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Eine Woche Ausnahmezustand: Warum die Region derzeit brennt

Feldkirchen, Hilgert, Bad Ems, Langscheid: Eine Woche Dauereinsatz für die Feuerwehren, elf Verletzte, ein evakuierter Ort. Warum die Region gerade jetzt brennt – und was jeder tun kann.

Ein heftiger Waldbrand wütete nachts in einem dichten Wald und bot ein dramatisches Bild.
Foto: Özgür Sürmeli / Pexels

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  1. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Die Nacht war gut: Feuer breitet sich nicht weiter aus

    Erstmals seit Tagen positive Nachrichten: Der Waldbrand hat sich in der Nacht zum Samstag nicht weiter ausgebreitet. Über dem Hürtgenwald steht keine große Rauchsäule mehr.

    „Die Nacht war gut", sagte Landrat Ralf Nolten (CDU) am Morgen. Es habe sehr gute Fortschritte bei der Bekämpfung gegeben. Die Bundeswehr habe in der Nacht weitere breite Schneisen in das Areal geschlagen.

    Entwarnung ist das aber nicht: Gey bleibt vorerst evakuiert, die Flammen stehen weiterhin rund 150 Meter vor dem Ort.

  2. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Gegenfeuer, Panzer und Güllefässer

    Die Einsatzkräfte arbeiten mit ungewöhnlichen Mitteln. Um den Brand einzudämmen, wurden gezielt Gegenfeuer gelegt. Panzer und Forstunternehmer schlagen Schneisen in das dicht bewaldete Gebiet.

    Unterstützung kommt auch von Landwirten aus der Region: Sie helfen mit Grubbern und Güllefässern, um Brandschneisen zu schaffen und Löschwasser bereitzustellen.

    NRW-Forstministerin Silke Gorißen dankte den Einsatzkräften: Sie kämpften „unter schwierigsten Bedingungen" und leisteten Außergewöhnliches.

  3. NeuwiedFM Redaktion

    Alle Kräfte konzentrieren sich darauf, Gey zu schützen

    Am Nachmittag hat sich der Einsatz auf ein Ziel zugespitzt. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich weiterhin darauf, ein Übergreifen der Flammen auf den in der Nacht evakuierten Ortsteil Gey zu verhindern. „Das ist jetzt das, worauf sich alle konzentrieren", sagte eine Sprecherin des Kreises Düren der Nachrichtenagentur AFP. Die Lage sei dynamisch, da sich der Wind drehe.

    Landrat Ralf Nolten (CDU) erläuterte die Taktik: Solange das Feuer nicht in die Baumkronen schlage, seien die Meterangaben noch nicht entscheidend. Man habe unten Löschzüge im Einsatz, die versuchten, einen nassen Riegel davorzuschieben.

    Diese Strategie habe zunächst funktioniert, berichtete ZDF-Reporter Thomas Münten vor Ort. Nun frische der Wind aber weiter auf – damit sei unklar, wie es weitergehe. Unter Kontrolle sei die Lage noch lange nicht.

    NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) machte sich am Nachmittag selbst ein Bild. Er komme aus der Region und kenne diesen Wald, sagte er der dpa. Es habe dort immer mal kleinere Waldbrände gegeben, maximal in Gartengröße – was jetzt zu sehen sei, sei erschreckend.

  4. NeuwiedFM Redaktion

    Weltkriegsmunition im Boden: Warum nicht direkt gelöscht werden kann

    Der Hürtgenwald ist kein gewöhnliches Brandgebiet. Der Wald war im Zweiten Weltkrieg über Monate Schauplatz schwerer Kämpfe und gilt bis heute als stark munitionsbelastet. Im Boden liegen große Mengen Munition, Explosionen von Blindgängern gefährden die Einsatzkräfte. Entsprechende Detonationen wurden im Verlauf des Waldbrandes bereits wahrgenommen.

    Der Feuerökologe Johann Georg Goldammer erläuterte bei ZDFheute live, welche Regeln in solchen Gebieten gelten: Wo keine geschützte Technik wie gepanzerte Fahrzeuge zur Verfügung steht, ist ein Mindestabstand von 500 Metern einzuhalten – in besonders schwierigen Situationen von 1.000 Metern.

