Schwerer Badeunfall in Rengsdorf: Familie appelliert an Geduld am Sprungturm
Rengsdorf. Ein Sprung vom Turm, wenige Sekunden Unachtsamkeit, schwere Folgen: Im Freibad Rengsdorf im Kreis Neuwied ist die neunjährige Ylva bei einem Badeunfall schwer verletzt worden. Ihre Familie geht nun mit der Geschichte an die Öffentlichkeit – nicht, um anzuklagen, sondern um andere zu warnen.
Was passiert ist
Ylva war vom Fünf-Meter-Turm gesprungen. Kurz darauf sprang ein Mann vom selben Turm hinterher – und traf das Mädchen, als es gerade wieder zur Wasseroberfläche auftauchte. "Ein Mann sprang direkt wenige Sekunden nach meiner Tochter vom Turm und traf sie. Und zwar als sie wieder auf dem Weg an die Wasseroberfläche war", schildert Ylvas Mutter Kirsten Krämer den Unfall.
Das Mädchen trieb daraufhin zunächst bewusstlos im Becken. Ihr Vater sprang sofort ins Wasser und rettete seine Tochter. Ylva kam ins Krankenhaus, wo die Ärzte unter anderem mehrere Brüche im Bereich der Brustwirbel feststellten.
Ein Appell statt einer Anklage
Statt sich zurückzuziehen, hat sich die Familie entschieden, ihre Geschichte zu erzählen. Ihr Ziel: andere Eltern und Badegäste sensibilisieren. "Wir wollen dazu beitragen, dass so etwas nicht noch einmal passiert, und wir wollen andere Eltern dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, gerade bei Sprungtürmen im Freibad Geduld zu haben", sagt Kirsten Krämer.
Damit trifft die Familie einen Punkt, auf den auch Rettungsorganisationen seit Langem hinweisen. Denn Unfälle wie dieser lassen sich mit einer einfachen Regel fast immer vermeiden: Warten, bis der Bereich frei ist.
Darauf sollten Badegäste achten
Sprungtürme gehören zu den beliebtesten Attraktionen im Freibad – bergen aber ein unterschätztes Risiko. Die wichtigsten Regeln der Wasserrettung sind schnell erklärt:
Es sollte immer nur eine Person auf der Sprungebene stehen; alle anderen warten unten, nicht schon auf der Leiter. Gesprungen wird erst, wenn die Wasserfläche unter dem Turm frei ist und niemand mehr im Sprungbereich schwimmt. Wer gesprungen ist, verlässt den Bereich zügig, damit die Nächsten an der Reihe sind – und niemand springt direkt hinter einer anderen Person hinterher.
Gerade der letzte Punkt ist entscheidend. Denn wer nach unten schaut, sieht oft nicht, dass die zuvor gesprungene Person noch unter Wasser ist und gerade wieder auftaucht. Ein paar Sekunden Geduld können hier vor schweren Verletzungen schützen. Genau darum bittet Ylvas Familie – in der Hoffnung, dass anderen Kindern erspart bleibt, was ihre Tochter durchmachen musste.