Rumänien schießt erstmals Drohne über eigenem Gebiet ab – zweiter Abschuss folgt
Bukarest. Zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Rumänien eine Drohne über seinem eigenen Staatsgebiet abgeschossen. Ein Kampfjet der rumänischen Luftwaffe holte das Fluggerät am Freitag über unbewohntem Gebiet vom Himmel. Nur einen Tag später, am Samstagmorgen, folgte bereits der zweite Abschuss. Verletzt wurde in beiden Fällen niemand, Schäden am Boden gab es nicht.
Zwei Kampfjets im NATO-Verbund
Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums erfasste das Radar die erste Drohne am Freitagvormittag über dem Schwarzen Meer. Das Objekt drang anschließend in den rumänischen Luftraum ein. Zwei rumänische F-16 und zwei italienische Eurofighter stiegen auf – im Rahmen der gemeinsamen NATO-Luftraumüberwachung. Kurz nach 11 Uhr Ortszeit schoss eine der F-16 die Drohne nahe dem Dorf Padina ab, gut hundert Kilometer von der Hauptstadt Bukarest entfernt. Die Trümmer fielen auf ein Feld.
"Das Gebiet war unbewohnt, daher konnte der Pilot ohne jedes Risiko feuern", schrieb Präsident Nicușor Dan im Onlinedienst X.
Am Samstagmorgen wiederholte sich der Vorgang: Gegen halb neun schoss erneut eine rumänische F-16 eine Drohne ab, diesmal im Donaudelta nahe der ukrainischen Grenze, etwa zehn Kilometer von der Ortschaft Sfântu Gheorghe entfernt.
Mutmaßlich russische Drohnen
Um was für Fluggeräte es sich genau handelte, war zunächst Gegenstand der Ermittlungen. Die Piloten meldeten optisch einen Typ, wie ihn Russland unter dem Namen "Geran" in großer Zahl gegen die Ukraine einsetzt – bekannt geworden als iranische "Shahed"-Drohne. Rumänische Staatsanwälte, die die Trümmer der ersten Drohne untersuchten, stuften diese laut der Nachrichtenagentur Reuters als russisch ein. Moskau äußerte sich zu dem Vorfall zunächst nicht; frühere Vorwürfe hatte der Kreml stets zurückgewiesen.
Möglich wurde der Abschuss durch ein Gesetz, das Rumänien im vergangenen Jahr verabschiedet hatte. Es erlaubt dem Militär ausdrücklich, unbefugt eindringende Drohnen zu zerstören oder zu übernehmen.
Kein Alleingang, keine Eskalationsstufe
Es handelt sich nicht um eine Kampfhandlung gegen Russland, sondern um reinen Luftraumschutz im NATO-Verbund. Das Allied Air Command der NATO bestätigte den Einsatz und erklärte, die Kampfjets seien "unter NATO-Führung und -Kontrolle" aufgestiegen. Der Bündnisfall oder eine förmliche Krisensitzung nach Artikel 4 wurde nicht ausgelöst.
Neu ist allerdings die Qualität des Vorgehens. Zwar hat es seit 2022 rund 30 Fälle gegeben, in denen russische Drohnen den rumänischen Luftraum verletzten oder Trümmer auf rumänischem Boden niedergingen – erst Ende Mai war eine Drohne in ein Wohnhaus in der Stadt Galați eingeschlagen und hatte zwei Menschen verletzt. Ein tatsächlicher Abschuss ist nun aber der erste seines Art.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte das rumänische Militär für die schnelle und wirksame Reaktion. Die Stärkung der Verteidigung entlang der östlichen Außengrenze bleibe oberste Priorität, schrieb sie.
Hintergrund: Krieg an der Grenze
Die Abschüsse fielen mit verstärkten russischen Angriffen auf die benachbarte Ukraine zusammen. Russland attackiert seit Monaten immer wieder die ukrainischen Donauhäfen unmittelbar an der Grenze zu Rumänien – ein NATO-Land. Der rumänische Generalstabschef sprach von zunehmenden Angriffen vor der Erntesaison. In der Nacht zum Freitag wurde zudem ein Frachter in rumänischen Gewässern beschädigt, mutmaßlich durch eine Seedrohne oder eine Mine; auch hier wird ermittelt.