Schüsse auf dem Hauptmarkt in Krakau: Sechs Tote, zwölf Schwerverletzte
Krakau. Nach den Schüssen auf dem Krakauer Hauptmarkt ist die Zahl der Todesopfer auf sechs gestiegen – vier Frauen und zwei Männer. 15 Menschen wurden verletzt, zwölf von ihnen schweben nach Behördenangaben in Lebensgefahr. Der mutmaßliche Schütze ist ein polnischer Staatsbürger; die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Ministerpräsident Donald Tusk ist auf dem Weg nach Krakau, für 21.45 Uhr ist eine Pressekonferenz angekündigt.
Was bekannt ist
Gegen 15 Uhr fuhr ein Mann mit einem Auto auf den Rynek Główny, den zentralen Marktplatz der Stadt, und schoss von dort aus „auf zufällige Personen", wie die Polizei der Woiwodschaft Kleinpolen mitteilte.
Der Marktplatz ist einer der größten mittelalterlichen Plätze Europas und an einem Samstagnachmittag voller Menschen – Einheimische wie Touristen.
Eine Augenzeugin schilderte der Nachrichtenagentur AFP: „Ich sah einen Mann, der auf Leute schoss und über den Platz lief." Und: „Es ist eine Tragödie für Krakau, so etwas haben wir noch nie erlebt."
Polizisten schossen auf den Mann, überwältigten ihn und brachten ihn unter Bewachung in ein Krankenhaus. Er ist schwer verletzt.
Die Opfer
Sechs Menschen starben: vier Frauen und zwei Männer. Die gestiegene Zahl teilte der Woiwode Krzysztof Kleczar mit.
15 Menschen wurden verletzt. Zwölf von ihnen befinden sich in kritischem oder lebensgefährlichem Zustand. Die Zahl der Todesopfer kann damit weiter steigen.
Unter den Verletzten sind auch Polizisten. Zur Identität der Opfer ist nichts bekannt, ebenso wenig, ob Deutsche darunter sind.
Was über den Täter bekannt ist
Nach Angaben des Innenministeriums und der Polizei handelt es sich um einen polnischen Staatsbürger. Die Polizei geht davon aus, dass er allein handelte.
Ein Sprecher der Bezirksstaatsanwaltschaft Krakau nannte sein Alter mit 24 Jahren. Sein Name wurde nicht veröffentlicht.
Der Mann trug nach übereinstimmenden Berichten einen olivgrünen Tarnanzug und eine Sturmhaube. Er schoss mit einem Gewehr militärischer Bauart.
Die Frage nach dem Motiv
Hier ist der Stand unübersichtlich, und das sollte man so stehen lassen.
Die polnischen Behörden haben bis zum Abend kein Motiv genannt. Mehrere Nachrichtenagenturen betonen ausdrücklich, ein terroristischer Hintergrund sei nicht bestätigt.
Das in Polen ansässige Nachrichtenportal Notes from Poland berichtet dagegen, die Polizei halte einen Terroranschlag inzwischen für wahrscheinlich. Eine offizielle Einstufung ist das nicht.
Tusk sprach von einer „tragischen Schießerei" und schrieb, die Polizei untersuche „die Hintergründe und alle Umstände". Präsident Karol Nawrocki erklärte, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen.
Klarheit dürfte frühestens die Pressekonferenz am Abend bringen.
Für Reisende und Angehörige
Der Hauptmarkt und die umliegenden Straßen sind weiträumig abgesperrt. Die Stadtverwaltung hatte Anwohner und Besucher aufgefordert, den Bereich zu meiden.
Krakau ist eines der beliebtesten Städtereiseziele für deutsche Urlauber. Wer Angehörige dort vermutet und keine Verbindung bekommt, erreicht den Bürgerservice des Auswärtigen Amts unter 030 18 17 2000.
Wer selbst in Krakau ist: Anweisungen der Einsatzkräfte befolgen und Angehörigen kurz eine Nachricht schicken, dass es einem gut geht. Das entlastet die Leitungen mehr als ein Anruf.
Wie es weitergeht
Ministerpräsident Tusk ist nach Krakau geflogen. Für 21.45 Uhr ist eine Pressekonferenz angekündigt. Dort dürfte es um die Frage gehen, die derzeit alles bestimmt: ob die Behörden die Tat als Anschlag einstufen.