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Leipzig: Sprengsatz an Drohne – Staatsschutz ermittelt, Dobrindt spricht von neuer Gefahrenqualität

Update Leipzig: An der Drohne am Flughafen war eine Sprengvorrichtung befestigt – das bestätigen Generalstaatsanwaltschaft und LKA. Der Staatsschutz ermittelt.

Antonov An-124 am Flughafen Kailua-Kona geparkt, mit Blick auf den Ozean im Hintergrund.
Foto: Josh Withers / Pexels

Leipzig. Der Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle ist deutlich brisanter als zunächst bekannt. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamts Sachsen war an der Drohne eine Sprengvorrichtung befestigt. Spezialkräfte der Bundespolizei entfernten den Zünder. Die Ermittlungen führen inzwischen der sächsische Staatsschutz und die Terrorabwehr – eine politische Motivation wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Was passiert ist

In der Nacht zum Mittwoch entdeckte ein Flughafenmitarbeiter im Sicherheitsbereich des Frachtflugbetriebs nahe der Südpiste eine Drohne mit einer, so die offizielle Formulierung, "unbekannten Sprengvorrichtung". Zuvor war gegen 23.40 Uhr ein unbekanntes Flugobjekt gemeldet worden; der Flugbetrieb wurde daraufhin komplett eingestellt.

Die USBV-Einheit der Bundespolizei – zuständig für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen – entfernte den Zünder. Eine Gefahr für Passagiere oder Mitarbeiter habe nicht bestanden, teilten die Behörden mit. Um 1.55 Uhr wurde der Verkehr über die Nordpiste wieder freigegeben, die Südpiste blieb für die Spurensuche gesperrt.

Ein NATO-Sprecher bestätigte, dass die Drohne in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs sichergestellt wurde. In Leipzig stationiert die ukrainische Antonov Airlines ihre großen Frachtmaschinen, seit ihr Heimatflughafen Hostomel zerstört wurde.

Zweiter Zwischenfall in der Luft

Nahezu zeitgleich ereignete sich ein weiterer Vorfall: Eine Frachtmaschine musste wegen der Sperrung durchstarten und kollidierte nach Angaben der Ermittlungsbehörden mit einem mutmaßlich zweiten unbekannten Flugobjekt. Das Flugzeug landete mit leichten Schäden im Frontbereich in Hannover.

Nach übereinstimmenden Berichten handelte es sich um eine DHL-Maschine. Ob das getroffene Objekt eine weitere Drohne, ein Vogel oder etwas anderes war, ist bislang offen.

Nach Angaben des Fachportals aeroTELEGRAPH wurden insgesamt 19 Frachtflüge umgeleitet. Ein Passagierflug aus Mallorca landete stattdessen in Nürnberg.

Was zum Sprengstoff bekannt ist – und was nicht

Zur genauen Beschaffenheit des Sprengsatzes schweigen die Behörden mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen.

Medienberichte gehen weiter: Der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung berichtet unter Berufung auf eine vertrauliche polizeiliche Lagemeldung von einer "unbekannten Masse" mit einem Zünder, bei der es sich um Sprengstoff handeln könnte; der Zünder sei offenbar abgerissen gewesen. Mehrere Medien nennen unter Berufung auf Ermittlerkreise den Plastiksprengstoff Semtex als Hauptbestandteil.

Amtlich bestätigt ist keine dieser Angaben. Weder ein konkreter Sprengstoff noch eine Menge noch der Zustand des Zünders sind von einer Behörde bestätigt worden.

Politik: "Neue Gefahrenqualität"

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) unterbrach seinen Urlaub und reiste zu einer Lagebesprechung nach Leipzig. Er sprach von einem "hybriden Anschlagsszenario": "Wir müssen von einem sehr ernsten sicherheitsrelevanten Vorgang ausgehen." Dass eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne im Bereich eines Flughafens entdeckt werde, sei "eine neue Gefahrenqualität". Die Tat sei "sehr professionell vorbereitet" und deute "nicht auf amateurhaftes Vorgehen" hin.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) erklärte, die Gefahrenlage sei "nicht mehr abstrakt, sie ist hoch". Man suche noch nach Teilen einer möglichen zweiten Drohne.

Wer dahintersteckt, ist offen

Die Ermittlungsbehörden haben bislang keinen Urheber benannt. Aus der Politik kommen jedoch deutliche Verdachtsäußerungen: Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev sagte Welt TV: "Aber wer könnte es noch sein außer Russland?" CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter geht von einem "gezielten hybriden Angriff" aus, gesteuert von Russland, und fordert NATO-Konsultationen. Moskau weist eine Beteiligung an derartigen Vorfällen generell zurück.

Erinnerungen weckt der Fall an eine Sabotageserie aus dem Jahr 2024: Damals gerieten Brandsätze in DHL-Paketen unter anderem in Leipzig, Birmingham und in Polen in Brand. Der Fall wird dem russischen Militärgeheimdienst zugeschrieben. Einen Zusammenhang mit dem aktuellen Vorfall haben die deutschen Behörden bislang nicht bestätigt.

Hinweise gesucht

Das Landeskriminalamt Sachsen hat ein Hinweistelefon eingerichtet: 0800 200 8000. Hinweise können auch über das Portal sn.hinweisportal.de gemeldet werden.

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