    Damit erklärt sich, warum trotz mehrerer Hundert Einsatzkräfte in weiten Teilen des Brandgebiets nicht direkt gelöscht werden kann. Die Strategie setzt stattdessen auf Riegelstellungen am Rand, Luftunterstützung von oben und den Einsatz gepanzerter Fahrzeuge dort, wo Menschen nicht hin dürfen.

  5. NeuwiedFM Redaktion

    Feuerwehr spricht offiziell von einem „Red Flag Day"

    Die Einsatzleitung hat die Wetterlage am Freitagvormittag hochgestuft. Wegen wechselnder Winde und niedriger Luftfeuchtigkeit spricht die Feuerwehr mittlerweile offiziell von einem „Red Flag Day", wie ein Sprecher dem WDR mitteilte. Zusätzlich zu den zu diesem Zeitpunkt 200 Einsatzkräften wurden weitere 150 Feuerwehrleute angefordert.

    Der Begriff stammt aus der amerikanischen Waldbrandbekämpfung und bezeichnet Wetterbedingungen, unter denen sich Feuer besonders schnell und vor allem unberechenbar ausbreiten können. Entscheidend ist dabei weniger die Hitze allein als die Kombination aus trockener Luft und drehendem Wind: Eine Flanke, die eben noch als gesichert galt, kann binnen Minuten zur neuen Feuerfront werden.

    Genau das macht die Arbeit an den Riegelstellungen so aufwendig – Schneisen müssen nicht nur geschlagen, sondern dauerhaft gehalten und gewässert werden.

  6. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Sperrung der A4 an der AS Düren und Langerwehe

    Laut Autobahn GmbH sind ab sofort die Ausfahrten von der A4 in den Anschlussstellen Düren und Langerwehe gesperrt, da sie als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte benötigt werden. Die Dauer der Sperrung ist noch nicht abzusehen.

  7. NeuwiedFM Redaktion

    Brandbekämpfung wird Tage dauern.

    Das Feuer in Hürtgenwald ist so groß, dass es noch Tage dauern wird, bis es gelöscht ist.

  8. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Land ruft dazu auf, Wälder zu meiden

    Angesichts des Großbrands und weiterer Feuer in Nordrhein-Westfalen ruft die Landesregierung dazu auf, Wälder derzeit nicht zu betreten. Wer Rauch oder Feuer entdeckt, soll sofort die Feuerwehr rufen.
    Wegen der Rauchentwicklung sollten Betroffene Mund und Nase mit einem Tuch, Kleidung oder einer Maske bedecken.

    Die B399 und die L25 sind gesperrt. Die Bereiche um Gey und Kleinhau sollen großräumig gemieden werden.
    Die Brandursache ist weiterhin unklar.

  9. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Wasserwerfer und Panzer im Einsatz

    Zur Unterstützung sind vier Wasserwerfer der NRW-Polizei mit je 10.000 Litern Fassungsvermögen auf dem Weg. Ein Einsatzstab der Polizei Köln koordiniert seit den frühen Morgenstunden die polizeilichen Maßnahmen. Auch Räumpanzer kommen zum Einsatz.

    Ein Glücksfall für die Einsatzkräfte ist die Wehebachtalsperre: Von dort kann Löschwasser entnommen werden. Die Trinkwasserversorgung für den Großraum Aachen und Düren ist nach Angaben der Wassergesellschaft Nordeifel nicht beeinträchtigt.

    Der Löschhubschrauber konnte bei Dunkelheit nicht fliegen; die Kräfte arbeiteten trotzdem die ganze Nacht durch.

  10. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    300 Hektar in Flammen – Feuer 200 Meter vor Gey

    Der Waldbrand hat sich massiv ausgeweitet: Nach Angaben des Kreises Düren brennen inzwischen rund 300 Hektar Wald. Das entspricht etwa 420 Fußballfeldern – gegenüber der Nacht hat sich die Fläche mehr als verzehnfacht.

    Das Feuer ist nur noch gut 200 Meter vom Ortsrand von Gey entfernt. Unter Kontrolle ist der Großbrand am Freitagmorgen nicht.

  11. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    1.800 Menschen müssen Gey verlassen

    Der Waldbrand hat sich über Nacht weiter ausgebreitet. Nach Angaben der Gemeinde sind inzwischen rund 25 Hektar betroffen – eine Fläche von etwa 35 Fußballfeldern.

    Die Gemeinde Hürtgenwald hat die Großschadenslage ausgerufen. Der Krisenstab des Kreises Düren wurde einberufen; Landrat, Kreisbrandmeister und Bürgermeister sind vor Ort und koordinieren die Maßnahmen.

