Mutmaßlicher Online-Sadist in Hamburg festgenommen – 14-Jährige nach Manipulation gestorben
Hamburg/Indiana. Ermittler haben in Hamburg einen 18 Jahre alten Mann festgenommen, der für den Tod einer 14-jährigen Jugendlichen in den USA mitverantwortlich sein soll. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wirft dem Beschuldigten Mord sowie gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft vor. Der junge Mann befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft.
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden soll der Verdächtige im Herbst 2025 über die Kommunikationsplattform Discord Kontakt zu einer damals 14 Jahre alten Jugendlichen aus dem US-Bundesstaat Indiana aufgenommen haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Beschuldigte selbst erst 17 Jahre alt.
Jugendliche soll zu schweren Selbstverletzungen gedrängt worden sein
Im Verlauf des Onlinekontakts soll der junge Mann die psychisch belastete Jugendliche gezielt manipuliert und zu schweren Selbstverletzungen aufgefordert haben. Dabei soll er verlangt haben, dass sie ihre Handlungen auf Video festhält und ihm entsprechende Aufnahmen zusendet.
Den Ermittlungen zufolge soll das Mädchen auf seine Anweisungen hin erhebliche Schnittverletzungen erlitten haben. Anschließend soll sie mit ihrem eigenen Blut das Internetpseudonym „Kaz“ sowie die Buchstaben „NMK“ an Wände geschrieben haben.
Wenige Tage später nahm sich die 14-Jährige in ihrem Zimmer das Leben. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass der Beschuldigte auch auf diese Entscheidung Einfluss genommen haben könnte. Ob die Jugendliche ihren Tod aufzeichnete, ist bislang ungeklärt.
Verbindungen zu internationalem Netzwerk vermutet
Der Festgenommene soll nach Erkenntnissen der Ermittler Kontakte zur Gruppierung „Nefarious Maniac Kult“ (NMK) unterhalten haben. Dabei handelt es sich um eine Gruppierung, die einem internationalen Netzwerk zugerechnet wird, dessen Mitglieder im Internet gezielt nach gefährdeten Personen suchen und diese zu erniedrigenden oder selbstschädigenden Handlungen drängen sollen.
Die Gruppe soll sich am sogenannten „Com-Netzwerk“ orientieren. Diesem Umfeld wird auch die Gruppierung „764“ zugerechnet, die bereits im Zusammenhang mit dem als „White Tiger“ bekannten Tatverdächtigen für internationale Aufmerksamkeit sorgte.
Nach dem Tod soll der Verdächtige weitere Drohungen ausgesprochen haben
Besonders schwer wiegen auch die Vorwürfe zum Verhalten des Beschuldigten nach dem Tod der Jugendlichen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 18-Jährige versucht haben, an möglicherweise vorhandene Videoaufnahmen des Suizids zu gelangen. Dazu soll er Personen aus dem Umfeld des verstorbenen Mädchens unter Druck gesetzt haben.
Demnach drohte er damit, kompromittierende Aufnahmen der Jugendlichen zu veröffentlichen, falls ihm die gesuchte Videoaufzeichnung nicht übermittelt werde.
FBI-Hinweise führten zu Ermittlungen
Die Ermittlungen gegen den bislang nicht vorbestraften jungen Mann wurden unter anderem durch Hinweise der US-Bundespolizei FBI angestoßen. Die deutschen Behörden arbeiten an der Aufklärung der mutmaßlichen Taten, die sich über Ländergrenzen hinweg im digitalen Raum abgespielt haben sollen.
Der Fall weist Parallelen zu einem weiteren Verfahren gegen einen jungen Mann aus Hamburg auf. Der unter dem Pseudonym „White Tiger“ bekannt gewordene Beschuldigte soll ebenfalls Minderjährige über das Internet manipuliert und zu schweren Selbstverletzungen sowie Suizidhandlungen gedrängt haben. Über dessen mutmaßliche Aktivitäten und sein früheres Verhalten berichteten bereits verschiedene Medien.
Die aktuellen Ermittlungen dauern an. Für den festgenommenen 18-Jährigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.