Anschlagsversuch Leipzig: Dritte Drohne und militärischer Sprengstoff gefunden
Leipzig. Im Fall des mutmaßlichen Anschlagsversuchs auf den Flughafen Leipzig/Halle sind offenbar mehr Drohnen im Spiel gewesen als bislang bekannt. Ermittler fanden eine dritte Drohne und eine Substanz, bei der es sich um militärischen Sprengstoff handeln könnte. Zugleich wachsen Zweifel an einem zentralen Punkt der bisherigen Rekonstruktion.
Der neue Fund
Nach Recherchen von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung” wurde am 14. August – zehn Tage nach dem ersten Fund – auf einem Feld im Kabelsketal eine weitere Drohne entdeckt. Die Gemeinde im Saalekreis grenzt unmittelbar an den westlichen Teil des Flughafengeländes.
Noch am selben Tag rückten Kriminaltechniker des Bundeskriminalamts an.
Am Folgetag machten die Ermittler an derselben Stelle einen zweiten Fund: eine Substanz, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um rund 50 Gramm Hexogen gehandelt haben könnte.
Hexogen ist ein hochexplosiver Sprengstoff, der in militärischer Munition und in Sprengladungen verwendet wird.
Die gefundene Drohne soll defekt gewesen sein.
Eine Antenne, an einen Baum geklebt
Eine weitere Spur führte die Ermittler nach Kursdorf, nördlich des Flughafens.
Dort fanden sie eine technische Konstruktion, die möglicherweise zur Steuerung einer Drohne diente: An einen Baum geklebt waren eine Antenne und elektronische Bauteile.
In unmittelbarer Nähe entdeckten die Einsatzkräfte verbrannte Erde und Metallfragmente. Geprüft wird, ob es sich um eine Sprengstelle handeln könnte.
Zweifel an der DHL-Kollision
Ein zentraler Punkt der bisherigen Rekonstruktion gerät ins Wanken.
Bislang galt als wahrscheinlich, dass eine zweite Drohne mit einer DHL-Frachtmaschine kollidierte. Das Flugzeug hatte wegen der Flughafensperrung seinen Landeanflug abbrechen müssen und wurde nach Hannover umgeleitet, wo Beschädigungen festgestellt wurden.
Nach den neuen Recherchen sollen die Piloten unmittelbar vor dem Zusammenstoß ein etwa 30 Zentimeter großes Objekt gesehen haben.
Diese zweite Drohne wurde bis heute nicht gefunden. Eine Erklärung der Ermittler: Sie könnte nach dem Zusammenstoß in die Triebwerke geraten und in kleinste Teile zerlegt worden sein.
Der “Spiegel” berichtet allerdings, dass die Zweifel an der Kollisionstheorie wachsen.
Was seit dem 4. August bekannt ist
Zur Erinnerung der bisherige Stand: Am späten Abend des 4. August wurde gegen 23.42 Uhr auf dem Flughafengelände eine Drohne entdeckt – in der Nähe eines ukrainischen Antonow-Frachtflugzeugs.
Sie war mit professionellem Sprengstoff und einem Zünder präpariert. Nach Erkenntnissen der Ermittler sollte damit die Maschine angegriffen werden, die für den Transport von Rüstungsgütern genutzt wird.
Der Zünder funktionierte nicht.
Der Generalbundesanwalt führt die Ermittlungen. Zu den neuen Funden wollte sich eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft nicht äußern.
Warum der Flughafen ein Ziel ist
Leipzig/Halle spielt eine Schlüsselrolle beim Transport von Militärgütern – für die Bundeswehr und für NATO-Partner. Zugleich dient er als Basis für die ukrainische Antonov Airlines.
Wer hinter dem Anschlagsversuch steckt, ist weiterhin offen. Auch das Motiv ist nicht geklärt.
Einordnung
Zwei Punkte sind bei diesem Fall wichtig:
Die Angaben stammen aus Sicherheitskreisen, nicht von den Ermittlungsbehörden selbst. Die Bundesanwaltschaft bestätigt sie nicht.
Und die Identifizierung des Sprengstoffs ist vorläufig. Von “ersten Einschätzungen” ist die Rede – eine abschließende Analyse steht aus.
Der Fall reiht sich in eine Serie ein, die die Sicherheitsbehörden seit Monaten beschäftigt: Drohnen über der Bundeswehr-Anlage in Mechernich, gestörter Flugbetrieb in Köln/Bonn, über 2.000 verdächtige Drohnenüberflüge allein im vergangenen Jahr.