    Der Ortsteil Gey mit gut 1.800 Einwohnern muss sofort evakuiert werden. Das teilte die Gemeinde Hürtgenwald am frühen Morgen mit. Die Flammen sind nach Angaben einer Polizeisprecherin nur noch rund 400 Meter vom Ort entfernt.

    Eine Anlaufstelle ist in der Grundschule Straß eingerichtet. Die Gemeinde bittet darum, nur das Nötigste mitzunehmen – Ausweisdokumente und benötigte Medikamente nicht vergessen.

    Wer persönliche Hilfe braucht, erreicht die Gemeinde unter 02429 3090. Die Notrufnummern von Feuerwehr und Polizei sollen freigehalten werden.

    Auch der Ortsteil Großhau mit rund 500 Einwohnern gilt als gefährdet.

  12. NeuwiedFM Redaktion
    Anwohner Foto (Privat)
  13. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Liveblog pausiert – wir melden uns um 8 Uhr zurück

    Wir unterbrechen die Live-Berichterstattung für heute Nacht.

    Stand jetzt: Im Hürtgenwald sind bis zu 20 Hektar Waldfläche verbrannt. Die rasante Ausbreitung ist gestoppt, das Feuer aber noch nicht gelöscht – rund 180 Einsatzkräfte arbeiten weiter. In Ottweiler ist der Brand seit dem frühen Abend unter Kontrolle, dort läuft die Suche nach Glutnestern.

    Am Freitagmorgen um 8 Uhr setzen wir den Liveblog fort.

    Sollte sich die Lage über Nacht deutlich verändern, informieren wir Sie auch außerhalb dieser Zeit.

  14. NeuwiedFM Redaktion

    Drohnen und Ultraleichtflugzeug über der Einsatzstelle

    Für zusätzlichen Ärger sorgen Schaulustige. Nach Angaben der Feuerwehr wurden private Drohnen im Bereich des Einsatzes gesichtet. Besonders ungewöhnlich: Auch ein Ultraleichtflugzeug flog über das Brandgebiet.

    Das ist nicht nur störend, sondern gefährlich. Während eines Löschhubschrauber-Einsatzes können solche Flugobjekte zu Kollisionen führen – im schlimmsten Fall muss die Luftunterstützung eingestellt werden. Drohnenflüge über Einsatzstellen sind grundsätzlich verboten und strafbar.

  15. NeuwiedFM Redaktion

    Brandgeruch bis Eschweiler – Feuerwehr rückt zu Fehlmeldungen aus

    Die Rauchsäulen aus dem Hürtgenwald waren stundenlang bis nach Eschweiler und Stolberg zu sehen, in Teilen der Region machte sich Brandgeruch bemerkbar.

    Die Feuerwehr Eschweiler erhielt daraufhin zahlreiche Meldungen aus der Bevölkerung, wonach es auch dort brennen solle – unter anderem in Nothberg und Heistern. Einsatzleiter Arno Korf erklärte, man sei die gemeldeten Stellen abgefahren. Ein eigenes Feuer wurde dabei nicht gefunden.

  16. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Feuerwehr Köln schickt Bereitschaft mit 35 Kräften nach Hürtgenwald

    Die Löscharbeiten im Hürtgenwald gehen in die Nacht – und dafür kommt weitere Verstärkung von außerhalb. Über die Bezirksregierung wurde am Donnerstagabend die Feuerwehr Köln um Unterstützung gebeten.

    Um 22:45 Uhr teilte die Feuerwehr Köln mit, dass sie wenige Minuten zuvor eine sogenannte Bereitschaft 3 zur Einsatzstelle entsandt hat. Die Einheit umfasst 35 Einsatzkräfte und acht Fahrzeuge.

    Bei solchen Bereitschaften handelt es sich um vorgeplante, geschlossene Verbände, die für die überörtliche Hilfe in Nordrhein-Westfalen vorgehalten werden. Angefordert werden sie über die Bezirksregierung, wenn die Kräfte vor Ort für eine Lage über mehrere Stunden oder Tage nicht mehr ausreichen.

    Damit sind im Hürtgenwald neben den örtlichen Feuerwehren aus dem Kreis Düren inzwischen Kräfte aus Bonn, Königswinter, Düsseldorf, Leverkusen, Ratingen und Köln im Einsatz.

