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Bahn-Sicherheitsmann stürzt bei Gerangel aus fahrendem Zug – lebensgefährlich verletzt

Streit bei der Fahrscheinkontrolle eskaliert: Ein Bahn-Sicherheitsmann stürzt aus einem fahrenden Zug Richtung Karlsruhe und schwebt in Lebensgefahr.

Dynamische Szene an einem Hamburger Bahnhof mit rasendem Zug und Pendlerzug.
Foto: Wolfgang Weiser / Pexels

Ettlingen. Ein 26-jähriger Mitarbeiter der DB-Sicherheit ist am Freitagabend bei einer körperlichen Auseinandersetzung aus einem fahrenden Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden. Das teilten die Staatsanwaltschaft Karlsruhe und das Polizeipräsidium Karlsruhe gemeinsam mit. Ein 36-jähriger Fahrgast wurde noch im Zug vorläufig festgenommen. Sein Zustand war nach Angaben der Ermittler auch am Wochenende weiterhin kritisch.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand kontrollierten Fahrscheinprüfer gegen 19:35 Uhr auf der Bahnstrecke von Offenburg nach Karlsruhe einen 36-jährigen Fahrgast. Im Zusammenhang mit der Kontrolle kam es offenbar zu einem verbalen Streit, woraufhin zwei Mitarbeiter der DB-Sicherheit hinzugezogen wurden. Nach Darstellung der Ermittler hatten die Sicherheitskräfte bereits die Polizei alarmiert, die beim nächsten Halt zusteigen sollte – dazu kam es aber nicht mehr, weil die Situation zuvor eskalierte. Der mutmaßlich alkoholisierte Mann soll die beiden Sicherheitsleute beleidigt haben; anschließend kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und einem der Mitarbeiter.

Tür öffnete sich aus ungeklärter Ursache

Bei dem Gerangel stürzten beide Beteiligten zu Boden. Dabei öffnete sich – aus bislang ungeklärter Ursache – die Tür des mit rund 120 Stundenkilometern fahrenden Zuges, und der 26-Jährige stürzte auf Höhe von Ettlingen-Bruchhausen hinaus.

Alarmierte Einsatzkräfte nahmen den Fahrgast noch im Zug fest. Der Verletzte wurde erst nach umfangreichen Suchmaßnahmen gefunden: Die Polizei entdeckte ihn rund zwei Kilometer hinter dem späteren Halteort des Zuges im Gleisbereich. Rettungskräfte brachten ihn mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus.

Die Kriminalpolizei Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen, der Zug wurde beschlagnahmt und wird untersucht. Zeugen werden befragt, zudem prüfen die Ermittler, ob es Videoaufnahmen gibt. Die Untersuchungen zum genauen Ablauf und zu den Hintergründen dauern an – insbesondere die Frage, wie sich die Zugtür während der Fahrt öffnen konnte, ist offen. Einen konkreten Tatvorwurf gegen den 36-Jährigen nannten die Behörden zunächst nicht.

Bahn und Gewerkschaft reagieren

Die Deutsche Bahn zeigte sich betroffen. "Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste", sagte eine Bahnsprecherin. "Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten." Der betroffene Zug werde wegen der laufenden Ermittlungen vorerst nicht wieder im Verkehr eingesetzt.

Deutliche Worte fand die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Der Landesvorsitzende Manuel Amberger erklärte, der Fall zeige, dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal "eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben". Dass erneut ein Kollege nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringe, mache "fassungslos und wütend".

Gewalt gegen Bahnpersonal auf Rekordniveau

Der Fall reiht sich in eine Entwicklung ein, die die Deutsche Bahn seit Jahren beschäftigt: 2025 registrierte der Konzern bundesweit 3.262 körperliche Übergriffe auf Mitarbeitende – rechnerisch rund acht pro Tag und gegenüber 2016 ein Anstieg um 37 Prozent. Etwa die Hälfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen Beschäftigte im Regionalverkehr, Sicherheitskräfte sind in gut einem Drittel der Fälle betroffen.

Für bundesweites Entsetzen hatte Anfang Februar der Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar gesorgt: Der 36-Jährige war in einem Regionalexpress bei Landstuhl nach einer Ticketkontrolle mit Faustschlägen gegen den Kopf attackiert worden und starb an einer Hirnblutung. Nach Angaben der Bahn war es der erste tödliche Zwischenfall bei einer Fahrkartenkontrolle überhaupt. Der Täter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Fall löste eine bundesweite Debatte über den Schutz von Bahnpersonal aus.

Die Bahn setzt dagegen auf Deeskalationstrainings für rund 20.000 Beschäftigte mit Kundenkontakt, eine Melde-App und den Ausbau von Bodycams: Rund 1.400 dieser Kameras sind derzeit bei Zugbegleitern von DB Regio im Einsatz, künftig sollen alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt damit ausgestattet werden.

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