Neue Euro-Scheine – jetzt können Sie mitentscheiden
Frankfurt am Main. Zum ersten Mal seit Einführung des Euro-Bargeldes bekommen die Scheine ein komplett neues Gesicht – und dieses Mal darf ganz Europa mitreden. Die Europäische Zentralbank hat zehn Design-Entwürfe vorgestellt und dazu eine öffentliche Umfrage gestartet. Noch bis zum 21. September kann jeder abstimmen. Zur Wahl stehen zwei sehr unterschiedliche Welten: berühmte Persönlichkeiten der europäischen Kultur oder heimische Vögel in Flusslandschaften.
"Euro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel – sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei der Vorstellung in Frankfurt.
Thema 1: Europäische Kultur
Gewinnt dieses Thema, wären erstmals reale, benannte Persönlichkeiten auf Euro-Scheinen zu sehen – ein Bruch mit der bisherigen Serie, die bewusst nur erfundene Fenster, Tore und Brücken zeigt. Auf der Vorderseite stünde jeweils ein Porträt, auf der Rückseite eine Alltagsszene aus dem passenden Lebensbereich:
5 Euro: Opernsängerin Maria Callas – Rückseite: Straßenkünstler bei Musik, Tanz und Theater
10 Euro: Komponist Ludwig van Beethoven – Rückseite: ein Sängerfest mit Kinder- und Jugendchor
20 Euro: Wissenschaftlerin Marie Curie – Rückseite: Schule und Universität
50 Euro: Schriftsteller Miguel de Cervantes – Rückseite: eine Bibliothek mit Lesenden
100 Euro: Universalgelehrter Leonardo da Vinci – Rückseite: Besucher bei Street-Art und moderner Kunst
200 Euro: Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner – Rückseite: ein belebter Platz
Thema 2: Flüsse und Vögel
Die Alternative setzt auf Natur. Vorne jeweils ein europäischer Vogel in seinem Lebensraum, hinten eine Institution der Europäischen Union:
5 Euro: Mauerläufer in den Bergen – Rückseite: Europäisches Parlament
10 Euro: Eisvogel am Wasserfall – Rückseite: Europäische Kommission
20 Euro: Bienenfresser im Flusstal – Rückseite: Europäische Zentralbank
50 Euro: Weißstorch am mäandernden Fluss – Rückseite: Gerichtshof der EU
100 Euro: Säbelschnäbler im Watt – Rückseite: Europäischer Rat und Rat der EU
200 Euro: Basstölpel über dem Meer – Rückseite: Europäischer Rechnungshof
Wichtig zu wissen: Über die Motive selbst wird nicht mehr abgestimmt – die stehen bereits fest. Zur Wahl steht, wie sie gestaltet werden.
Die zehn Entwürfe im Überblick
Entwurf A – Studio Joost Grootens (Niederlande), Kultur Augen und Münder der Porträtierten sind stark vergrößert. Die Augen stehen für Beobachtung und Nachdenken, der Mund für Ausdruck und Dialog.


Entwurf B – PunktFormStrich (Salzburg), Flüsse und Vögel Aufgemacht wie ein Naturführer: Horizontale Balken übersetzen den Vogelruf in eine grafische Form, eine Skala zeigt die Fluggeschwindigkeit.


Entwurf C – Neue Gestaltung GmbH (Berlin), Kultur Der klassischste Vorschlag: Jede Note in ihrer gewohnten Farbe mit einem zentralen Porträt. Die Menschen auf der Rückseite haben bewusst keine konkreten Gesichtszüge, damit sich jeder wiedererkennen kann.


Entwurf D – Rudy Guedj und François Girard-Meunier, Flüsse und Vögel Sechs Vögel in abstrakten Landschaften, verbunden durch die Reise eines Flusses von der Bergquelle bis zum stürmischen Meer. Die EU-Institutionen werden über Handgesten dargestellt.


Entwurf E – Myrsini Vardopoulou, Kultur Stellt das Werk der Persönlichkeiten in den Mittelpunkt: Die Porträts sind von Kreisen und Symbolen umgeben, die auf ihr Wirken verweisen.


