Explosion in Munitionsfabrik bei Rom – alle 24 Arbeiter unverletzt
Colleferro. In einer Munitionsfabrik südöstlich von Rom hat es am Donnerstag eine schwere Explosion gegeben. Über der Anlage stieg eine gewaltige Rauchsäule auf, die Detonation war noch in Nachbarorten zu hören. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden niemand – alle 24 Beschäftigten, die sich zum Zeitpunkt der Explosion im Werk befanden, sind wohlauf.
Was passiert ist
Betroffen ist das Werk der KNDS Ammo Italy in Colleferro, rund 40 Kilometer südöstlich von Rom. Der Explosion ging ein Brand voraus, der nach Angaben der Behörden in der Abteilung zur Pulverpressung ausbrach.
Anwohner berichteten von einem lauten Knall. Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigen eine pilzförmige Rauchwolke über dem Gelände.
Zehn Löschzüge und ein Hubschrauber waren im Einsatz, das Feuer griff auf angrenzende Vegetation über. Die Beschäftigten hatten sich nach Angaben der Nachrichtenagentur AGI rechtzeitig in gesicherte Bereiche zurückgezogen.
Bürgermeister Giulio Calamita sprach von "einem großen Schrecken" – die Lage sei aber unter Kontrolle. Die Explosion habe sich offenbar auf einen einzelnen Produktions- und Lagerbereich beschränkt.
Ursache wird untersucht
Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln vor Ort. Was den Brand auslöste, ist bislang nicht bekannt. Nach ersten Berichten könnte eine Maschine zur Pulververdichtung eine Rolle gespielt haben; hohe Temperaturen und starker Wind sollen die Ausbreitung begünstigt haben.
Der Bürgermeister rief ausdrücklich dazu auf, keine unzutreffenden Informationen zu verbreiten – im Netz kursierten bereits Bilder eines Unglücks aus dem Jahr 2007, bei dem an derselben Anlage ein Arbeiter starb und 13 weitere verletzt wurden.
Wer hinter dem Werk steht
Die Anlage in Colleferro besteht seit 1912 und hieß früher Simmel Difesa. Heute gehört sie zum europäischen Rüstungskonzern KNDS, einem deutsch-französischen Zusammenschluss.
Produziert werden dort Munition mittleren und großen Kalibers für Land- und Seestreitkräfte sowie Festtreibstoffe. Das Werk beliefert nach eigenen Angaben mehr als 40 Länder und gehört zu den Auftragnehmern im Rahmen der europäischen Beschaffung von 155-Millimeter-Munition.
Einordnung
Europa baut derzeit seine Munitionsproduktion massiv aus. Zwischenfälle in solchen Werken haben deshalb Aufmerksamkeit über den Einzelfall hinaus.
Zu Ursache und Hintergründen gibt es bislang keine offiziellen Erkenntnisse. Munitionsfabriken sind Hochrisikobetriebe, in denen Unfälle regelmäßig vorkommen – die Anlage in Colleferro hat das 2007 selbst erfahren.