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Heute vor einem Jahr: Als in Völklingen ein Polizist starb

Vor einem Jahr starb ein Polizist in Völklingen. Im April sprach das Gericht den Täter vom Mordvorwurf frei – wegen Schizophrenie. Ein Rückblick.

Völklingen. Ein Tankstellenüberfall mit einem Buttermesser, 600 Euro Beute – und am Ende ein toter Polizist. Am 21. August 2025 wurde Polizeioberkommissar Simon Bohr in Völklingen im Saarland erschossen. Mit einer Dienstwaffe seiner eigenen Kollegen. Heute jährt sich die Tat zum ersten Mal.

Was geschah

Ein 18-Jähriger überfiel am Abend eine Tankstelle und erbeutete 600 Euro. Er floh zu Fuß.

Drei Polizisten nahmen die Verfolgung auf und holten ihn in der Innenstadt ein. Im folgenden Handgemenge gelang es dem Mann, einem Polizeianwärter die Dienstwaffe aus dem Holster zu ziehen.

Er schoss mehrfach auf die Beamten. Simon Bohr, 34 Jahre alt, starb wenig später in einer Klinik. Der Angreifer wurde bei dem Schusswechsel selbst zweimal getroffen und festgenommen.

Bohr hinterließ eine Frau und zwei kleine Kinder.

Die Erschütterung

Der Fall bewegte weit über das Saarland hinaus. Vor der Polizeiinspektion Völklingen legten Menschen Blumen und Kerzen nieder. Die Polizeigewerkschaften starteten eine Spendenaktion für die Familie – allein bei einer privat organisierten Sammlung kamen binnen weniger Tage fast 200.000 Euro zusammen.

"Wir stehen unter Schock, uns fehlen die Worte, wir sind wie paralysiert", erklärten die Gewerkschaften damals.

Im September folgte eine Gedenkfeier in Saarbrücken.

Der Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim, der die Witwe und Dutzende traumatisierte Beamte betreute, beschrieb später, was der Fall bei den Kollegen auslöste: "Miterleben, wie ein Freund, ein Kollege getötet wird, es mit ansehen und es nicht verhindern können, das ist eine Extremsituation, die man sich gar nicht vorstellen kann."

Das Urteil

Der Prozess endete am 1. April dieses Jahres mit einer Entscheidung, die viele überraschte.

Der Angeklagte wurde wegen schweren Raubes verurteilt. Vom Mordvorwurf sprach ihn das Gericht dagegen frei – wegen einer akuten Schizophrenie sei er in diesem Moment nicht schuldfähig gewesen. Er wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

Die Nebenklage hatte die Höchststrafe nach Jugendstrafrecht gefordert: 15 Jahre.

Was die Witwe sagte

Vor Gericht beschrieb die Frau des Getöteten, was der Tag mit ihrem Leben gemacht hat: "Am 21. August wurde unser Leben in wenigen Sekunden zerstört."

Besonders belaste sie, dass sich der Angeklagte bis heute nicht entschuldigt und keine Reue gezeigt habe. "Das zeigt mir, dass nicht verstanden wurde, was in diesen paar Sekunden passiert ist und uns genommen wurde. Mir und den Kindern, den Freunden, den Kollegen."

Während des Prozesses wirkte der Angeklagte nach Beobachtung von Prozessbeobachtern apathisch. Er saß regungslos auf der Anklagebank und schaute nach unten.

Was bleibt

Ein Jahr später ist der Fall in mehrfacher Hinsicht ungelöst geblieben – nicht in den Fakten, aber in dem, was er hinterlässt.

Für die Familie: ein Vater, der fehlt. Für die Polizei: die Erkenntnis, wie schnell eine Routinesituation eskalieren kann. Und für die Öffentlichkeit: eine Debatte über Sicherungssysteme an Dienstwaffen, die seither immer wieder geführt wird.

Simon Bohr hatte die Hälfte seines Lebens der saarländischen Polizei gewidmet. Er wurde 34 Jahre alt.

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