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Apple verklagt OpenAI: Vorwurf des systematischen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen

Apple zieht gegen OpenAI vor Gericht: Ex-Mitarbeiter sollen Geschäftsgeheimnisse für das geheime KI-Gerät von Jony Ive gestohlen haben. OpenAI weist alles zurück.

Logo Apple / OpenAI
Foto: OpenAI

Cupertino/San Francisco. Der Streit zwischen Apple und OpenAI eskaliert vor Gericht: Apple hat am Freitag beim US-Bundesbezirksgericht in San Jose Klage gegen den ChatGPT-Entwickler eingereicht. Der Vorwurf: OpenAI habe systematisch Geschäftsgeheimnisse gestohlen, um sein eigenes Hardware-Projekt unter Design-Ikone Jony Ive zu beschleunigen. Neben OpenAI und dessen Tochter "io Products" sind auch zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter angeklagt – darunter OpenAIs heutiger Hardware-Chef Tang Tan.

Die 41-seitige Klageschrift (Az. 5:26-cv-07078) liest sich streckenweise wie ein Krimi. Im Zentrum stehen zwei Personen: Der Ingenieur Chang Liu, acht Jahre lang in der iPhone-Entwicklung tätig, soll nach seinem Wechsel zu OpenAI im Januar ein Dienstlaptop einbehalten, einen bis dahin unbekannten Authentifizierungs-Fehler ausgenutzt und Dutzende vertrauliche Dateien zu unveröffentlichten Produkten heruntergeladen haben. In Chatnachrichten soll er den Zugriff mit "LOL" und "so funny" kommentiert haben.

Schwerer wiegen dürften die Vorwürfe gegen Tang Tan, der nach 24 Jahren bei Apple – zuletzt als Vice President für das Produktdesign von iPhone und Apple Watch – heute OpenAIs Hardware-Sparte leitet. Laut Klage nutzte er in Bewerbungsgesprächen interne Apple-Codenamen, forderte Kandidaten auf, echte Apple-Bauteile wie Batterien und Logic Boards zum "Show and Tell" mitzubringen, und verbreitete ein internes Dokument, das Neuzugängen half, Apples Sicherheitskontrollen beim Ausscheiden zu umgehen. Insgesamt, so Apple, arbeiteten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI – der Rekrutierungsprozess sei gezielt darauf ausgelegt, vertrauliches Wissen abzuschöpfen. OpenAIs Hardware-Geschäft sei "bis ins Mark verrottet", heißt es in der Klageschrift drastisch.

OpenAI weist Vorwürfe zurück

OpenAI wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Man habe "kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen", erklärte Kommunikationsdirektor Drew Pusateri und verwies darauf, dass man die Klageschrift noch prüfe. Apple betonte hingegen, man nehme den Schutz des geistigen Eigentums seiner Teams "sehr ernst". Wichtig für die Einordnung: Sämtliche Tatvorwürfe sind bislang Behauptungen Apples und gerichtlich nicht geprüft. Weder Sam Altman noch Tim Cook haben sich bisher persönlich geäußert.

Apple fordert unter anderem Unterlassung, die Rückgabe von Firmeneigentum, Schadensersatz in noch unbezifferter Höhe sowie Strafschadensersatz wegen "vorsätzlichen und böswilligen" Handelns. Jony Ive selbst, dessen Startup io von OpenAI 2025 für rund 6,5 Milliarden US-Dollar übernommen wurde, ist ausdrücklich nicht angeklagt.

Vom Partner zum Rivalen

Die Klage markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer Beziehung, die 2024 vielversprechend begann: Damals kündigten beide Unternehmen die Integration von ChatGPT in Siri und Apple Intelligence an. Doch das Verhältnis kühlte rapide ab. Im Januar entschied sich Apple, das neue Siri stattdessen mit einem angepassten Google-Gemini-Modell zu betreiben – ein Deal, der laut Medienberichten rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr wert sein soll. Im Mai wurde bekannt, dass umgekehrt OpenAI rechtliche Schritte gegen Apple erwog, weil die ChatGPT-Integration im System "vergraben" sei und die erhofften Einnahmen ausblieben.

Parallel baut OpenAI unter Ive an eigener Consumer-Hardware; Medienberichten zufolge soll das erste Gerät – ein Smart Speaker mit Kamera – frühestens Anfang 2027 erscheinen. Genau dieses Projekt könnte die Klage nun ausbremsen, zumal sie in eine heikle Phase fällt: OpenAI hat bereits vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Die ChatGPT-Integration in iOS ist laut Klageschrift ausdrücklich nicht Gegenstand des Verfahrens und bleibt vorerst bestehen.

An der Börse blieb die Reaktion verhalten: Die Apple-Aktie schloss am Freitag mit einem Minus von 0,28 Prozent bei 315,32 US-Dollar.

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