  17. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Ausbreitung bei Gey gestoppt – bis zu 20 Hektar Wald verbrannt

    Beim Großbrand im Bereich Kleinhau, Gey und Umgebung zeichnet sich am Abend eine erste Entspannung ab. Nach der zunächst rasanten Ausbreitung des Feuers scheint die weitere Ausdehnung inzwischen gestoppt. Betroffen sind nach bisherigen Angaben bis zu 20 Hektar Waldfläche im Raum Hürtgenwald. Rund 180 Feuerwehrleute sind derzeit gebunden, unterstützt von Spezialkräften aus Bonn, Leverkusen, Düsseldorf und Ratingen.Entscheidend war offenbar eine taktische Maßnahme entlang des Rennwegs: Dort schlugen die Einsatzkräfte breite Schneisen und wässerten sie. Diese Barrieren bremsen den Brandfraß. Zusätzlich kam der inzwischen schwächer gewordene Wind den Kräften entgegen.Der Löschhubschrauber hat seinen Einsatz vorerst beendet, weil er bei Dunkelheit voraussichtlich nicht fliegen kann. Eine Feuerwehrdrohne zeichnet weiterhin ein präzises Schadensbild der betroffenen Fläche auf. Wie die Brandbekämpfung während der Nacht konkret weitergeführt wird, war zunächst offen.Für zusätzlichen Ärger sorgen Schaulustige: Nach Angaben der Feuerwehr wurden private Drohnen im Einsatzbereich gesichtet, außerdem war ein Ultraleichtflugzeug über dem Hürtgenwald unterwegs, das offenbar das Brandgeschehen beobachten wollte. Die Feuerwehr appelliert dringend, den Einsatzbereich zu meiden und keine Drohnen über dem Brandgebiet fliegen zu lassen.Als Auslöser des Feuers gilt nach ersten Informationen eine in Brand geratene Landmaschine

  18. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Waldbrand in Ottweiler unter Kontrolle

    In Ottweiler gibt es Entwarnung hinsichtlich einer weiteren unkontrollierten Ausbreitung: Gegen 19:27 Uhr war das Feuer nach Informationen von „Breaking News Saarland" unter Kontrolle.Beendet ist der Einsatz damit allerdings nicht. Die mehr als 100 Helferinnen und Helfer müssen das weitläufige Brandgebiet weiter bearbeiten und nach möglichen Glutnestern suchen. Wind und trockene Vegetation hatten die Ausbreitung der Flammen begünstigt und den Einsatz in dem teilweise unwegsamen Gelände erschwert. Weil sich das Feuer in Richtung der Weiheranlage bewegte, waren der Campingplatz und eine Gaststätte vorsorglich evakuiert worden.Wie es zu dem Feuer kam und wie hoch der Schaden ist, war am Donnerstagabend noch unklar.

  19. Wichtig NeuwiedFM Redaktion

    Spezialisiertes Waldbrandmodul der EU nach Hürtgenwald alarmiert

    Wegen der ausgedehnten Waldbrände hat der Kreis Düren am Donnerstagnachmittag zusätzliche Einsatzkräfte angefordert. Ein speziell für größere Vegetationsbrände vorgesehenes Waldbrandmodul aus Nordrhein-Westfalen wurde daraufhin zu einem Sammelpunkt in der Gemeinde Hürtgenwald beordert und von dort direkt in den Einsatz geschickt.

    Die Einheit besteht aus zwölf Fahrzeugen und 32 Einsatzkräften der Feuerwehren Bonn, Königswinter, Düsseldorf und Leverkusen. Führungskräfte der Feuerwehr Bonn waren bereits zuvor zur örtlichen Einsatzleitung gefahren, um den Einsatz der zusätzlichen Kräfte vorzubereiten.

    Die Einsatzkräfte sind speziell für die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden geschult. Zum Einsatz kommen unter anderem geländegängige Tanklöschfahrzeuge sowie Handwerkzeuge, mit denen sich Feuer auch abseits befestigter Wege eindämmen lassen.

    Das Waldbrandmodul war nach Angaben der Feuerwehr in diesem Jahr bereits bei Waldbränden in den Niederlanden und in Spanien eingesetzt. Wie lange die Kräfte im Hürtgenwald benötigt werden, war am Abend zunächst noch offen.

  20. NeuwiedFM Redaktion

    Erstmeldung

    In Ottweiler im Saarland und im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald kämpfen am Donnerstag zahlreiche Einsatzkräfte gegen größere Waldbrände.

