Athen: Waldbrände außer Kontrolle – Hubschrauber kollidiert
Athen. Beim Kampf gegen die schweren Waldbrände westlich von Athen sind zwei Löschhubschrauber zusammengestoßen. Das teilte die griechische Feuerwehr mit. Nach den Besatzungen wird gesucht. Der Unfall ereignete sich im Gebiet Psatha – einem der Orte, die wegen der Flammen evakuiert werden mussten.
“Während eines Löscheinsatzes im Gebiet Psatha sind zwei an der Brandbekämpfung beteiligte Hubschrauber kollidiert”, erklärte die Feuerwehr. Sofort seien Kräfte für eine Such- und Rettungsaktion nach den Besatzungen mobilisiert worden; diese laufe derzeit. Nach übereinstimmenden Berichten griechischer Medien wurde die zweiköpfige Besatzung einer der beiden Maschinen inzwischen gefunden. Angaben zu ihrem Zustand und zur Besatzung des zweiten Hubschraubers lagen zunächst nicht vor.
Der Zusammenstoß trifft die Einsatzkräfte in einer ohnehin dramatischen Lage: In Griechenland kämpfen sie den dritten Tag in Folge gegen schwere Waldbrände. Besonders kritisch ist die Situation westlich von Athen, wo ein Feuer in der Küstenstadt Porto Germeno schwere Verwüstungen angerichtet hat. Auch auf der Insel Kefalonia brennt es. Für die Region um die Hauptstadt gilt die höchste Alarmstufe.
Menschen über das Meer gerettet
Am schlimmsten traf es Porto Germeno am Golf von Korinth, rund 60 Kilometer westlich der Hauptstadt. Nach Berichten griechischer Medien fielen dort bis zu 200 Häuser den Flammen zum Opfer. Zwölf Menschen mussten von der Küstenwache über das Meer vom Strand gerettet werden, weil der Landweg abgeschnitten war.
Ein Dorf nach dem anderen wurde evakuiert; das Ministerium für Bürgerschutz verschickte Warn-SMS an die Bewohner. “Wenn der Wind nicht nachlässt, kann das Unheil nicht mehr aufgehalten werden”, sagte der stellvertretende Gouverneur der Region Böotien, Giorgos Dasiotis, dem Sender ERTNews. Das Bild sei “albtraumhaft”.
Für die Region um Athen gilt die höchste Alarmstufe. Die Rauchwolken sind aus der Hauptstadt deutlich zu sehen – und reichen inzwischen bis nach Afrika: 740 Kilometer legte der Rauch nach Angaben des griechischen Wetterdienstes zurück.
Wind macht Löscharbeiten fast unmöglich
Das Hauptproblem sind die starken Meltemi-Winde, die um diese Jahreszeit typisch sind. Sie treiben die Flammen rasend schnell voran und machen Löscheinsätze aus der Luft über weite Strecken unmöglich. Erst als der Wind am Samstagabend etwas nachließ, konnten einzelne Hubschrauber starten – bis die Dunkelheit die Arbeit erneut stoppte.
Am Boden waren nach Angaben eines Polizeisprechers rund 500 Feuerwehrleute im Einsatz, dazu zahlreiche Freiwillige. Unterstützung kam aus Rumänien und Frankreich.
Auch Kefalonia betroffen, Kreta unter Kontrolle
Auf der Ionischen Insel Kefalonia wütet ebenfalls ein großer Waldbrand. Gefährdet sind die Gebiete Katelios, Markopoulo und Kremmydi; Bewohner und Urlauber wurden aufgefordert, sich in Richtung Argostoli zu bewegen.
Etwas besser sieht es auf Kreta aus: Den Großbrand im Süden der Insel hat die Feuerwehr nach eigenen Angaben inzwischen im Griff. Rund 220 Einsatzkräfte sind dort aber weiterhin gebunden, weil Windböen immer wieder Glutnester anfachen.
Was Urlauber wissen sollten
Eine Reisewarnung für griechische Regionen hat das Auswärtige Amt bislang nicht ausgesprochen. Es rät Reisenden aber, den Anweisungen der örtlichen Behörden unbedingt zu folgen und sich über lokale Medien auf dem Laufenden zu halten.
Konkret betroffen ist auch eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kretas: Der Nationalpark rund um die Samaria-Schlucht ist seit dem 30. Juli wegen der Waldbrandgefahr gesperrt. Wann er wieder öffnet, ist offen.
Der griechische Katastrophenschutz veröffentlicht täglich eine Übersichtskarte mit der aktuellen Brandgefahr je Region. Das Ministerium für Bürgerschutz appelliert zudem an alle – Einheimische wie Touristen –, alles zu unterlassen, was Feuer oder Glut entfachen könnte. Dazu zählen offenes Feuer, Grillen im Freien und weggeworfene Zigaretten.
Wer in den kommenden Tagen nach Griechenland reist, sollte sich vor Ort in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen und den Anweisungen von Hotel und Behörden folgen.