Seattle: Drei Tote bei Schüssen auf Food-Festival
Seattle. Bei einer Schießerei auf einem großen Food-Festival in der US-Stadt Seattle sind am Sonntagabend (Ortszeit) drei Menschen getötet und mehrere verletzt worden – unter den Verletzten ist auch ein Kleinkind. Die Schüsse fielen mitten im Getümmel des “Bite of Seattle”, nur einen Block vom Wahrzeichen der Stadt, der Space Needle, entfernt. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, nach einer zweiten Person wurde zunächst gefahndet.
Panik unter Tausenden Besuchern
Nach Angaben der Behörden gingen die ersten Notrufe kurz nach 18 Uhr Ortszeit ein. Das Festival auf dem weitläufigen Gelände des Seattle Center war zu diesem Zeitpunkt gut besucht – es war der letzte von drei Veranstaltungstagen, zu denen Tausende Menschen erwartet wurden.
Augenzeugen schilderten chaotische Szenen. Zunächst habe es geklungen “wie Feuerwerkskörper”, berichtete ein Standbetreiber dem TV-Sender KING. “Als die Menge dann in Scharen losrannte, wusste man, dass etwas passiert.” Ein anderer Besucher sagte, er habe nach den Schüssen mehrere Verletzte am Boden liegen sehen.
Die Opfer
Zwei Menschen starben noch am Ort des Geschehens, ein weiteres Opfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Vier Verletzte wurden in das Harborview Medical Center gebracht – das jüngste Opfer ist nach Angaben der Feuerwehr erst zwei Jahre alt. In der Notfallkommunikation war zu hören, wie für ein Opfer am Tatort ein Aderpressband für ein “kleines Kind” angefordert wurde.
Unter den Verletzten sind nach Angaben des Krankenhauses ein Kleinkind, ein 23-jähriger Mann und mehrere Frauen; eine Frau schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr und wurde notoperiert. Eine leicht verletzte Frau verzichtete auf einen Transport ins Krankenhaus.
Mutmaßlich Schüsse zwischen zwei Bewaffneten
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelte es sich nicht um einen wahllosen Angriff auf die Menge, sondern möglicherweise um einen Schusswechsel zwischen zwei bewaffneten Personen. Der stellvertretende Polizeichef Tyrone Davis sagte, die festgenommene Person – ein “junger Mensch” – sei die einzige gewesen, die Beamte beim Schießen beobachtet hätten. Die Polizei selbst habe ihre Waffen nicht eingesetzt. Zwei Schusswaffen seien am Tatort sichergestellt worden.
Eine zweite Person flüchtete. Dennoch gehe man davon aus, dass keine weitere Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe, so Davis. Ermittler der Mordkommission und einer Spezialeinheit zur Bekämpfung von Waffengewalt untersuchen den Fall, unterstützt von der US-Bundesbehörde ATF; das FBI ist informiert.
“Akt entsetzlicher Gewalt”
Seattles Bürgermeisterin Katie Wilson sprach von einem “Akt entsetzlicher Gewalt”. Betroffene Familien durchlebten “den schlimmsten Moment ihres Lebens”, erklärte sie. “Niemand sollte das Risiko, erschossen zu werden, abwägen müssen, bevor er eine Veranstaltung besucht, sich mit Freunden trifft oder seine Stadt erlebt.”
Schusswaffengewalt ist in den USA ein anhaltendes Problem. Nach Zählung des Gun Violence Archive war es bereits die 271. Massenschießerei in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr – die Organisation zählt Vorfälle, bei denen vier oder mehr Menschen durch Schüsse getroffen werden.