Köln/Bonn: Drohnen legen Flugbetrieb lahm – Pilot ermittelt
Köln. Am Flughafen Köln/Bonn haben mehrere Drohnensichtungen am Mittwoch den Flugbetrieb gestört. Zeitweise waren keine Landungen möglich, zwei Maschinen mussten nach Frankfurt-Hahn ausweichen. Die Bundespolizei konnte einen Drohnenpiloten ermitteln – gegen ihn läuft ein Verfahren.
Der Ablauf
Die erste Meldung ging der Bundespolizei nach eigenen Angaben um 10.53 Uhr zu – übermittelt von der Bundeswehr. Bis 13.45 Uhr folgten weitere Sichtungen im Bereich des Flughafens.
Kurz nach 12.30 Uhr sperrte die Deutsche Flugsicherung den Luftraum über mehreren Landebahnen. Für rund 30 Minuten waren keine Landungen möglich; Starts waren nicht betroffen.
Zwei Ryanair-Maschinen, die sich bereits im Anflug befanden, wurden nach Frankfurt-Hahn umgeleitet – eine aus Palermo, eine aus Porto. Weil zusätzlich Bereiche des Rollfelds abgesucht wurden, kam es zu Verspätungen. Gegen 14 Uhr normalisierte sich der Betrieb.
Am Abend ging es weiter: Gegen 22.20 Uhr meldete jemand erneut eine Drohne, weitere Sichtungen folgten um 23.03 und 23.22 Uhr. Der Flugverkehr wurde dabei für 17 Minuten vollständig eingestellt. Erst um 0.22 Uhr beendete die Bundespolizei ihre Maßnahmen.
Ein Verfahren läuft
Im Zuge der Ermittlungen konnte die Bundespolizei einen Drohnenpiloten feststellen. Gegen ihn wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr ermittelt – darauf stehen bis zu zehn Jahre Haft.
Zu seinem Motiv gibt es bislang keine Angaben. Für die späteren Sichtungen am Abend konnte kein Verantwortlicher ermittelt werden.
Ob alle Meldungen des Tages auf dieselbe Drohne zurückgehen, ist offen. Die Ermittlungen dauern an.
Verbotszone von 1,5 Kilometern
Rund um deutsche Flughäfen gilt eine Flugverbotszone von 1,5 Kilometern. Drohnenflüge sind dort grundsätzlich untersagt – Ausnahmen gibt es nur mit Sondergenehmigung der Deutschen Flugsicherung.
Wird die Zone verletzt, informiert die Flugsicherung umgehend den Flughafen. Was folgt, ist genau das, was am Mittwoch zu sehen war: Landeverbot, Umleitungen, Suchmaßnahmen.
Warum die Behörden derzeit besonders empfindlich reagieren
Der Vorfall trifft auf eine angespannte Lage. Erst vergangene Woche war am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt worden; der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Wenige Tage später wurden Drohnen über der Bundeswehr-Anlage in Mechernich gesichtet, wo die “Patriot”-Flugabwehrsysteme gewartet werden.
Nicht hinter jeder Sichtung steckt allerdings eine Absicht: Immer wieder verletzen auch Hobbypiloten die Verbotszone, ohne es zu wissen. Welche Kategorie in Köln/Bonn zutrifft, müssen die Ermittlungen zeigen.