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Nach Wahlsieg der Linken: 72 Berliner Polizisten wollen die Hauptstadt verlassen

Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin denken 72 Polizisten über einen Wechsel in andere Bundesländer nach. Besonders Baden-Württemberg ist gefragt.

Nahaufnahme einer modernen Polizeistation in Deutschland mit klarer Beschilderung.
Foto: Markus Winkler / Pexels

Berlin. Rund einen Monat nach der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 zeichnet sich innerhalb der Berliner Polizei eine zunehmende Wechselbereitschaft ab. Insgesamt 72 Polizeibeamte haben sich seit dem Wahltag über berufliche Möglichkeiten in anderen Bundesländern informiert oder bereits entsprechende Anträge gestellt. Hintergrund sind unter anderem Sorgen über die künftige Sicherheitspolitik nach dem Wahlsieg der Linken.

Besonders Baden-Württemberg steht bei den wechselwilligen Polizisten hoch im Kurs. Insgesamt 58 Beamte haben dort Interesse an einer Versetzung bekundet. Weitere zehn interessieren sich für einen Wechsel nach Bayern, drei nach Thüringen und ein Beamter nach Bremen.

Wechselinteresse deutlich höher als bisherige Versetzungszahlen

Ein Vergleich mit den vergangenen Jahren verdeutlicht das Ausmaß der aktuellen Entwicklung. Während im Jahr 2024 insgesamt 36 Berliner Polizeibeamte in andere Bundesländer wechselten, waren es 2025 lediglich 22.

Die mittlerweile 72 registrierten Wechselinteressen innerhalb weniger Wochen übersteigen diese Zahlen deutlich. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um unverbindliche Anfragen und nicht um bereits abgeschlossene Versetzungen.

Innerhalb der Berliner Polizei waren seit Anfang September zunächst sieben offizielle Versetzungsanträge bekannt geworden. Viele Beamte nehmen offenbar zuerst Kontakt zu den Polizeibehörden anderer Bundesländer auf, um ihre beruflichen Möglichkeiten auszuloten.

Polizeigewerkschaft warnt vor langfristigem Personalmangel

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beobachtet die Entwicklung mit zunehmender Besorgnis. Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der sich zahlreiche Polizeibeamte nach einem möglichen Wechsel erkundigen, bereitet den Arbeitnehmervertretern Sorgen.

Gewerkschaftssprecher Benjamin Jendro warnt davor, dass eine dauerhaft hohe Abwanderung erhebliche Auswirkungen auf die Einsatzfähigkeit der Berliner Polizei haben könnte.

Sollte sich die Entwicklung in vergleichbarem Umfang fortsetzen, könnte innerhalb von zwei Jahren rechnerisch Personal in der Größenordnung eines gesamten Polizeiabschnitts verloren gehen.

Hinzu kommt, dass offenbar auch jüngere Beamte bereit sind, ihren Dienst in Berlin vollständig aufzugeben und sich anschließend bei Polizeibehörden anderer Bundesländer neu zu bewerben.

Sorge vor Einschränkungen bei der Polizeiarbeit

Als ein möglicher Auslöser der Wechselbereitschaft gilt das Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen stärkste politische Kraft und gewann 45 der insgesamt 153 Parlamentssitze.

Innerhalb der Polizei bestehen offenbar Befürchtungen, dass sich mit einer möglichen Regierungsbeteiligung der Linken die Rahmenbedingungen für die tägliche Polizeiarbeit verändern könnten.

Die Partei hatte im Wahlkampf angekündigt, bestimmte polizeiliche Befugnisse einzuschränken und einer weiteren Aufrüstung der Polizei entgegenzuwirken. Gleichzeitig sollen soziale und präventive Maßnahmen gestärkt werden, um polizeiliche Einsätze in geeigneten Bereichen zu ergänzen oder teilweise zu ersetzen.

Kritiker dieser Pläne befürchten eine Schwächung der Polizei und eine geringere politische Unterstützung der Einsatzkräfte. Befürworter sehen darin hingegen eine Möglichkeit, die Sicherheitsarbeit stärker auf Prävention und soziale Ursachen auszurichten.

Ob die politischen Entwicklungen tatsächlich für sämtliche 72 Beamte ausschlaggebend sind, ist nicht bekannt.

Hohe Einsatzbelastung und Besoldung als zusätzliche Probleme

Neben der politischen Situation spielen offenbar auch die allgemeinen Arbeitsbedingungen eine Rolle.

Die Berliner Polizei zählt zu den besonders stark beanspruchten Polizeibehörden Deutschlands. Großveranstaltungen, Demonstrationen, Einsätze im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität sowie die alltägliche Gefahrenabwehr führen zu einer hohen Belastung der Einsatzkräfte.

Die Gewerkschaft kritisiert zudem seit längerer Zeit die Besoldung der Berliner Polizeibeamten. Diese werde der besonderen Einsatzbelastung in der Hauptstadt nicht ausreichend gerecht.

Ein Wechsel in ein anderes Bundesland könnte für einzelne Beamte daher auch aus finanziellen oder beruflichen Gründen attraktiv sein.

Baden-Württemberg wirbt um erfahrene Polizeikräfte

Zusätzlichen Anstoß erhielt die Entwicklung durch eine öffentliche Einladung aus Baden-Württemberg.

Der dortige Innenminister Manuel Hagel (CDU) hatte Berliner Polizeibeamte nach dem Wahlergebnis ausdrücklich dazu aufgerufen, einen Wechsel in sein Bundesland in Betracht zu ziehen.

Dabei kritisierte er die sicherheitspolitischen Vorstellungen der Berliner Linken deutlich. Aus seiner Sicht seien erfahrene Polizeikräfte aus der Hauptstadt eine wertvolle Verstärkung für die Polizei Baden-Württembergs.

Besonders Beamte mit Erfahrung bei der Bekämpfung

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