Spanien entzaubert Frankreich: 2:0 im Halbfinale – erstes WM-Finale seit 2010
Dallas. Spanien steht zum ersten Mal seit dem Titelgewinn 2010 wieder in einem WM-Finale. Im ersten Halbfinale der Weltmeisterschaft entzauberte La Roja am Dienstagabend in Dallas den bis dahin makellosen Turnierfavoriten Frankreich mit 2:0 (1:0) – und das ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag. Die Tore erzielten Mikel Oyarzabal per Foulelfmeter (22.) und Pedro Porro (58.). Frankreichs Starensemble um Kylian Mbappé blieb erstmals im Turnier ohne Treffer.
Die Partie im AT&T Stadium begann mit einer Schweigeminute zum zehnten Jahrestag des Anschlags von Nizza – und entwickelte sich danach schnell zu einer Machtdemonstration der Spanier. In der 22. Minute traf Frankreichs Linksverteidiger Lucas Digne bei einem Klärungsversuch im Strafraum Lamine Yamal; Schiedsrichter Iván Barton aus El Salvador zeigte ohne Zögern auf den Punkt, der VAR griff nicht ein. Oyarzabal verwandelte sicher – sein fünftes Turniertor, mit dem er den spanischen Rekord von Emilio Butragueño (1986) und David Villa (2010) für Tore bei einer einzelnen WM einstellte.
Saliba verletzt, Mbappé abgemeldet
Für Frankreich kam es noch dicker: Um die 30. Minute musste Abwehrchef William Saliba mit einer Rückenverletzung ohne gegnerische Einwirkung vom Feld. Offensiv fanden die Bleus praktisch nicht statt – Kapitän Mbappé, der mit acht Turniertoren gleichauf mit Lionel Messi ins Halbfinale gegangen war, kam in der ersten Hälfte auf ganze 15 Ballkontakte und keinen einzigen Torschuss. Als erste Mannschaft dieser WM lag Frankreich zur Pause zurück.
Nach dem Seitenwechsel machte Spanien den Deckel drauf: Pedro Porro spielte in der 58. Minute einen Doppelpass mit Dani Olmo und schob flach an Mike Maignan vorbei ein – als erst zweiter spanischer Verteidiger nach Fernando Hierro (2002) mit zwei Toren bei einer WM. Yamal traf später sogar zum vermeintlichen 3:0, stand aber hauchdünn im Abseits. Frankreich brachte seine ersten Schüsse aufs Tor erst in der Nachspielzeit zustande; Mbappé sah nach einem Frustfoul an Torhüter Unai Simón noch Gelb (86.).
Deschamps' Abschied, Spaniens Serie
Für Didier Deschamps bedeutet die Niederlage das vorzeitige Ende einer Ära: Der Weltmeister-Trainer von 2018 hatte schon vor dem Turnier angekündigt, nach der WM aufzuhören – statt des erhofften Finales bleibt ihm nun das Spiel um Platz drei als Abschied nach 14 Jahren. Spanien-Coach Luis de la Fuente sprach mit fast heiserer Stimme davon, ein WM-Finale zu erreichen sei "ein Luxus"; Torschütze Porro nannte den Einzug "einen wahr gewordenen Traum".
Die Zahlen untermauern Spaniens Anspruch: La Roja führt das Turnier mit 66 Prozent durchschnittlichem Ballbesitz an, kassierte auf dem Weg ins Endspiel nur ein Gegentor und stellte mit nunmehr 37 Länderspielen ohne Niederlage den Weltrekord Italiens ein. Es war zudem der dritte Sieg in Folge gegen Frankreich nach dem EM-Halbfinale 2024 und dem Nations-League-Halbfinale 2025.
Im Finale am Sonntag (19. Juli, MetLife Stadium bei New York) trifft Spanien auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen England und Argentinien, das am Mittwochabend in Atlanta ausgetragen wird.