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Nord Stream: Mutmaßlicher Taucher offenbar gefasst – zweimal war er den Ermittlern entkommen

Malersicher Blick auf ein Kreuzfahrtschiff, das im Hafen von Tallinn liegt und den Küstenzauber Estlands einfängt.
Foto: Liisbet Luup / Pexels

Karlsruhe. Im Fall der gesprengten Nord-Stream-Pipelines soll den deutschen Ermittlern ein weiterer Verdächtiger ins Netz gegangen sein. Nach Informationen des "Spiegel" wurde ein ukrainischer Taucher festgenommen, der 2022 an der Sprengung beteiligt gewesen sein soll. Zweimal war er den Behörden zuvor entkommen. Eine offizielle Bestätigung der Bundesanwaltschaft liegt bislang nicht vor.

Zweimal entwischt

Der Fall des Tauchers ist eine Geschichte gescheiterter Zugriffe.

Bereits im Juni 2024 erwirkte die Bundesanwaltschaft einen europäischen Haftbefehl gegen ihn. Er lebte damals in Polen, in einer Kleinstadt bei Warschau. Doch bevor die Behörden zugreifen konnten, setzte er sich in die Ukraine ab. Die polnische Grenzpolizei ließ ihn passieren – nach Angaben aus Warschau, weil die deutschen Behörden nicht mitgeteilt hatten, was ihm vorgeworfen wird.

Im September 2025 dann der zweite Versuch: Er wurde in Polen festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Doch die polnische Justiz lehnte die Auslieferung nach Deutschland ab. Ministerpräsident Donald Tusk hatte zuvor deutlich gemacht, es liege nicht im Interesse seines Landes, den Mann anzuklagen oder auszuliefern. Polen hatte sich stets gegen den Bau der Pipeline ausgesprochen.

Der Mann kam frei.

Was 2022 geschah

Am 26. September 2022 detonierten in der Ostsee nahe der dänischen Insel Bornholm Sprengsätze an den Pipelines Nord Stream 1 und 2. Beide wurden so schwer beschädigt, dass kein Gas mehr durchfließen konnte.

Nach Erkenntnissen der Ermittler ging eine siebenköpfige Gruppe am 8. September 2022 im Hafen von Wiek auf Rügen an Bord der Segelyacht "Andromeda" – darunter ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher. Die Yacht war über Mittelsmänner mit gefälschten Ausweispapieren bei einem deutschen Unternehmen gechartert worden.

Bei Tauchgängen in bis zu 80 Metern Tiefe sollen die Sprengsätze mit Zeitzündern an den Rohrleitungen befestigt worden sein.

Der mutmaßliche Anführer steht vor Gericht

Der bislang einzige Beschuldigte in deutscher Haft ist Serhij K., 49 Jahre alt. Ihn nahmen italienische Behörden im August 2025 fest, während er mit seiner Familie an der Adria Urlaub machte. Nach juristischem Streit über die Auslieferung wurde er im November 2025 nach Deutschland überstellt.

Die Bundesanwaltschaft erhob im Juli dieses Jahres Anklage – unter anderem wegen Kriegsverbrechens, Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindlicher Sabotage. Der Prozess soll in Hamburg stattfinden. K. bestreitet die Vorwürfe.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Warum der Fall politisch heikel ist

Die Ermittlungen bewegen sich in einem diplomatischen Minenfeld.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Beteiligung seines Landes wiederholt bestritten. Zugleich verweigerte Polen die Auslieferung – mit dem offen ausgesprochenen Argument, man habe kein Interesse an einer Strafverfolgung.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte nach der ersten Festnahme betont, an der Zusammenarbeit mit der Ukraine ändere sich dadurch nichts.

Sechs weitere Verdächtige sind weiterhin auf freiem Fuß.

Diese Meldung wird aktualisiert, sobald offizielle Angaben vorliegen.

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