Mönchengladbach: Diebe knacken Sparkassen-Schließfächer im laufenden Betrieb
Mönchengladbach. Es ist ein dreister Coup am helllichten Tag: In einer Filiale der Stadtsparkasse in Mönchengladbach-Rheydt haben Unbekannte am Montagmittag während der Öffnungszeiten mehrere Dutzend Schließfächer aufgebrochen. Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie ähnlicher Taten, die zuletzt bundesweit für Aufsehen gesorgt hat.
Eine halbe Stunde im Schließfachraum
Nach Angaben der Polizei verschafften sich die Täter Zutritt zu dem im Untergeschoss gelegenen Schließfachraum – während oben der normale Bankbetrieb lief. Innerhalb von rund einer halben Stunde brachen sie 29 Schließfächer auf, an weiteren 14 entdeckten die Ermittler Hebelspuren. Insgesamt befinden sich in der Filiale rund 1.700 Schließfächer.
Die Ermittler gehen von zwei Tätern aus. Sie wurden nach Angaben der Sparkasse während der Tat von Kunden und Mitarbeitern gestört. Wie hoch die Beute ist, konnte die Polizei zunächst nicht ermitteln – das dürfte auch daran liegen, dass viele Kunden den Inhalt ihrer Schließfächer nicht offenlegen. Die Polizei richtete eine Ermittlungskommission ein und veröffentlichte Beschreibungen der beiden Verdächtigen.
"Über weitergehende Erkenntnisse werden wir informieren, wenn solche gesichert vorliegen", erklärte die Sparkasse. Man arbeite eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen.
Teil einer bundesweiten Serie
Der Fall ist längst kein Einzelfall mehr. Bundesweite Aufmerksamkeit hatte zuletzt vor allem ein spektakulärer Einbruch in Gelsenkirchen ausgelöst: Über den Jahreswechsel drangen Unbekannte über ein Parkhaus in eine Sparkassen-Filiale ein, bohrten ein Loch in den Tresorraum und brachen fast alle 3.250 Kundenschließfächer auf. Die Beute wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Die Täter sind bis heute nicht gefasst; Ermittler vermuten eine hochprofessionelle Bande und schließen einen Insider-Hinweis nicht aus.
Auch danach riss die Serie nicht ab. In Bonn verdächtigen die Ermittler einen früheren Bank-Mitarbeiter, Gold aus Schließfächern gestohlen zu haben. In Halle in Westfalen wurden ebenfalls Schließfächer während der Geschäftszeit aufgebrochen. Die Taten zeigen ein Muster, das viele Kunden verunsichert: Was jahrzehntelang als besonders sicher galt – das Bankschließfach –, ist offenbar keineswegs unantastbar.
Vorsicht vor Trittbrettfahrern
Im Fall Gelsenkirchen hatte die Polizei nach dem Einbruch vor einer Welle von Betrugsanrufen gewarnt: Unbekannte gaben sich als Bankmitarbeiter oder Polizisten aus und fragten Menschen, ob sie Wertsachen oder Bargeld zu Hause hätten. Die Polizei betont in solchen Fällen stets: Echte Beamte nehmen niemals Wertgegenstände bei Bürgern zu Hause in Verwahrung. Wer einen solchen Anruf erhält, sollte auflegen und die Polizei verständigen.