Argentinien schaltet England im Halbfinale aus
Atlanta. Das bittere Ende kam für England in den letzten Minuten: Titelverteidiger Argentinien hat das zweite WM-Halbfinale in Atlanta mit 2:1 (0:0) gewonnen und den Traum der Three Lions vom ersten Finale seit 1966 spät zerstört. Anthony Gordon hatte England in Führung gebracht (55.), ehe Enzo Fernández (85.) und Lautaro Martínez in der Nachspielzeit die Partie drehten – beide Tore bereitete Lionel Messi vor. Im Finale am Sonntag trifft Argentinien im MetLife Stadium auf Spanien.
Vor 68.239 Zuschauern im ausverkauften, klar pro-argentinischen Mercedes-Benz Stadium entwickelte sich zunächst ein zähes Taktikduell: Die erste Halbzeit brachte Rudelbildungen, 19 Fouls – aber keinen einzigen Schuss aufs Tor. Das US-Schiedsrichtergespann um Ismail Elfath, das erste rein amerikanische Trio in einem WM-Halbfinale, ließ viel laufen.
Gordons Führung, Englands Rückzug
Nach der Pause wurde England mutiger und belohnte sich: Harry Kane leitete mit einem langen Ball ein, über Declan Rice und Morgan Rogers landete die Flanke am langen Pfosten bei Anthony Gordon, der zum 1:0 vollendete (55.) – sein erstes WM-Tor. Doch statt nachzulegen, zog sich die Mannschaft von Thomas Tuchel immer tiefer zurück und überließ Argentinien das Spiel. Scaloni wechselte offensiv durch, Alexis Mac Allister traf den Pfosten – die Albiceleste rannte an, England verteidigte nur noch.
Fünf Minuten vor Schluss brach der Damm: Nach kurz ausgeführter Ecke legte Messi auf Enzo Fernández ab, der aus rund 25 Metern unhaltbar ins lange Eck traf (85.). Und in der Nachspielzeit folgte der K.o.: Wieder klatschte ein Mac-Allister-Schuss an den Pfosten, Messi schnappte sich den Abpraller, zog auf die rechte Seite und flankte maßgenau auf den eingewechselten Lautaro Martínez, der zum 2:1 einköpfte. Es war bereits das zehnte Turniertor der Argentinier nach der 75. Minute – kein Team dieser WM schlägt später zu.
Messis Abend – und vielleicht sein letzter Akt
Der 39-jährige Messi, der in seinem 205. Länderspiel zum ersten Mal überhaupt gegen England antrat, blieb selbst ohne Treffer, adelte die Partie aber mit zwei Vorlagen und baute seinen WM-Assist-Rekord weiter aus. Mit acht Turniertoren führt er die Torschützenliste gemeinsam mit dem bereits ausgeschiedenen Kylian Mbappé an. Am Sonntag wartet nun das mutmaßlich letzte WM-Spiel seiner Karriere – und die Chance, als erster Kapitän seit Brasiliens Generation um Pelé 1962 den Titel zu verteidigen. Kurios: Gegen Finalgegner Spanien hat Messi in seiner gesamten Länderspielkarriere nur dreimal gespielt, ausschließlich in Freundschaftsspielen.
Für England ist es das nächste bittere Kapitel einer alten Rivalität, die von Maradonas "Hand Gottes" 1986 über Beckhams Platzverweis 1998 bis zu diesem Abend reicht – und das vierte WM-Halbfinal-Aus der Verbandsgeschichte nach 1990 und 2018; nur 1966 ging es weiter. Trainer Tuchel, der in seinem ersten Turnier alle drei K.-o.-Spiele zuvor knapp gewonnen hatte, muss sich die Frage gefallen lassen, warum sein Team die Führung nicht verwaltete, sondern sich einmauern ließ. Am Samstag bleibt den Three Lions noch das Spiel um Platz drei gegen Frankreich.
Das Finale zwischen Argentinien und Spanien steigt am Sonntag (19. Juli) im MetLife Stadium bei New York. Es ist das Duell des Titelverteidigers mit dem Team der Stunde: Spanien ist seit 37 Spielen ungeschlagen und kassierte im gesamten Turnier erst ein Gegentor.
Liveticker beendet
Beendet amDer Ticker startet gleich.