Drei Tote, betäubte Wachhunde, kein Täter: XY rollt den Fall "Bierkönig" neu auf
Mainz. In der Nacht zum 12. November 1997 wurden auf einer Finca bei S'Aranjassa auf Mallorca drei Menschen erschossen: der deutsche Gastronom Manfred Meisel, sein achtjähriger Sohn und eine Angestellte. Bis heute ist der Fall ungeklärt. "Aktenzeichen XY" greift ihn an diesem Mittwoch auf – in der ersten reinen Auslandsausgabe der Sendung.
Die Tat
Manfred Meisel betrieb den "Bierkönig", eines der bekanntesten Partylokale Mallorcas. Ende der 1980er-Jahre war er von Frankfurt am Main auf die Insel ausgewandert.
In jener Novembernacht starben er, sein achtjähriger Sohn und eine Tierpflegerin, die auf dem Anwesen arbeitete. Zwei der drei Leichen fand die Polizei in einem Nebengebäude der Finca.
Die Täter gingen nach Einschätzung der Ermittler gezielt und professionell vor. Die Sendung stellt deshalb mehrere Möglichkeiten nebeneinander: Raubmord, Auftragstat – oder ein ganz anderer Hintergrund.
Die Papageienzucht
Neben der Gastronomie betrieb Meisel eine Papageienzucht – zeitweise war er einer der größten Züchter Europas.
Auf seinem Anwesen lebten rund 2.200 Vögel, ihr Wert ging in die Millionen.
Die Polizei prüfte deshalb über Jahre, ob wirtschaftliche Rivalitäten im Zuchtgeschäft hinter der Tat stecken könnten. Auch mögliche Verbindungen zur Organisierten Kriminalität wurden untersucht. Beides führte nicht weiter.
Was die Ermittler heute annehmen
Aus Sicht der deutschen Behörden spricht einiges für einen Raubüberfall.
Auf den ersten Blick passt das nicht: Aus der Finca wurde nichts geraubt, und Meisel hatte den Tresorschlüssel noch in der Hosentasche. Der Gastronom soll allerdings viel Bargeld im Haus gehabt haben – das nicht zwangsläufig im Tresor lag.
2007 wurde ein Tatverdächtiger aus Meisels Umfeld festgenommen. Für eine Anklage reichten die Indizien nicht.
Zwei Details, die aufhorchen lassen
Die Wachhunde schlugen nicht an. Auf dem Grundstück lebten Hunde, in jener Nacht blieben sie still. Neue Erkenntnisse legen nahe, dass sie betäubt wurden.
Die Schuhspuren. Abdrücke am Tatort belegen, dass mindestens einer der Täter kleine Füße hatte – und damit vermutlich auch eine kleine Statur.
Ob der Täter allein handelte oder mehrere Personen beteiligt waren, ist bis heute offen.
Warum deutsche Behörden ermitteln
In Spanien ist der Fall inzwischen verjährt.
Weil Meisel deutscher Staatsbürger war, ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main jedoch weiter. Fast 30 Jahre nach der Tat hofft sie auf entscheidende Zeugenhinweise.
Diese Fragen stellt die Polizei
Wer hat Informationen über Manfred Meisel, sein Umfeld oder über die Zeit rund um die Tat?
Wer hat in der Nacht zum 12. November 1997 verdächtige Beobachtungen gemacht?
Wem gehörte 1997 eine Handfeuerwaffe im Kaliber 6,35 Millimeter? Am Tatort wurde Munition der Hersteller PMP aus Südafrika und S&B aus Tschechien gefunden.
Hat sich ein Täter jemandem anvertraut, die Tat gebeichtet oder Andeutungen gemacht?
Hinweise nimmt die Kripo Frankfurt am Main entgegen: 069 755 98399, ab dem 8. Oktober unter 069 7550. Per Mail an [email protected].
Die weiteren Fälle der Sendung
Neben Mallorca behandelt die Ausgabe vier weitere Fälle:
"Zielfahnder jagen Phantom" – Ein Mann wird nachts in seinem Haus von Räubern überfallen. Einer der Täter wird bereits europaweit gesucht. Den Fahndern ist er schon mehrfach durchs Netz gegangen.
"Rätsel um tote Brüder" – Im Abstand von 16 Monaten werden in Deutschland zwei tote Neugeborene gefunden. Ein DNA-Test zeigt: Es sind Brüder. Die Spur führt nach Tschechien.
"Reise ins Ungewisse" – Ein 19-jähriger Niederländer bricht zu einer Reise auf. Seine Familie erhält nur wenige, rätselhafte Nachrichten. Dann verliert sich seine Spur in Frankreich.
"Schlimmer Verdacht" – Ein Vermisstenfall beschäftigt die Schweizer Polizei seit Jahren. Inzwischen befürchten die Ermittler, der Mann könnte einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen sein.
Termine und Kontakt
Mittwoch, 7. Oktober, 20.15 Uhr im ZDF
Es ist eine Eurovisionssendung: Sie läuft zeitgleich im Schweizer Rundfunk und live auf dem YouTube-Kanal ZDF True Crime.
Wiederholung in derselben Nacht ab 23.10 Uhr.
Das Studiotelefon ist zwischen 20.15 und 1.30 Uhr freigeschaltet: 089 950195.
Warum sich das Aufrollen lohnen kann
Seit 1967 wurden in der Sendung 5.176 Fälle vorgestellt, 1.991 davon konnten geklärt werden – eine Quote von rund 38 Prozent.
Gerade bei Altfällen ist die Sendung oft die letzte Möglichkeit. Verhältnisse ändern sich, Loyalitäten auch. Wer vor 30 Jahren schwieg, redet manchmal heute.
Kein Fall aus der Region
Anders als im September, als der Übergriff auf ein siebenjähriges Mädchen in Oberdürenbach behandelt wurde, ist diesmal kein Fall aus unserer Region dabei.
Die nächste reguläre Ausgabe läuft am 4. November.