Entwurf F – Jan Robert Dünnweller, Kultur Setzt das EU-Motto "In Vielfalt geeint" um: handgezeichnete Porträts vor einer Collage aus Formen und Oberflächenstrukturen.


Entwurf G – Rubio & del Amo und Cruz más Cruz (Spanien), Kultur Ein direkter Blick aus der Mitte des Scheins. Dreht man die Noten, ergeben sich vier vertikale Blöcke – inspiriert von den Buchstaben E, U, R und O.


Entwurf H – Goppel-Toperngpong, Flüsse und Vögel Wasser als Leitidee und Sinnbild für die EU: Ein einzelner Tropfen wirkt unbedeutend, ein ganzer Strom formt über Jahrhunderte Gebirge.


Entwurf I – Isabelle Daëron (Frankreich), Flüsse und Vögel Alles dreht sich um Bewegung: Der Vogel erscheint vorne einzeln, hinten als Schwarm. Kombiniert werden handgezeichnete und computergenerierte Muster.


Entwurf J – Ville Tietäväinen (Finnland), Flüsse und Vögel Erzählt eine durchgehende Geschichte: Die kleinen Werte beginnen am Gebirgsbach, die großen nähern sich dem Ozean.


So können Sie abstimmen
Die Umfrage läuft online unter surveys.ecb.europa.eu/10b/neweuro und ist noch bis zum 21. September 2026 geöffnet. Teilnehmen kann jeder, die Teilnahme ist kostenlos. Bewertet werden alle zehn Entwürfe einzeln – man kann also mehrere Vorschläge gut finden und muss sich nicht auf einen festlegen.
Parallel befragt ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine repräsentative Stichprobe aus dem Euroraum. So soll verhindert werden, dass allein besonders internetaffine Gruppen das Ergebnis bestimmen.
Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel wirbt für die Beteiligung: "Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Meinung einzubringen und die Zukunft des Euro mitzugestalten."
Warum die Scheine überhaupt neu gestaltet werden
Es geht nicht nur um Optik. Die neue Serie soll besser gegen Fälschungen geschützt sein, für Menschen mit Sehbeeinträchtigung leichter erkennbar und umweltfreundlicher in Herstellung und Haltbarkeit. "Mit verbesserten und innovativen Sicherheitsmerkmalen wollen wir den Fälschern immer einen Schritt voraus sein", so Bundesbank-Präsident Nagel.
Für Verbraucher wichtig: Größe, Stückelungen und die vertrauten Farben bleiben voraussichtlich erhalten. Und die heutigen Scheine behalten ihren Wert – sie bleiben unbegrenzt gültig und laufen noch lange neben der neuen Serie weiter.
Streit um einen Namen
Ganz ohne Debatte geht es nicht ab. Am 20-Euro-Schein entzündet sich Streit um die Schreibweise von Marie Curie. In Polen wird gefordert, den vollständigen Namen Maria Skłodowska-Curie zu verwenden. Die in Warschau geborene und in Frankreich wirkende Nobelpreisträgerin wird dort als polnische Wissenschaftlerin beansprucht. Die EZB prüft nach eigenen Angaben verschiedene historische und sprachliche Quellen.
Grundsätzlicher kritisieren manche, dass die EZB mit echten Persönlichkeiten das bisherige Neutralitätsprinzip aufgibt – die abstrakten Bauwerke sollten seinerzeit gerade Streit über nationale Repräsentation vermeiden.
Und was ist mit Deutschland?
Beim Kultur-Thema ist Beethoven der einzige Deutsche unter den sechs Persönlichkeiten. Dafür sind deutsche Gestalter gut vertreten: Unter den zehn Finalisten ist mit der Neuen Gestaltung GmbH ein Berliner Studio, zwei weitere Entwürfe stammen von Gestaltern mit deutschem Namen.
Wie es weitergeht: Nach dem Ende der Umfrage entscheidet der EZB-Rat, voraussichtlich gegen Jahresende. Bis die neuen Scheine tatsächlich im Portemonnaie landen, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen – ein konkretes Datum nennt die EZB bislang nicht.