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Notbremsung bei Günterscheid: Großeinsatz an der ICE-Strecke endet mit einem Reh

Ein Aufprall, eine Notbremsung, und die Ungewissheit, ob ein Mensch getroffen wurde: Bei Günterscheid suchten Feuerwehr und Polizei die ICE-Strecke ab. Gefunden wurde ein Reh.

Verschwommene Bewegung eines Hochgeschwindigkeitszugs, der von einem modernen urbanen Bahnhof abfährt.
Foto: Ingo Joseph / Pexels

Windhagen. Ein ICE-Lokführer hat am Donnerstagabend auf Höhe Günterscheid einen Aufprall bemerkt und eine Notbremsung eingeleitet. Weil nicht auszuschließen war, dass ein Mensch erfasst worden war, rückten Feuerwehr, Rettungsdienst, Landes- und Bundespolizei aus. Nach rund einer Stunde stand fest: Der Zug hatte ein Reh erfasst. Verletzt wurde niemand, der ICE konnte weiterfahren.

Was passiert ist

Gegen 22.45 Uhr spürte der Lokführer den Aufprall und bremste den Zug ab. Was er getroffen hatte, konnte er nicht sehen – bei Dunkelheit und aus dem Führerstand heraus ist das nicht zu erkennen.

Damit galt, was in solchen Fällen immer gilt: Solange ein Mensch nicht ausgeschlossen werden kann, wird so gesucht, als sei einer verunglückt.

Die Feuerwehreinheiten Windhagen und Neustadt fuhren verschiedene Punkte entlang der Strecke an, die Einheit Fernthal hielt sich in Bereitstellung. Erst nachdem die Sperrung der Strecke bestätigt war, gingen mehrere Trupps den betroffenen Abschnitt zu Fuß ab.

Dabei fand sich das Reh. Am ICE wurden keine Schäden festgestellt, er setzte seine Fahrt später fort.

Neben Feuerwehr und Rettungsdienst waren Landespolizei, Bundespolizei und ein Notfallmanager der Deutschen Bahn im Einsatz. Für die Feuerwehr war nach etwa einer Stunde Schluss.

Warum so viel Aufwand für ein Reh

Das war kein überzogener Einsatz, sondern der vorgeschriebene.

Ein Lokführer kann nach einem Aufprall nicht aussteigen und nachsehen. Er meldet, was er bemerkt hat, und die Leitstelle muss vom schlimmsten Fall ausgehen. Erst die Suche vor Ort klärt, was passiert ist – und die dauert, weil ein Zug nach der Notbremsung weit vom Aufprallort entfernt zum Stehen kommt.

Genau deshalb fuhren die Einheiten auch verschiedene Punkte entlang der Strecke an, statt sich an einer Stelle zu sammeln.

Die Warnung der Feuerwehr

Die Feuerwehr nutzt den Einsatz für einen Hinweis, der hier besonders ernst gemeint ist.

Bei Günterscheid verläuft die Schnellfahrstrecke Köln–Frankfurt. Die Züge fahren dort mit bis zu 300 Stundenkilometern. Ein ICE braucht in diesem Tempo rund drei Kilometer, bis er steht – je nach Zug und Gefälle auch mehr.

Das heißt: Wer auf den Gleisen steht und einen Zug kommen sieht, hat keine Chance mehr, und der Lokführer hat sie auch nicht. Bremsen hilft an dieser Stelle niemandem mehr.

Das Betreten der Gleisanlagen ist deshalb lebensgefährlich und verboten. Das gilt auch für scheinbar harmlose Situationen – ein heruntergefallener Gegenstand, eine Abkürzung, ein Foto.

Bemerkenswert ist, wie konsequent die Feuerwehr das auf sich selbst anwendet: Auch die eigenen Kräfte durften die Gleise erst betreten, nachdem die Sperrung der Strecke bestätigt war. Bis dahin wurde gewartet, obwohl möglicherweise ein Mensch verletzt auf der Strecke lag.

Wenn Sie etwas an der Bahnstrecke beobachten

Wer Menschen an oder auf Gleisen sieht, sollte nicht selbst hingehen, sondern den Notruf 112 wählen oder die Bundespolizei unter 0800 6 888 000 anrufen. Die kostenlose Nummer ist rund um die Uhr erreichbar.

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