's oder Subway in der Innenstadt bekam 23 Zustimmungen – aber auch zwölf Gegenstimmen. In den Kommentaren heißt es dagegen, Fastfood gebe es mit Dönerläden und Imbissen bereits genug.

Und beim Thema Verkehr gehen die Meinungen erwartbar auseinander: Tempo 30 in der gesamten Innenstadt bekam 19 Zustimmungen bei fünf Gegenstimmen. Umgekehrt gibt es Beiträge, die mehr Parkplätze fordern und die Umwandlung der Fußgängerzone zurückdrehen wollen – diese fanden allerdings kaum Unterstützung.

Der Leerstand beschäftigt viele

"Es ist eine Schande, dass viele Geschäfte wie Douglas, Müller, Rewe aus der Stadt verschwunden sind. Die Stadt fühlt sich inzwischen tot an", schreibt ein Nutzer.

Als Lösungsansätze werden Pop-up-Stores genannt, ein gemeinsamer Laden für regionale Erzeuger, Kreativwerkstätten oder ein Repair-Café. Ein Kommentar bringt die Rahmenbedingungen ins Spiel: zu hohe Mieten, Stellplatzablösen und ein Grundsteuer-Hebesatz, der Ansiedlungen erschwere.

Die kreativsten Vorschläge

Neben Bänken und Bäumen finden sich einige ungewöhnliche Ideen:

Ein Lichtkunstfestival am Deich mit Fassadenprojektionen. Eine Mystery Night, bei der die ganze Innenstadt zum Kriminalfall wird. Ein 24-Stunden-Kulturmarathon, bei dem jede Stunde eine neue Veranstaltung beginnt. Rudelsingen auf dem Marktplatz. Ein Schwimmschiff im Rhein, gebaut aus einem alten Schubverband. Und die Essbare Stadt: Hochbeete mit Paten, die bei Pflege und Bepflanzung helfen.

Was jetzt passiert

Mit dem heutigen Tag endet die Sammlung. Alle Beiträge werden ausgewertet und fließen in das Maßnahmenkonzept des Masterplans ein.

Häufungen sollen dabei helfen, Schwerpunkte zu erkennen. Nach dieser Logik dürften Schatten, Grün und Veranstaltungen am Deich weit oben stehen.

Der Masterplan wird vom Dortmunder Büro scheuvens + wachten plus erarbeitet und über das Landesprogramm "Innenstadt-Impulse" finanziert. Wann er dem Stadtrat vorgelegt wird, steht noch nicht fest.

Heute ist der letzte Tag

Wer noch mitmachen will, hat bis Mitternacht Zeit. Neue Ideen lassen sich eintragen, bestehende bewerten und kommentieren – unter jetzt-mitmachen.de/masterplaninnenstadt.

Über den Start der Beteiligung hatten wir bereits ausführlich berichtet.

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