Neuwied. Feldkirchen, Hilgert, Bad Ems, Langscheid – seit einer Woche kommen die Feuerwehren in der Region kaum zur Ruhe. Hunderte Einsatzkräfte waren im Dauereinsatz, elf wurden verletzt, ein Ort musste evakuiert werden. Die Ursache liegt im Boden: Seit März hat es in Deutschland fast durchgehend zu wenig geregnet.

Die Chronologie einer Woche

Sonntag, 9. August – Neuwied-Feldkirchen. Gegen 21 Uhr brennt im Waldgebiet zwischen Feldkirchen und Leutesdorf ein Holzstapel: rund 20 Meter lang, etwa 60 Festmeter Holz. Wehren aus Waldbreitbach, Linz, Asbach, Neustadt/Wied und Bad Hönningen rücken an, zwei Landwirte helfen mit Wasseranhängern. Gegen 23 Uhr ist das Feuer unter Kontrolle. Die Kriminalinspektion Neuwied ermittelt – Brandstiftung wird nicht ausgeschlossen.

Montag, 10. August – Hilgert (Westerwaldkreis). Um 14.20 Uhr geht die Meldung bei der Leitstelle Montabaur ein. Oberhalb des Industriegebiets brennen am Ende rund 85.000 Quadratmeter. Im Einsatz: 226 Feuerwehrleute, 40 Kräfte des DRK, 15 Polizisten und zwei vom THW. Vier Feuerwehrleute werden leicht verletzt, es gibt Kreislaufprobleme.

Die Ursache ist inzwischen bekannt: Vermutlich stürzte ein Baum in eine Stromleitung – daher auch die Stromausfälle in acht Orten. Löschwasser kam unter anderem aus dem Naturschwimmbad Linderhohl, ein Polizeihubschrauber holte Wasser aus dem Erlenhofsee.

Dienstag, 11. August – Neuwied-Heddesdorf und Idelberg. In Heddesdorf muss die Feuerwehr die Alarmstufe erhöhen; Löschzüge aus Oberbieber und Niederbieber-Segendorf rücken nach. Am selben Tag brennt es bei Idelberg im Kreis Altenkirchen – dort besteht der Verdacht auf vorsätzliche Entzündung.

Mittwoch, 12. August – Bad Ems. Im Emser Bikepark brennen gegen 12.30 Uhr rund 300 Quadratmeter. Das Holzelement Northshore 1 ist nach Betreiberangaben zu rund 70 Prozent zerstört; der Wiederaufbau soll bis zum Spätherbst dauern. Kurz nach dem ersten Einsatz wird 50 Meter entfernt ein zweiter Brand entdeckt.

Donnerstag, 13. August – Hohensayn. In Roth brennen gegen 11.24 Uhr rund 1.600 Quadratmeter.

Freitag, 14. August – Langscheid (Kreis Mayen-Koblenz). Der schwerste Fall: Ab etwa 11 Uhr brennen in der Vordereifel rund 50 Hektar Wald und Wiesen. Rund 300 Kräfte sind im Einsatz, unterstützt aus den Kreisen Ahrweiler und Cochem-Zell sowie von der Berufsfeuerwehr Koblenz. Zwei Hubschrauber holen Wasser aus dem Riedener Waldsee.

Der Ortsteil Netterhöfe wird evakuiert, für Langenfeld und Arft mit rund 900 Einwohnern läuft die Evakuierungswarnung über die Warn-Apps. Sieben Feuerwehrleute werden verletzt – Brandverletzungen, eine Verletzung durch Umknicken, mehrere Fälle von Hitzeerschöpfung. Am Abend ist das Feuer unter Kontrolle, die Warnungen werden aufgehoben.

Warum es gerade jetzt brennt

Der Grund liegt in einer Zahl des Deutschen Wetterdienstes: Seit März 2026 hat es in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich geregnet. Von der Pfalz bis Unterfranken fielen verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter – gebietsweise nicht einmal die Hälfte des üblichen Werts.

Der Zeitraum von November bis Juli war seit Beginn der Aufzeichnungen 1882 nur zweimal trockener. Die Bodenfeuchte ähnelt inzwischen den Extremjahren 2018 und 2022. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums zeigt für Rheinland-Pfalz Trockenheit bis in Tiefen von rund 1,80 Metern.

Dazu kam ein außergewöhnlich warmer Juli: 20,9 Grad im Landesmittel.

