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Neuwied: Das Bad, das ein Dorf rettete – Oberbieber im SWR

Seit 1927 hält Oberbieber sein Freibad am Leben – gegen Schließungspläne, Corona und Sanierungsstau. Am Mittwoch würdigt der SWR zwei Frauen, die dafür kämpfen.

Nahaufnahme einer schimmernden türkisfarbenen Schwimmbadoberfläche mit Fliesenlinien.
Foto: Kindel Media / Pexels

Neuwied. Zwei Frauen aus Oberbieber stehen am Mittwoch im Fernsehen: Regina Hübner und Elke Heß-Klare werden in der SWR-Aktion "Ehrensache" für ihren Einsatz um das Familienfreibad geehrt. Dahinter steckt eine Geschichte, die fast hundert Jahre zurückreicht – und in der das Bad schon mehrfach kurz vor dem Aus stand.

Zwei Freundinnen, ein Bad

Regina Hübner und Elke Heß-Klare kennen sich seit ihrer Kindheit. Beide haben im Oberbieberer Freibad schwimmen gelernt, beide machten am Rhein-Wied-Gymnasium Abitur. Später zog die eine nach Frankfurt, die andere blieb im Ort. Zusammengeführt hat sie wieder das Bad ihrer Jugend.

Seit Gründung der Neuwieder Bürgerstiftung Ende 2023 engagieren sich beide für den Erhalt der Anlage – vom Kassendienst über die Pflege des Geländes bis zur Organisation von Veranstaltungen im Biergarten. Auf die beiden aufmerksam wurde der SWR durch eine Badbesucherin, die den Sender kontaktierte. Anfang Juli war das Filmteam in Oberbieber.

Seit 1927 am Aubach

Das Familienfreibad im Aubachtal ist das älteste Bad der Region. Den Grundstein legte 1926 ein Sommerfest, mit dessen Erlös der Bau finanziert wurde; ein Jahr später eröffnete das "Licht-, Luft- und Schwimmbad". Schon 1929 kamen rund 20.000 Besucher.

Bedroht war es mehrfach. 1987 gab es ernsthafte Überlegungen, das Bad stillzulegen – abgewendet durch Bürgerinitiativen, Mandatsträger und den Heimat- und Verschönerungsverein Oberbieber (HVO). Es folgte eine Grundsanierung zum Mehrbeckenbad, 1989 die Wiedereröffnung. Seit 2010 führte der HVO den Betrieb sogar allein.

Der jüngste Wendepunkt kam mit Corona: 2020 durfte das Bad zu Pfingsten nicht öffnen, die Stadtwerke forderten den Betriebskostenvorschuss zurück. Ob es ehrenamtlich weitergehen konnte, war offen. DLRG und Schwimmvereine hatten kein Interesse an einer Übernahme.

Die Rettung: eine Bürgerstiftung

Die Lösung schlug HVO-Vorsitzender Rolf Löhmar vor: eine Bürgerstiftung als dauerhafter Träger. Im November 2023 wurde die Neuwieder Bürgerstiftung gegründet, zum 1. März 2024 schloss sie mit den Stadtwerken einen Pachtvertrag – mit einer Laufzeit von 99 Jahren.

Weil damit die über zehn Jahre angesparte Rücklage des HVO ihren Zweck verlor, spendete der Verein 100.000 Euro zweckgebunden für die Instandhaltung an die Stiftung. Angesichts des aufgestauten Sanierungsbedarfs eine wichtige Finanzspritze – aber keine Dauerlösung. Die Stiftung selbst betont, für den langfristigen Betrieb sei eine grundlegende Renovierung unumgänglich. Möglich sei die nur, wenn sich weiter Bürger finanziell und mit ihrer Arbeitskraft einbringen.

Was das Bad heute bietet

Drei Becken, eine große Liegewiese mit altem Baumbestand, Spielplatz, Beachvolleyballfeld, Kiosk und Biergarten. Das Wasser wird solar erwärmt und hat meist um die 23 Grad. Der Eintritt liegt bei vier Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder und Jugendliche, ab 17 Uhr zahlen alle 2,50 Euro. Kleinkinder bis drei Jahre kommen kostenlos rein, der Biergarten ist frei zugänglich.

Vor jeder Saison rücken Ehrenamtliche an: Becken reinigen, streichen, reparieren, Rasen und Bäume pflegen. Ausgeweitet wurde zuletzt das Schwimmkursangebot – ein Beitrag gegen ein Problem, das bundesweit wächst.

Warum das mehr ist als eine Lokalgeschichte

Deutschland verliert seine Bäder. Nach Zahlen der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen gab es 2019 noch rund 6.420 öffentliche Bäder – knapp 1.400 weniger als im Jahr 2000. Die DLRG rechnet mit rund 80 Schließungen pro Jahr.

Die Folgen zeigen sich im Wasser: Nach einer Umfrage im Auftrag der DLRG sind sechs von zehn Kindern am Ende der Grundschule keine sicheren Schwimmer. Der Anteil der Nichtschwimmer unter Grundschulkindern hat sich zwischen 2017 und 2022 auf 20 Prozent verdoppelt.

Auch in Neuwied ist die Entwicklung ablesbar: Das Freibad Niederbieber schloss 2005, das Hallenbad Heimbach-Weis 2010. Geblieben sind die Deichwelle – und Oberbieber, getragen von Ehrenamtlichen.

Die Sendung

Die "Ehrensache" ist eine gemeinsame Aktion von SWR und Land Rheinland-Pfalz, mit der seit 2001 ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wird. Zehn Kandidatinnen und Kandidaten werden im Vorfeld vorgestellt, danach entscheidet das Publikum. Die Abstimmung startet am 24. August, die Preisverleihung findet am 30. August beim landesweiten Ehrenamtstag in Kaiserslautern statt.

Der Beitrag über das Familienfreibad Oberbieber läuft am Mittwoch, 5. August, im SWR – nach dem üblichen Ablauf der Reihe in der Landesschau Rheinland-Pfalz ab 18.15 Uhr sowie im Radio auf SWR4. Anschließend ist er online abrufbar.

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