Fünf Monate ohne Zug: Was die Bahn-Großbaustelle für Neuwieder Pendler bedeutet
Neuwied. Wer in Neuwied auf die Bahn angewiesen ist, muss sich auf einen langen und beschwerlichen Herbst einstellen: Seit dem 10. Juli ist die rechtsrheinische Bahnstrecke komplett gesperrt – und das bis zum 12. Dezember. Fünf Monate lang fährt auf dem Neuwieder Abschnitt kein einziger Regionalzug. Die Deutsche Bahn saniert in dieser Zeit die gesamte Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden von Grund auf.
Es ist eine sogenannte Generalsanierung – die Bahn bündelt Arbeiten, die sich sonst über Jahre verteilen würden, in einer einzigen großen Baustelle. Rund 1,6 Milliarden Euro fließen in das Projekt. Erneuert werden auf der rund 160 Kilometer langen Strecke unter anderem etwa 80 Kilometer Gleise, fast 100 Kilometer Oberleitung, 160 Weichen und zehn Brücken. 36 Bahnhöfe werden modernisiert – auch die in Neuwied und Engers.
Diese Züge fallen aus
Betroffen sind alle Halte der Region, von Neuwied über Engers, Bad Hönningen und Linz bis nach Unkel und Bad Honnef. Auf dem gesamten Abschnitt verkehrt kein Personenzug. Die Linien RB 10, RE 8 und RB 27 fallen für die Region aus oder enden vorzeitig.
Als Ersatz hat die Bahn einen umfangreichen Schienenersatzverkehr eingerichtet: 13 Buslinien mit insgesamt rund 160 Bussen sind im Einsatz, dazu kommen mehrere Rheinfähren, die die Verbindung zur linken Rheinseite sichern. Doch der Umstieg auf den Bus kostet Zeit: Die Fahrt von Neuwied nach Koblenz dauert im Bus rund 20 Minuten statt gut zehn im Zug.
Der schnellste Weg nach Bonn und Köln
Für alle, die Richtung Bonn oder Köln müssen, empfiehlt die Bahn einen anderen Weg: Statt über den langen Ersatzbus nach Troisdorf ist es meist schneller, von Neuwied mit dem Ersatzbus nach Andernach zu fahren und dort in den RE 5 auf der linken Rheinseite umzusteigen. Rechtsrheinisch gültige Tickets – auch das Deutschlandticket – gelten für diese Umleitung.
Ein wichtiger Hinweis für alle mit Fahrrad: Die Fahrradmitnahme in den Ersatzbussen ist nicht garantiert, Rollstühle und Kinderwagen haben Vorrang. Und weil die Fahrkartenautomaten entlang der Strecke abgeschaltet sind, sollten Fahrgäste ihre Tickets möglichst vorher digital kaufen.
Danach soll alles besser werden
Der Aufwand hat einen Grund: Die stark belastete Strecke gilt als anfällig und störungsträchtig. Nach der Sanierung soll sie deutlich zuverlässiger und pünktlicher sein – und für rund fünf Jahre von größeren Baustellen verschont bleiben. Auch in Neuwied selbst wird investiert: Der Bahnhof bekommt unter anderem ein neues Bahnsteigdach und eine sanierte Unterführung, in Engers werden die Bahnsteige barrierefrei ausgebaut. Wir berichteten bereits am 13. Juli darüber: https://neuwiedfm.de/news/korridorsanierung-bahnstrecke-was-passiert-neuwied
Bei den Verantwortlichen ist man sich der Belastung bewusst. "Die fünfmonatige Bauphase wird für viele Fahrgäste mit Einschränkungen verbunden sein", räumte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Achim Schwickert ein. Umso wichtiger seien ein leistungsstarker Ersatzverkehr und verlässliche Informationen. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer wurde noch deutlicher: Die Fahrgäste akzeptierten monatelange Einschränkungen nur, wenn die Strecke danach im Alltag zuverlässig funktioniere.
Aktuelle Fahrpläne für den Ersatzverkehr finden Fahrgäste im DB Navigator und auf bahn.de. Da sich am Bauablauf kurzfristig etwas ändern kann, lohnt sich vor jeder Fahrt ein Blick in die Verbindungsauskunft.