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Mechernich: Drohnen über der "Patriot-Werft" – Bundeswehr bestätigt Sichtungen

Sechs Überflüge in einer Nacht: Über der Bundeswehr-Anlage in Mechernich, wo die Patriot-Systeme gewartet werden, sind Drohnen gesichtet worden.

Ein moderner Kontrollturm an einem Flughafen, umgeben von Zäunen und Straßenlaternen.
Foto: Malte Luk / Pexels

Mechernich. Über einem der wichtigsten Bundeswehrstandorte Deutschlands sind in der Nacht zum Freitag mehrfach Drohnen gesichtet worden. Betroffen ist die Anlage in Mechernich in der Eifel, keine 70 Kilometer von Neuwied entfernt. Dort werden die "Patriot"-Flugabwehrsysteme gewartet – nach Angaben der Truppe die einzige Einrichtung dieser Art in Europa. Die Bundeswehr hat die Sichtungen bestätigt.

Was in Mechernich lagert

Der Standort am Rand der Eifel ist ein Herzstück der Bundeswehr-Logistik. In einer unterirdischen Anlage, 130 Meter unter der Erde, liegt auf 30.000 Quadratmetern ein besonders geschütztes Materiallager mit Ausrüstung und Ersatzteilen für das Gerät der Streitkräfte.

Vor allem aber arbeiten dort die Spezialisten, die für Wartung und Instandsetzung des Flugabwehrsystems "Patriot" zuständig sind. In der Truppe heißt die Einrichtung schlicht "Patriot-Werft".

Sechs Überflüge in einer Nacht

Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung beobachteten Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zwischen 22 Uhr und 5 Uhr insgesamt sechs Drohnenüberflüge.

Besonders brisant: Bei der letzten Sichtung waren bereits alarmierte Polizisten der Kreispolizeibehörde Euskirchen vor Ort – und sahen mindestens einen Überflug selbst. Eine Drohne soll sogar kurzzeitig über den Einsatzkräften gekreist haben. Das geht aus einem vertraulichen Polizeibericht hervor, der dem Rechercheverbund vorliegt.

Auch Feldjäger der Bundeswehr sollen das Geschehen aus rund 40 Metern Entfernung beobachtet haben.

Kein Spielzeug

Nach erster Einschätzung der Feldjäger könnte es sich um eine Drohne vom Typ Fly-380 VTOL gehandelt haben. Solche Geräte sind alles andere als handelsübliche Kameradrohnen: Sie haben eine Spannweite von rund 3,8 Metern, eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern, erreichen 150 Stundenkilometer und können mehr als zehn Kilogramm tragen.

Great Shark Hybrid 380 VTOL UAV
dstechuas.com

Verwendet werden sie unter anderem für Vermessung, Kartierung, Grenzüberwachung und Transporte in schwer zugänglichem Gelände. Die bisherigen Ermittlungen ergaben nach den Recherchen aber keine Hinweise darauf, dass es sich um eine versehentlich fehlgeleitete Vermessungsdrohne gehandelt haben könnte.

Bundeswehr bestätigt – mit anderer Zahl

Die Bundeswehr äußerte sich auf Anfrage: "Wir können die von Ihnen angefragte Drohnensichtung bestätigen", sagte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos. Insgesamt seien zwei Drohnen gesichtet worden. Zu den laufenden Ermittlungen wollte er sich nicht äußern.

Ein Widerspruch zu den sechs beobachteten Überflügen muss das nicht sein – mehrere Überflüge können von denselben Fluggeräten stammen.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des sicherheitsgefährdenden Abbildens militärischer Anlagen. Eingebunden sind das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, Sicherheitsbehörden des Bundes, der Militärische Abschirmdienst und das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum in Berlin.

Wer hinter den Überflügen steckt, ist offen.

Kein Einzelfall

Der Vorfall reiht sich in eine Serie ein, die die Sicherheitsbehörden seit Jahren beschäftigt. Drohnen wurden über Marinestützpunkten an Nord- und Ostsee gesichtet, über Liegenschaften, in denen ukrainische Soldaten ausgebildet werden, und über einem Standort der Raketenabwehr in Brandenburg – dort schoss die Bundeswehr im Dezember mit einem Sturmgewehr auf ein Objekt, traf aber nicht.

Ein Fall aus dem April 2025 in Emden gilt als besonders auffällig: Ein Wachsoldat beobachtete Männer beim Steigenlassen von Drohnen. Als er sie ansprach, riefen sie ihm etwas auf Russisch zu und fuhren mit einem Transporter davon. Ermittelt werden konnten sie bis heute nicht.

Die Sicherheitsbehörden vermuten hinter einem Teil solcher Vorfälle staatliche Stellen in Russland oder angeworbene Gelegenheitsagenten. Die Annahme: Militärische und kritische Infrastruktur soll ausgespäht werden – möglicherweise zur Vorbereitung von Sabotage.

Erst am Mittwoch war am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt worden.

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