Kampf im Cockpit: Flug von Dubai nach Tel Aviv landet in Saudi-Arabien
Tabuk. Ein Flug der Airline Flydubai von Dubai nach Tel Aviv hat am Mittwoch notlanden müssen. An Bord war es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den beiden Piloten gekommen. Das Flugzeug sendete nacheinander zwei Notfallcodes, Israel ließ Kampfjets aufsteigen. Alle 174 Menschen an Bord sind unverletzt – einer der Piloten wurde verletzt.
Der Ablauf
Die Boeing 737 MAX 8 startete um 7.05 Uhr Ortszeit in Dubai mit Ziel Ben Gurion bei Tel Aviv.
Rund 90 Minuten später, im jordanischen Luftraum, setzte die Maschine den Transpondercode 7700 ab – das internationale Signal für einen allgemeinen Notfall. Wenige Minuten darauf folgte 7500, der Code für Entführung oder unrechtmäßige Einflussnahme.
Flugverfolgungsdaten zeigen einen steilen Sinkflug. Zeitweise verschwand das Flugzeug von den öffentlichen Trackingdiensten.
Israel ließ daraufhin Kampfjets aufsteigen.
Die Maschine landete schließlich sicher in Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens – in einem Land, das keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält.
Was die Flugdaten zeigen
Der Flugverfolgungsdienst Flightradar24 hat den Verlauf inzwischen im Detail ausgewertet. Er zeigt, wie dramatisch die Minuten im Cockpit gewesen sein müssen.
Die Maschine startete um 5.05 Uhr deutscher Zeit und stieg auf ihre Reiseflughöhe von 34.000 Fuß, also rund 10.000 Metern.
Um 7.21 Uhr begann ein steiler Sinkflug – gefolgt von einem ebenso abrupten Steigflug und einem weiteren Sturz. Gegen 7.33 Uhr pendelte sich das Flugzeug bei etwa 15.000 Fuß ein, rund 4.500 Metern. Höhe und Geschwindigkeit schwankten anschließend weiter erheblich.
Der Notfallcode 7700 ging um 7.28 Uhr raus, entlang der saudisch-jordanischen Grenze. Um 7.35 Uhr wechselte die Maschine auf 7500 und drehte nach Westen. Nach einem kurzen Einflug in den jordanischen Luftraum kehrte sie um 180 Grad und nahm Kurs auf Tabuk.
Beim Anflug schaltete die Besatzung zurück auf 7700. Das letzte Signal ging um 8.58 Uhr ein – die Landung war geglückt.
Was die Airline sagt
Flydubai bestätigte einen "Vorfall während des Flugs" und die sichere Landung. "Alle Passagiere sind in Sicherheit und werden betreut", teilte die Fluggesellschaft mit. Man arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen, weitere Informationen folgten, sobald sie bestätigt seien.
Später erklärte sie, das Notfallsignal sei durch eine Auseinandersetzung zwischen den Piloten ausgelöst worden.
Eine Entführung schlossen die Behörden aus.
Für die gestrandeten Passagiere wurde ein Ersatzflugzeug organisiert, das sie nach Tel Aviv bringen sollte.
Was Passagiere berichten
Reisende schilderten israelischen Medien dramatische Szenen: Schreie aus dem Cockpit, Blut, ein plötzlicher Sinkflug.
Nach ihren Angaben drangen Besatzungsmitglieder und Passagiere ins Cockpit vor und überwältigten den Angreifer.
Was bestätigt ist – und was nicht
Hier ist Vorsicht geboten, denn die Darstellungen gehen auseinander.
Bestätigt hat die Nachrichtenagentur Reuters, dass es eine körperliche Auseinandersetzung zwischen den Piloten gab und dass ein Passagier von einem gewaltsamen Kampf mit einem Messer berichtete.
Nicht unabhängig bestätigt sind dagegen die Angaben israelischer Medien, wonach der Kopilot aus Oman stammt, der Kapitän aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – und wonach es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben soll, bei dem der Kopilot versucht habe, die Maschine zum Absturz zu bringen.
Israelische Behörden prüfen den Vorfall nach Medienberichten als möglichen Terrorakt. Eine offizielle Bestätigung aus Saudi-Arabien oder von der Airline zu diesem Punkt liegt nicht vor.
Auch die Darstellung, ein Pilot habe die Maschine absichtlich zum Absturz bringen wollen, ist bislang unbestätigt.
Die Notfallcodes
Zum Verständnis: Transpondercodes sind vierstellige Kennungen, die ein Flugzeug an die Flugsicherung sendet.