Spanien ruft erstmals nationalen Notstand wegen Waldbränden aus
Madrid/Bordeaux. In Südwesteuropa spitzt sich die Waldbrandlage dramatisch zu. Spanien hat in der Nacht zum Freitag erstmals in seiner Geschichte wegen Waldbränden den nationalen Notstand ausgerufen. Mehr als 11.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Auch in Frankreich und Italien kämpfen tausende Einsatzkräfte gegen die Flammen – und in Rheinland-Pfalz gilt derzeit ebenfalls hohe Waldbrandgefahr.
Feuer vor den Toren Madrids
Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte den "Notstand von nationaler Tragweite" für die Region Madrid und die Provinz Ávila. Diese höchste Stufe war in Spanien bislang überhaupt erst einmal aktiviert worden – beim landesweiten Stromausfall im April 2025. Wegen Waldbränden gab es sie noch nie.
Konkret bedeutet das: Der Innenminister übernimmt die Koordination, die Einsatzleitung vor Ort geht an die Militärische Notfalleinheit UME. Begründet wurde der Schritt damit, dass mehrere Brände gleichzeitig ausgebrochen sind, die Wetterlage besonders ungünstig ist und erhebliche Kräfte von Staat, Regionen und Kommunen nötig sind.
Betroffen sind mehrere Feuer westlich und südwestlich der Hauptstadt. Nach Behördenangaben wurden allein im Großraum Madrid mehr als 10.000 Menschen in Sicherheit gebracht, dazu rund 1.500 in der Provinz Ávila. Mehrere Regionalstraßen wurden gesperrt. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einer "dramatischen Situation" – nicht nur in Spanien, sondern auch in den Nachbarländern – und berief eine Krisensitzung ein.
Für Freitag wurden Temperaturen bis zu 44 Grad und Sturmböen erwartet.
Auch Frankreich und Italien kämpfen gegen die Flammen
In Frankreich ist vor allem die Region Gironde bei Bordeaux betroffen – eine beliebte Urlaubsgegend an der Atlantikküste. Allein am Mittwoch mussten rund 20.000 Menschen fliehen, am Freitagmorgen kamen weitere hinzu. Zwei Feuerwehrleute kamen ums Leben. An der Bucht von Arcachon wurden Menschen teils mit Schiffen evakuiert. Präsident Emmanuel Macron nannte die Lage "extrem angespannt".
Auf Sizilien sind nach Angaben der Regionalregierung 6.000 Einsatzkräfte und 20 Löschflugzeuge im Einsatz. Angefacht werden die Feuer vom heißen Wüstenwind Scirocco – auf der Insel wurden bis zu 46,2 Grad gemessen. Ein 59-jähriger Feuerwehrmann starb während eines Einsatzes. Auch auf Sardinien und in Kalabrien brennt es großflächig.
Warum es gerade jetzt so schlimm ist
Ursache ist eine Kombination mehrerer Faktoren: die dritte Hitzewelle des Sommers, anhaltende Trockenheit und starker Wind. Hinzu kommt ein Effekt, der auf den ersten Blick überrascht: Ein ungewöhnlich regenreicher Frühling hatte für üppiges Pflanzenwachstum gesorgt. Dieses Grün ist in der Sommerhitze inzwischen knochentrocken – und liefert den Flammen reichlich Nahrung. In Frankreich wurden zudem Menschen wegen Brandstiftung festgenommen.
Nach Angaben des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS sind EU-weit in diesem Jahr bereits rund 254.000 Hektar verbrannt. Das liegt über dem langjährigen Durchschnitt und knapp unter dem Wert des Rekordjahres 2025 zum selben Zeitpunkt. Fachleute bringen die Häufung solcher Extremwetterlagen mit dem Klimawandel in Verbindung, der zu längeren Hitze- und Dürreperioden führt.
Die EU hilft: Frankreich und Portugal haben den europäischen Katastrophenschutzmechanismus aktiviert, Löschflugzeuge aus Schweden und Zypern sind im Einsatz. Für diesen Sommer hatte die EU vorsorglich 777 Feuerwehrleute aus 14 Ländern in Risikogebieten stationiert – so viele wie nie zuvor.
Was Urlauber jetzt beachten sollten
Da die Sommerferien in Rheinland-Pfalz noch bis zum 7. August laufen, sind viele Familien aus der Region in Südeuropa unterwegs. Reisewarnungen des Auswärtigen Amts gibt es bislang nicht, wohl aber Sicherheitshinweise.
Wer in einer betroffenen Region Urlaub macht, sollte die Hinweise der örtlichen Behörden und des Reiseveranstalters verfolgen und Waldgebiete mit hoher Brandgefahr meiden. Die Notrufnummer 112 gilt europaweit. Sinnvoll ist außerdem eine Registrierung in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts.
Die wichtigste Regel im Ernstfall: unbedingt den offiziellen Evakuierungswegen folgen. Beim schwersten Brand der Saison in Andalusien, bei dem Anfang Juli 13 Menschen starben, kamen mehrere Opfer ums Leben, weil sie auf eigene Faust flüchteten.
Wer aus Sorge stornieren möchte, hat es dagegen schwer: Eine kostenfreie Stornierung ist laut Verbraucherzentrale nur möglich, wenn am Urlaubsort selbst eine konkrete Gefahr besteht. Dass es irgendwo im Reiseland brennt, reicht dafür nicht aus.
Auch in der Region trockene Wälder
Von Bränden dieses Ausmaßes ist Deutschland weit entfernt – Entwarnung gibt es aber nicht. Der Deutsche Wetterdienst weist für weite Teile von Rheinland-Pfalz die Waldbrandgefahrenstufe 4 von 5 aus. Der Grund ist auch hier die Trockenheit seit dem regenarmen Frühjahr.
Wie schnell es ernst werden kann, zeigte sich Ende Juni am Rotenfels bei Bad Kreuznach: Dort brannte ein teils munitionsbelastetes Waldgebiet, ein ganzer Ort musste vorübergehend geräumt werden.
Landesforsten appelliert deshalb an alle Waldbesucher: kein offenes Feuer, keine Zigaretten, Autos nicht auf trockenem Gras abstellen. Wer Rauch bemerkt, sollte sofort die 112 wählen.