Was das bedeutet, merkt man am Boden. Wo sonst feuchtes Laub und Moos ein Feuer bremsen, liegt jetzt trockene Streu. Ein Funke genügt.

In vier von fünf Fällen ist der Mensch schuld

Die Statistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung ist eindeutig: Fast alle Waldbrände mit bekannter Ursache gehen auf Menschen zurück.

Für 2025 weist sie aus: rund 27 Prozent Fahrlässigkeit, rund 19 Prozent Vorsatz – und bei 46 Prozent bleibt die Ursache dauerhaft ungeklärt. Bei den fahrlässigen Bränden waren häufig Camper, Waldbesucher oder Kinder beteiligt.

Auch in unserer Region steht der Verdacht im Raum: Bei Feldkirchen ermittelt die Kripo wegen möglicher Brandstiftung, bei Idelberg besteht der Verdacht vorsätzlicher Entzündung. Der Brand in Hilgert dagegen dürfte auf einen umgestürzten Baum zurückgehen.

Rheinland-Pfalz gilt eigentlich als wenig gefährdet

Das mag überraschen, hat aber Gründe. Zwar sind 43 Prozent der Landesfläche bewaldet – rund 850.000 Hektar. Aber der Laubholzanteil liegt bei etwa 60 Prozent, und Laubwald brennt deutlich schlechter als Nadelwald. Dazu kommt ein dichtes Wegenetz, das wie ein System aus Brandschneisen wirkt.

In normalen Jahren verbrennen im Land nur wenige Hektar. Der bisherige Höchstwert lag 2022 bei gut 40 Hektar. Allein der Brand bei Langscheid hat diese Marke nun übertroffen.

Was die Feuerwehr aufbietet

Der Landkreis Neuwied verfügt über 58 Feuerwehreinheiten mit rund 1.500 Kräften – weit überwiegend Ehrenamtliche. Menschen also, die für solche Einsätze Urlaub nehmen, Schichten tauschen oder aus dem Betrieb geholt werden.

Das Land hat die Ausrüstung zuletzt aufgestockt: acht geländegängige Tanklöschfahrzeuge auf Unimog-Basis mit 3.000 Litern Wasser, watfähig bis 1,20 Meter, für rund 3,5 Millionen Euro. Dazu zwei Polizeihubschrauber mit Löschwasserbehältern, Löschrucksäcke und Waldbrandhacken.

Wehrleiter Claus Hattenbach aus Höhr-Grenzhausen hob nach dem Hilgert-Einsatz hervor, dass sich die angeschafften Waldbrandcontainer bewährt hätten.

Bemerkenswert war auch, was nicht in Beschaffungslisten steht: In der Eifel halfen Landwirte mit Maschinen und Wasserfässern, in Feldkirchen mit Anhängern.

Was verboten ist – und was es kostet

In Rheinland-Pfalz gilt im Wald ein ganzjähriges Rauchverbot. Offenes Feuer und Grillen sind grundsätzlich untersagt, auch Campingkocher.

Wer sich nicht daran hält, riskiert erhebliche Bußgelder: Bis zu 25.000 Euro sind in Rheinland-Pfalz beim Grillen im Wald möglich. Kommt es zum Brand, greift zusätzlich das Strafrecht.

Weitere Regeln, die im Alltag oft vergessen werden: Fahrzeuge nicht auf trockenem Gras abstellen – der heiße Katalysator reicht als Zündquelle. Und Waldwege sowie Zufahrten freihalten, damit Einsatzfahrzeuge durchkommen.

Wenn Sie ein Feuer entdecken

Sofort die 112 wählen. Den Standort so genau wie möglich beschreiben – am besten über den nächstgelegenen Rettungspunkt. Das sind die grünen Schilder mit weißem Kreuz, die im Wald stehen; sie haben eine eindeutige Nummer, mit der die Leitstelle den Ort sofort zuordnen kann. Wer die App "Hilfe im Wald" installiert hat, findet den nächsten Punkt automatisch.

Danach: das Gebiet verlassen, Notrufnummern freihalten.

Wie es weitergeht

Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Solange kein ergiebiger, mehrtägiger Landregen fällt, bleibt der Boden ausgedörrt.

Bei Langscheid suchten die Einsatzkräfte auch am Samstag noch nach Glutnestern – die können sich tagelang im Boden halten und bei auffrischendem Wind neu entfachen.

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