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Mord an der Festung Ehrenbreitstein: Nach 32 Jahren beginnt der Prozess

Seit heute Morgen läuft am Landgericht Koblenz der Prozess um einen der bekanntesten ungeklärten Fälle der Region: den Mord an der US-Touristin Amy Lopez an der Festung Ehrenbreitstein 1994.

Malersiche Aussicht auf die Festung Ehrenbreitstein und Koblenz am Rhein an einem klaren Tag.
Foto: Dominik Kristen / Pexels

Koblenz. Es ist einer der bekanntesten ungeklärten Kriminalfälle der Region – bis eine Hautschuppe den Durchbruch brachte. Seit Dienstagmorgen muss sich ein 81-Jähriger vor dem Landgericht Koblenz verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im September 1994 die amerikanische Touristin Amy Lopez an der Festung Ehrenbreitstein vergewaltigt und getötet zu haben.

Eine Reise, die als Geschenk begann

Amy Lopez war 24 Jahre alt und hatte gerade ihr Medizinstudium in den USA abgeschlossen. Ihr Vater schenkte ihr zum Abschluss eine Europareise.

Am Morgen des 26. September 1994 wollte sie die Festung Ehrenbreitstein besichtigen und in der dortigen Jugendherberge übernachten. Sie wanderte den Felsenweg hinauf.

Um 8.50 Uhr wurde sie zum letzten Mal lebend gesehen. Gut eine Stunde später, gegen 10.15 Uhr, fanden spielende Kinder ihre Leiche im abgelegenen General-von-Aster-Zimmer – dem ehemaligen Arbeitszimmer eines preußischen Generals.

Der Vorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem damals 49-Jährigen vor, die junge Frau unter einem Vorwand in den abseits gelegenen Raum gelockt zu haben.

Drei Jahrzehnte im Dunkeln

Die Ermittlungen liefen umfangreich – und blieben erfolglos. Mehrere Tatverdächtige wurden überprüft, in keinem Fall erhärtete sich der Verdacht. Selbst das FBI unterstützte die Koblenzer Ermittler, wie der frühere Chefermittler Harald Süßenbach lokalen Medien berichtete.

2024 startete die Polizei einen neuen Anlauf: großer Zeugenaufruf, Belohnung, und der Fall lief in der Sendung “Aktenzeichen XY… ungelöst”.

Die Ermittler veröffentlichten damals ein Täterprofil. Es beschrieb einen Einzeltäter zwischen 18 und 35 Jahren, ohne persönlichen Bezug zum Opfer, aber mit Vorerkenntnissen bei Gewalt- oder Sexualdelikten.

Im September 2025 folgten Fotos von Gegenständen, die der Täter mitgenommen haben könnte.

Was den Fall löste

Der Durchbruch kam aus dem Labor. Am Hosenbund der Getöteten waren 1994 DNA-Spuren gesichert worden – zu wenig für die damalige Technik.

Moderne Analysemethoden ermöglichten es, diese Spuren erneut zu untersuchen. Eine einzelne Hautschuppe reichte.

Bemerkenswert ist ein Detail: Der Beschuldigte war schon einmal im System. Fünf Jahre nach dem Mord geriet er wegen der versuchten Vergewaltigung einer 16-Jährigen ins Visier der Ermittler und wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Seine DNA wurde damals gespeichert – aber wegen gesetzlicher Löschfristen war die Probe später nicht mehr verfügbar.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der Mann bereits in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren strafrechtlich in Erscheinung getreten. Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler nannte dazu keine Details.

Festgenommen wurde der Deutsche im vergangenen Jahr in seiner Wohnung in der Nähe von Koblenz.

Ein Geständnis mit Lücken

Der Angeklagte hat sich nach Angaben der Ermittler geäußert – vollständig ist das Geständnis aber offenbar nicht. Von einem “Geständnis mit Lücken” ist die Rede.

Was genau er einräumt und was nicht, dürfte im Prozess eine zentrale Rolle spielen.

Was der Fall zeigt

Cold Cases werden in Deutschland seit einigen Jahren systematisch neu aufgerollt. Der Grund ist derselbe wie hier: Was 1994 an Spurenmaterial nutzlos war, lässt sich heute auswerten.

Der Fall Amy Lopez ist dafür ein Lehrbeispiel – und zugleich eine Erinnerung daran, dass gespeicherte Beweismittel über Jahrzehnte hinweg Bedeutung behalten können.

Der Prozess am Landgericht Koblenz begann am Dienstag um 9.30 Uhr.

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