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Stuttgarter Leo Neugebauer holt EM-Gold – deutscher Doppelsieg im Zehnkampf

Deutscher Doppelsieg in Birmingham: Leo Neugebauer holt EM-Gold im Zehnkampf, Niklas Kaul Silber – mit nur 38 Punkten Rückstand.

Leo Neugebauer
Foto: VfB Stuttgart / Leo Neugebauer

Birmingham. Leo Neugebauer ist Europameister im Zehnkampf. Der Weltmeister vom VfB Stuttgart gewann am Donnerstagabend bei der Leichtathletik-EM in Birmingham mit 8.611 Punkten – nur 38 Zähler vor seinem Landsmann Niklas Kaul. Es ist der erste deutsche Doppelsieg im EM-Zehnkampf seit fast 60 Jahren.

Sturz über die Ziellinie

Die Entscheidung fiel über die abschließenden 1.500 Meter. Kaul, Europameister von 2022 und der deutlich stärkere Mittelstreckenläufer, hätte 22 Sekunden auf Neugebauer aufholen müssen. Er schaffte 18.

Neugebauer rettete sich mit letzter Kraft ins Ziel und stürzte über die Ziellinie. Für den 26-Jährigen ist es der erste EM-Titel – nach WM-Gold in Tokio und Olympia-Silber.

Der Endstand

Gold: Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) – 8.611 Punkte Silber: Niklas Kaul (USC Mainz) – 8.573 Punkte Bronze: Sander Skotheim (Norwegen) – 8.433 Punkte

Der 21-jährige Amadeus Gräber aus Frankfurt wurde bei seiner ersten großen Meisterschaft Achter mit 8.162 Punkten.

Zwei Meisterschaftsrekorde

Den Grundstein legte Neugebauer mit zwei außergewöhnlichen Leistungen: Im Kugelstoßen wuchtete er die Kugel auf 17,13 Meter – so weit war noch kein Zehnkämpfer bei einer Europameisterschaft. Im Diskuswurf folgte mit 54,31 Metern der zweite EM-Rekord.

Dazu kamen 7,82 Meter im Weitsprung und 10,90 Sekunden über die 100 Meter. Schon nach der zweiten Disziplin hatte er die Führung übernommen und gab sie nicht mehr ab.

"Das habe ich noch nie erlebt"

Überschattet wurde der Wettkampf von einer Panne der Organisatoren. Im Stabhochsprung hatten die Kampfrichter die Latte bei 4,80 Metern zehn Zentimeter zu tief eingestellt. Neugebauer übersprang eine Höhe, die es formal nicht gab – und musste bei über 30 Grad noch einmal ran. Bei der Wiederholung stimmten dann auch die Abstände der Stangen nicht.

Insgesamt brauchte er fünf Sprünge für die 4,80 Meter und büßte dabei Kraft und Nerven ein.

"Es war wirklich chaotisch, das habe ich noch nie erlebt", sagte Neugebauer nach dem Wettkampf.

Mehrkampf-Bundestrainer Jörg Roos hatte im ZDF von "absoluter Wettkampfverzerrung" gesprochen: "Bei den Witterungsbedingungen natürlich fatal." Kaul war von der Panne nicht betroffen – er sprang in der anderen Gruppe.

Kauls Speerwurf machte es spannend

Für den dramatischen Schlussakt sorgte Kaul im Speerwurf, seiner Paradedisziplin. Mit 73,54 Metern warf der Weltmeister von 2019 über 13 Meter weiter als Neugebauer (60,10 Meter) und schob sich auf Rang zwei.

Neugebauer hatte im Verlauf des Wettkampfs mehrfach Schwächen gezeigt: Im Hochsprung war bei 1,99 Metern Schluss, die 400 Meter beendete er in 48,81 Sekunden weit unter seiner Bestleistung.

Erster Doppelsieg seit 1969

Gold und Silber für Deutschland im Zehnkampf – das gab es bei einer Europameisterschaft zuletzt vor 57 Jahren. 1969 in Piräus siegte Joachim Kirst vor Herbert Wessel. Zwei Jahre zuvor hatte es sogar einen deutschen Dreifachsieg gegeben.

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