25 Jahre nach 9/11: Warum in New York heute erstmals siebenmal geschwiegen wird
New York. Es ist eine kleine Änderung mit großer Bedeutung: Bei der Gedenkfeier am Ground Zero wird in diesem Jahr erstmals eine siebte Schweigeminute eingelegt. Sie gilt nicht den Opfern des 11. September 2001 – sondern denen, die seither an den Folgen gestorben sind. Denn die Anschläge töten weiter.
Die Toten von damals
Am 11. September 2001 starben 2.977 Menschen: in den beiden Türmen des World Trade Centers, im Pentagon und auf einem Feld in Pennsylvania.
Bei der Zeremonie in Lower Manhattan lesen Angehörige heute ihre Namen vor. Die Schweigeminuten markieren die Momente, in denen sich alles veränderte: 8.46 Uhr der Einschlag im Nordturm, 9.03 Uhr im Südturm, 9.37 Uhr das Pentagon, 9.59 Uhr der Einsturz des Südturms, 10.03 Uhr der Absturz von Flug 93, 10.28 Uhr der Einsturz des Nordturms.
Die Toten von heute
Die siebte Schweigeminute kommt nach der Namensverlesung. Sie erinnert an Menschen, die an Krankheiten und Verletzungen gestorben sind, die mit den Anschlägen und den anschließenden Rettungs- und Bergungsarbeiten zusammenhängen.
Die Zahlen dahinter sind erschütternd. Die New Yorker Feuerwehr verlor am Tag der Anschläge 343 Feuerwehrleute. Seitdem sind Hunderte weitere gestorben – vor allem an aggressiven Krebserkrankungen.
Rund 48.000 Ersthelfer und andere Betroffene haben nach Angaben der Feuerwehrstiftung inzwischen Krebs entwickelt.
Der Staub von Ground Zero enthielt Asbest, Blei, Glasfasern und Dioxine. Wer damals wochenlang in den Trümmern arbeitete, atmete ihn ein.
Wie heute gedacht wird
Die Zeremonie am National September 11 Memorial beginnt um 8.30 Uhr Ortszeit – bei uns um 14.30 Uhr. Sie ist nicht öffentlich zugänglich, wird aber im Internet übertragen.
US-Präsident Donald Trump nimmt an der Gedenkveranstaltung am Pentagon teil, Vizepräsident JD Vance in New York. Am Flight 93 National Memorial bei Shanksville in Pennsylvania findet eine eigene Zeremonie statt.
Am Abend leuchtet wieder "Tribute in Light" – zwei Lichtsäulen, die dort in den Himmel ragen, wo die Türme standen.
Der deutsche Bezug
Für Deutschland hat der 11. September eine unangenehme Vorgeschichte.
Mehrere der Attentäter, darunter der Anführer Mohammed Atta, hatten jahrelang in Hamburg gelebt und studiert. Dort radikalisierten sie sich, dort planten sie mit. Die Gruppe ging als "Hamburger Zelle" in die Geschichte ein.
Die deutschen Behörden hatten davon nichts bemerkt. Das führte zu einer der größten Umbauten der deutschen Sicherheitsarchitektur seit Kriegsende.
Was sich seitdem verändert hat
Die Folgen des 11. September begegnen uns bis heute im Alltag – man merkt es nur nicht mehr.
Am Flughafen: Flüssigkeitsbeschränkungen, Schuhkontrollen, verstärkte Cockpit-Türen. All das gab es vor 2001 nicht.
In der Gesetzgebung: In Deutschland folgten zwei Sicherheitspakete, erweiterte Befugnisse für Nachrichtendienste, Rasterfahndung, biometrische Ausweise.
In der Debatte: Die Frage, wie viel Freiheit man für Sicherheit aufgibt, wird seit 25 Jahren geführt. Aktuell etwa bei der geplanten Geheimdienstreform, über die der Bundestag im Herbst berät.
Und die Kriege
Die unmittelbarste Folge war militärisch. Wenige Wochen nach den Anschlägen begann der Krieg in Afghanistan, 2003 folgte der Irak.
Der Afghanistan-Einsatz dauerte fast 20 Jahre. Die Bundeswehr war daran beteiligt, 59 deutsche Soldaten kamen dabei ums Leben.
2021 übernahmen die Taliban erneut die Macht in Kabul – dort, wo alles begonnen hatte.