Bombenanschlag in Monaco: Tote Attentäterin, verhaftete Geheimdienstler – und zwei Spuren
Monaco. Drei Wochen nach dem Sprengstoffanschlag im Fürstentum Monaco wird der Fall immer verworrener. Was als gezielter Mordversuch an einem ukrainischstämmigen Oligarchen begann, hat sich zu einem internationalen Kriminalfall mit einer getöteten Tatverdächtigen, verhafteten ukrainischen Geheimdienstlern und zwei völlig unterschiedlichen Motiv-Spuren ausgeweitet.
Rückblick: Am Abend des 29. Juni explodierte im Eingangsbereich eines Wohnhauses nahe der französischen Grenze ein in einem Rucksack versteckter Sprengsatz. Drei Menschen wurden verletzt – ein 58-jähriger Geschäftsmann, seine Lebenspartnerin und der gemeinsame 13-jährige Sohn. Besonders schwer traf es die Frau: Ihr mussten beide Unterschenkel amputiert werden. Die Ermittler stuften die Tat als versuchten Mord ein, einen Terroranschlag schlossen sie aus. Für das als besonders sicher geltende Fürstentum war es nach Angaben von Staatsminister Christophe Mirmand der erste Vorfall dieser Art überhaupt.

Die Attentäterin – gefasst und getötet
Interpol fahndete bald mit einer Red Notice nach einer 39-jährigen Ukrainerin. Sie soll den Sprengsatz platziert und, als Mann verkleidet, mehrere Erkundungsgänge unternommen haben. Nach der Tat floh sie über die nahe Grenze nach Frankreich, setzte sich in einem in Deutschland gemieteten Wagen ab und gelangte über mehrere Länder zurück – zuletzt war sie in Hessen gemeldet, wo die Polizei ihre Wohnung durchsuchte.
Doch zur Festnahme kam es nie. Die Frau reiste in die Ukraine weiter und wurde dort Anfang Juli getötet – erschossen in einem Waldstück nahe Kyjiw, ihre Leiche verscharrt. Gefunden wurde sie am 6. Juli.
Verhaftet: ein aktiver Geheimdienstoffizier
Für ihren Tod nahmen die ukrainischen Behörden zwei Männer fest: einen 34-jährigen aktiven Offizier des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR und einen 50-jährigen früheren Sicherheitsbeamten. Ein Gericht in Kyjiw schickte beide in Untersuchungshaft. Der Geheimdienstoffizier hatte zunächst gestanden und die Ermittler sogar zum Grab geführt, widerrief sein Geständnis dann aber vor Gericht und beschuldigte seinen Mitangeklagten.
Das eigentlich Brisante: Nach übereinstimmenden Berichten ukrainischer Medien betrachten die Ermittler die beiden Männer inzwischen nicht nur als die Mörder der Attentäterin, sondern als die mutmaßlichen Organisatoren des Anschlags selbst. Die Frau, eine in Deutschland lebende Geflüchtete, soll vor allem aus Geldnot angeworben worden sein. Offiziell angeklagt sind die beiden bislang aber nur wegen des Mordes.
Zwei Motive – beide unbewiesen
Über das Motiv des Anschlags gibt es zwei konkurrierende Erzählungen, von denen keine bestätigt ist.
Die eine führt ins Milieu der organisierten Kriminalität: Die französische Zeitung Le Monde sprach von einer „Abrechnung". Der Sohn des Opfers war zuvor in einem anderen Land wegen des Aufbaus eines Callcenter-Betrugsnetzwerks verurteilt worden, das Millionen erbeutet haben soll.
Die andere Spur brachte das Opfer selbst ins Spiel: In einem über seine Anwälte verbreiteten Schreiben beschuldigte der Geschäftsmann ausgerechnet den ukrainischen Militärgeheimdienst, den Anschlag organisiert zu haben, und bat um Schutz für seine Familie. Der Geheimdienst wies die Vorwürfe als haltlose „politische Aussagen" zurück. Der Mann steht seit 2023 auf einer ukrainischen Sanktionsliste, weil er trotz des Krieges Geschäfte auf der von Russland annektierten Krim betrieben haben soll.
Politisch heikel
Für die Ukraine ist der Fall unangenehm, weil mit dem verhafteten Offizier ein aktives Mitglied des Militärgeheimdienstes im Zentrum steht. Monacos Staatsanwaltschaft und die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart und tauschen Beweismaterial aus; über eine gemeinsame Ermittlungsgruppe wird verhandelt.
Ein offizielles Motiv gibt es bis heute nicht. Monaco prüft nach eigenen Angaben weiterhin „alle Optionen". Klar ist nur: Der Anschlag hat den Ruf des Fürstentums als eine der sichersten Adressen der Welt nachhaltig erschüttert.