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Koralmtunnel: Trainsurfer legen ICE lahm – drei junge Männer ermittelt

Lebensgefährliche Mutprobe mit Folgen: Trainsurfer legen den Koralmtunnel in Österreich für Stunden lahm. Die Polizei hat drei Verdächtige.

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Kameramann film Geschwindigkeit von Zug
Foto: Anonyme Quelle

Kühnsdorf/Klagenfurt. Eine lebensgefährliche Mutprobe hat in Österreich den Bahnverkehr zwischen Kärnten und der Steiermark stundenlang lahmgelegt: Drei junge Männer sind am vergangenen Samstag außen auf einen anfahrenden ICE gesprungen und mitgefahren. Der Zug musste in einer Nothaltestelle im Koralmtunnel stoppen, die Strecke war rund drei Stunden gesperrt. Inzwischen hat die Polizei alle drei ermittelt.

Aufstieg in letzter Sekunde
Anonyme Quelle

Aufgesprungen im letzten Moment

Nach Angaben der ÖBB sprangen die drei am Samstagnachmittag gegen 17.23 Uhr am Bahnhof Kühnsdorf-Klopeiner See im letzten Moment auf den bereits abfahrenden ICE 117 auf. Während der Fahrt hielten sie sich in den schmalen Nischen an der Außenseite des Zuges auf – zwischen den Waggons, wo ein einziger Fehltritt tödlich enden kann.

Wartende Fahrgäste am Bahnsteig beobachteten die Aktion und alarmierten Bahn und Polizei. Eine Streife erreichte den nächsten Bahnhof in St. Paul im Lavanttal, doch da hatte der Zug ihn bereits passiert. Die ÖBB stoppten den ICE daraufhin an einer Nothaltestelle im Koralmtunnel.

Zwei der Jugendlichen wurden dort aufgegriffen und in einem Zug Richtung Kärnten mitgenommen. Noch vor der Übergabe an die Polizei am Bahnhof St. Paul gelang ihnen jedoch die Flucht.

Drei Stunden Stillstand

Weil die beiden von einer dritten Person sprachen, mussten die Einsatzkräfte davon ausgehen, dass sich noch jemand im Tunnel aufhielt. Um 19.20 Uhr wurde die Strecke in beide Richtungen gesperrt. Polizeikräfte aus Kärnten und der Steiermark suchten gemeinsam mit Sicherheitspersonal der ÖBB beide Tunnelröhren ab, auch mithilfe der Videoüberwachung. Erst gegen 22.36 Uhr konnte die Sperre aufgehoben werden.

Für Reisende bedeutete das erhebliche Verspätungen. Ein Schienenersatzverkehr zwischen Klagenfurt und Graz war nach Angaben der ÖBB aus Kapazitätsgründen nicht möglich; Fahrgästen wurde empfohlen, über Bruck an der Mur auszuweichen.

Alle drei ermittelt

Die Ermittler kamen den Beteiligten schnell auf die Spur. Über einen anonymen Hinweis und die hochauflösende Videoüberwachung der ÖBB wurde zunächst ein 19-Jähriger aus Wien identifiziert und dort einvernommen. Kurz darauf folgten ein 17-Jähriger und ein 20-Jähriger. Alle drei wurden bereits befragt, wie die Staatsanwaltschaft Klagenfurt bestätigte. Auch mehrere Zeugen wurden vernommen.

Ermittelt wird wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Nach Abschluss der Ermittlungen sollen die jungen Männer bei der Staatsanwaltschaft und der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg angezeigt werden. Zusätzlich will die Polizei ihnen die Kosten des Einsatzes in Rechnung stellen.

Kein Abenteuerspielplatz

Auch wenn der Vorfall glimpflich ausging: Trainsurfing ist kein Kavaliersdelikt, sondern lebensgefährlich. Oberleitungen führen bis zu 15.000 Volt – ein Vielfaches der heimischen Steckdose. Ein Stromschlag droht dabei nicht erst bei Berührung: Schon aus etwa anderthalb Metern Entfernung kann ein Lichtbogen überspringen. Dazu kommen Tunnelwände, Brücken, Signalanlagen und die enorme Sogwirkung bei hohem Tempo.

Betroffen war bei dieser Aktion auch das Zugpersonal. Der ICE 117 fährt von Frankfurt nach Graz und wird von der Deutschen Bahn betrieben – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten die Situation vor Ort bewältigen, obwohl sie sie nicht verursacht hatten. Der Redaktion liegen Aufnahmen der Aktion vor. Wir zeigen daraus lediglich ein einzelnes, unkenntlich gemachtes Standbild, um die Gefahr zu verdeutlichen – das Video selbst veröffentlichen wir bewusst nicht. Solche Clips sind keine Unterhaltung, sondern Dokumente einer Lebensgefahr. Und Bahnpersonal, das in solchen Momenten einschreitet, verdient Unterstützung statt Häme.

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