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Zwölf Stunden, zwei Umspannwerke: Sabotageverdacht auch bei Köln

Morgens Brandenburg, abends bei Köln: Am Dienstag wurden zwei Umspannwerke angegriffen. Die Polizei geht von vorsätzlichen Taten aus.

Eine weite Ansicht eines industriellen elektrischen Umspannwerks mit Freileitungen und Türmen im Freien.
Foto: Kris Møklebust / Pexels

Bergheim. Am selben Tag, an dem in Brandenburg Sprengvorrichtungen an einem Umspannwerk gefunden wurden, ist offenbar eine zweite Stromanlage angegriffen worden – im Rheinland. Zwischen beiden Vorfällen lagen rund zwölf Stunden. Ein Kurzschluss legte mehrere Leitungen lahm, die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus.

Was passiert ist

Gegen 20 Uhr am Dienstagabend wurde die Polizei wegen einer technischen Störung zum Umspannwerk in Bergheim gerufen. Die Stadt liegt im Rhein-Erft-Kreis, rund 30 Kilometer westlich von Köln.

Durch einen Kurzschluss fielen mehrere Stromleitungen aus. In der Folge gingen auch Anlagen des Kraftwerksbetreibers RWE Power vom Netz.

Die allgemeine Stromversorgung war nach bisherigen Erkenntnissen nicht beeinträchtigt. Haushalte hatten durchgehend Strom.

"Von einer Straftat aus"

Die Polizei Essen hat die Ermittlungen übernommen und ist deutlich in ihrer Einschätzung.

"Wir gehen nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Tat, einer Straftat, aus", sagte ein Sprecher.

Was genau geschehen ist und wer dahintersteckt, ist bislang unklar.

Der Netzbetreiber Amprion bestätigte den Vorfall. Es habe Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen gegeben, die Systemstabilität sei aber jederzeit gewährleistet gewesen.

Die Frage nach dem Tatwerkzeug

Im Raum steht, dass der Eingriff mit Hilfsmitteln wie einer Drohne oder Feuerwerkskörpern erfolgt sein könnte.

Konkrete Angaben dazu machte die Polizei nicht. Es handelt sich um Möglichkeiten, nicht um Erkenntnisse.

Der Zusammenhang mit Brandenburg

Der zeitliche Abstand ist auffällig kurz: Am selben Dienstag, gegen 8 Uhr morgens, waren am Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg mehrere sogenannte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt worden – unweit des Kraftwerks Jänschwalde.

Zwölf Stunden später der Vorfall im Rheinland. Das mutmaßliche Ziel: ein großflächiger Stromausfall am Block E des Kraftwerks. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt.

Ob es Verbindungen zwischen beiden Fällen gibt, prüft die Polizei nach eigenen Angaben. Näher äußern wollte sie sich dazu zunächst nicht.

Ein Muster über Monate

Beide Fälle reihen sich in eine Serie ein, die die Sicherheitsbehörden seit Monaten beschäftigt.

Erst am Dienstag machte die Bundesregierung Russland offiziell für den versuchten Sprengstoffanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Als Konsequenz wird das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen.

Im Januar legte ein Brandsatz unter einer Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde über ein Dutzend Hoch- und Mittelspannungskabel lahm – der schwerste Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Zweiten Weltkrieg.

Und im Juni warnten das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und der Verfassungsschutz gemeinsam davor, dass russische Akteure ungeschützte Anlagen im Energiesektor auskundschaften.

Für den Fall bei Bergheim gibt es bislang keinerlei Hinweise auf Täter oder Hintergründe.

Warum Umspannwerke so verwundbar sind

Umspannwerke sind die Knotenpunkte des Stromnetzes. Sie wandeln die Spannung zwischen den Netzebenen um – ohne sie gelangt der Strom aus einem Kraftwerk nicht zu den Verbrauchern.

Wer ein Umspannwerk trifft, kann große Erzeugungsanlagen vom Netz nehmen, ohne diese selbst anzugreifen.

Zugleich sind viele dieser Anlagen weniger geschützt als die Kraftwerke, zu denen sie gehören. Sie stehen oft in freiem Gelände, sind eingezäunt, aber nicht ständig bewacht.

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