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On Air Freitag, 31. Juli 2026 --:--

Warum das Niedrigwasser auch auf der Stromrechnung landet

Niedriger Rhein, hohe Rechnung: Warum ausgerechnet abgeschaltete Atomkraftwerke in Frankreich und Frachtschiffe auf dem Rhein den Strompreis treiben – und was die Stadtwerke Neuwied dazu sagen.

Ein leuchtend orangefarbenes LNG-Tankschiff kreuzt an einem klaren Tag durch ruhige See.
Foto: Oleksiy Yeshtokyn,🌻🇺🇦🌻 / Pexels

Neuwied. Der niedrige Rheinpegel ist nicht nur ein Problem für Schiffer und Ausflügler – er wirkt bis in die Energiepreise hinein. Die Stadtwerke Neuwied (SWN) zeichnen in einer aktuellen Analyse nach, wie Hitze, Trockenheit und der Nahostkonflikt gleichzeitig auf Öl, Gas und Strom drücken. Über das Rekord-Niedrigwasser am Rhein hatten wir bereits berichtet.

Der Umweg über Frankreich

Der auf den ersten Blick überraschendste Zusammenhang führt ins Nachbarland. Auch Atomkraftwerke brauchen Kühlung – und die wird bei überhitzten Flüssen und Niedrigwasser zum Problem. In Frankreich mussten wegen der hohen Temperaturen erneut mehrere Reaktoren gedrosselt oder ganz abgeschaltet werden.

Das senkt die französische Stromerzeugung und erhöht die Nachfrage nach Importen im gesamten europäischen Markt. Die Folge sind steil steigende Preise: Wer heute Strom für das Jahr 2027 einkauft, zahlt nach SWN-Angaben rund 110 Euro je Megawattstunde.

Hinzu kommt ein Effekt, den man leicht übersieht: Hitze bedeutet Kühlbedarf – und zwar nicht nur den Ventilator im Wohnzimmer. Kühlhäuser, Rechenzentren und die Lebensmittelproduktion brauchen Strom. Tagsüber liefert die Sonne günstigen Solarstrom, abends müssen Kraftwerke einspringen.

Wenn die Ladung auf die Straße wandert

Der zweite Weg führt direkt über den Rhein. Weil Frachtschiffe derzeit nur mit einem Bruchteil ihrer üblichen Traglast fahren können, steigen die Transportkosten. Was nicht mehr aufs Schiff passt, geht teilweise auf die Straße – und dort schlagen die gestiegenen Spritpreise durch, seit der Tankrabatt ausgelaufen ist und die Energiesteuern wieder auf altem Niveau liegen. Auch auf Oder und Elbe gibt es dieselben Probleme.

Wie sich das in der Breite auswirkt, zeigt die jüngste Preisstatistik: Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Juli um 2,8 Prozent gestiegen.

Öl, Gas und der Nahostkonflikt

Parallel dazu belastet die geopolitische Lage die Märkte. Die Straße von Hormus ist nach dem erneuten Aufflammen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran gesperrt, der Ölpreis liegt bei annähernd 100 Dollar. Als Saudi-Arabien verstärkt auf eine Pipeline zum Roten Meer auswich, gerieten Tanker dort ins Visier der Huthi-Miliz aus dem Jemen. Nehmen Reedereien wieder den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung, treibt auch das die Transportkosten.

Sorgenkind bleibt der Gasspeicher: Die deutschen Speicher sind nach SWN-Angaben derzeit zu 46 Prozent gefüllt – rund 22 Prozentpunkte weniger als im Schnitt der Jahre 2017 bis 2021. Ob die angestrebten Füllstände bis Ende Oktober erreicht werden, ist offen. Teuer würde es vor allem für Kunden von Anbietern, die kurzfristig einkaufen müssen.

Was das für Kunden in der Region heißt

Die Stadtwerke selbst geben Entwarnung – wobei man wissen sollte, dass SWN als Versorger hier auch in eigener Sache spricht. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen den Großteil des Bedarfs für 2027 bereits eingekauft, deutlich über 80 Prozent. Wie teuer die Restmengen werden, hänge stark davon ab, ob sich die Lage in Nahost stabilisiert. Ob und wie stark die Preise steigen, entscheide sich zudem nicht allein am Einkauf: Auch Umlagen und Abgaben setzt der Staat fest.

"Wer bei uns ist, ist gut aufgestellt und muss sich keine Sorgen machen", wird SWN-Chef Stefan Herschbach zitiert.

Für Verbraucher bleibt die Faustregel, die sich schon im Winter 2021/2022 bewährt hat: Wer bei einem Anbieter ist, der langfristig einkauft, spürt Preissprünge später und gedämpfter. Wer beim billigsten Discounter ist, bekommt sie zuerst zu spüren.

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