Dritter Fall in drei Tagen: Verdächtiger Fund an Umspannwerk in Dormagen
Dormagen. Ein Spaziergänger hat im Dormagener Ortsteil Gohr verdächtige Gegenstände auf einem Feld entdeckt – mit Drähten und Zeitschaltuhren, offenbar auf die Hochspannungsleitungen eines Umspannwerks gerichtet. Aktiviert wurden sie nicht. Die Polizei prüft, ob es sich um eine Abschussvorrichtung handelt oder um die Attrappe eines Trittbrettfahrers.
Der Fund
Gegen 18.15 Uhr stieß der Spaziergänger auf die Gegenstände und alarmierte die Polizei. Mehrere Streifenwagen rückten aus.
Die Objekte waren mit Drähten und Zeitschaltuhren versehen und schienen auf die Hochspannungsleitungen des Umspannwerks ausgerichtet zu sein.
Ausgelöst wurden sie nicht. "Nichts passiert", bestätigte eine Polizeisprecherin. Es habe weder einen Angriff auf das Umspannwerk noch einen Stromausfall gegeben.
Was noch unklar ist
Die Polizei ist bemerkenswert zurückhaltend in ihrer Einschätzung.
Es könne sich um eine Abschussvorrichtung handeln, sagte die Sprecherin in Neuss – sicher sei das aber nicht. Der Gegenstand werde nun von Experten untersucht, um zu klären, ob er für einen Angriff auf die Stromversorgung überhaupt geeignet war.
Und ausdrücklich: Es könne nach derzeitigem Stand nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um die Attrappe eines Trittbrettfahrers handelt.
Auch ob die Zeitschaltuhren einen späteren Auslösezeitpunkt vorsahen oder ob ein technischer Defekt vorlag, wird geprüft.
Das Gebiet um das Umspannwerk wurde großflächig abgesperrt und durchsucht.
Der dritte Fall
Der Fund reiht sich in eine Serie ein.
Am Dienstagmorgen wurden am Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg unweit des Kraftwerks Jänschwalde mehrere Vorrichtungen entdeckt und entschärft. Nach Angaben des Netzbetreibers 50Hertz handelte es sich um selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln.
Am Dienstagabend kam es an einem Umspannwerk bei Bergheim westlich von Köln zu einer Attacke. Auch dort wurden nach Polizeiangaben mehrere Abschussvorrichtungen entdeckt. Ein Kurzschluss legte mehrere Leitungen lahm.
Die Ermittler gehen bei beiden Vorfällen von verfassungsfeindlicher Sabotage aus.
Ob der Dormagener Fund dazugehört, wird geprüft.
Was das Bekennerschreiben sagt
Am Mittwoch tauchte im Fall Jänschwalde ein Bekennerschreiben auf. Darin bekennt sich nach Angaben der "taz" ein Einzeltäter zur Tat – mit klimapolitischem Motiv. Er beschreibt darin auch die verwendeten Flugkörper.
Die Echtheit prüft die Polizei noch. Sie kann sie "weder bestätigen noch verneinen".
Sollte das Schreiben echt sein, würde die Erzählung von staatlich gesteuerter Sabotage nicht mehr passen. Andererseits liegen zwischen den Fällen in Brandenburg und im Rheinland über 500 Kilometer – ein Einzeltäter müsste erheblichen Aufwand betrieben haben.
Die geografische Nähe
Auffällig ist, wie dicht die rheinischen Fälle beieinanderliegen. Bergheim im Rhein-Erft-Kreis und Dormagen im Rhein-Kreis Neuss trennen keine 25 Kilometer.
Beide Orte liegen im Umfeld des rheinischen Braunkohlereviers – einer Region mit dichter Netzinfrastruktur und zahlreichen Umspannwerken.