NeuwiedFM
Mittwoch, 22. Juli 2026 --:-- Live on air

Steuer pro Kilometer: Großbritannien macht E-Autos zur Kasse – kommt das auch nach Deutschland?

Großbritannien führt 2028 eine Steuer pro Kilometer für E-Autos ein. Was dahintersteckt und ob so etwas auch in Deutschland droht.

Wie findest du das?
Nahaufnahme eines elektrisch aufgeladenen Autos, das umweltfreundlichen Transport hervorhebt.
Foto: Mike Bird / Pexels

Neuwied/London. Wer ein Elektroauto fährt, spart bislang an vielen Ecken – vor allem, weil an der Zapfsäule keine Steuer fällig wird. In Großbritannien ist damit bald Schluss: Ab April 2028 müssen E-Auto-Fahrer dort eine Abgabe für jede gefahrene Meile zahlen. Die Regierung hat die Details dazu gerade offiziell vorgelegt. Und das wirft eine Frage auf, die auch hierzulande diskutiert wird: Kommt so ein Modell irgendwann auch nach Deutschland?

Was die Briten planen

Die neue Abgabe heißt "Electric Vehicle Excise Duty", kurz eVED, und startet am 1. April 2028. Sie funktioniert im Kern simpel: Für jede gefahrene Meile werden bei reinen Elektroautos drei Pence fällig – das sind grob umgerechnet etwa 3,5 Cent pro Kilometer. Plug-in-Hybride zahlen die Hälfte. Auch Wasserstoff-Autos fallen unter die neue Steuer. Damit die Abgabe nicht an Wert verliert, soll sie künftig jährlich an die Inflation angepasst werden.

Betroffen sind ausschließlich Pkw. Elektrische Transporter und Busse bleiben zunächst außen vor. Nach Schätzung der Regierung wird die Steuer schon im ersten Jahr rund 5,6 Millionen Fahrzeuge betreffen.

Anders als bei einer klassischen Maut wird nicht per GPS überwacht, wo man langfährt. Stattdessen setzt der Staat auf Selbstauskunft: Die Fahrzeughalter geben ihren Kilometerstand an und schätzen, wie viel sie im kommenden Jahr fahren werden. Bezahlt wird entweder im Voraus oder in Raten übers Jahr; am Jahresende wird anhand des tatsächlichen Tachostands abgerechnet. Kontrolliert wird das über die Tacho-Daten, die ohnehin bei der jährlichen technischen Untersuchung – dem britischen Pendant zum TÜV – erfasst werden. Für die meisten Autofahrer entsteht dadurch also kaum zusätzlicher Aufwand.

Warum überhaupt eine neue Steuer?

Der Grund ist nüchtern und hat mit Klimapolitik wenig zu tun: Dem Staat brechen die Einnahmen weg. Je mehr Menschen elektrisch fahren, desto weniger Benzin und Diesel wird getankt – und damit sinkt auch das, was über die Kraftstoffsteuer in die Staatskasse fließt. Die unabhängige britische Haushaltsbehörde rechnet damit, dass diese Einnahmen deutlich zurückgehen. Die neue Kilometer-Abgabe soll dieses Loch stopfen. Der Gedanke dahinter: Auch E-Autos nutzen die Straßen ab und tragen zu Staus bei – also sollen ihre Fahrer, wie Benziner und Diesel auch, ihren Anteil beisteuern.

Für den Staat lohnt sich das erheblich: Ab dem Start rechnet die Regierung mit Mehreinnahmen von über einer Milliarde Pfund pro Jahr, mit steigender Tendenz. Interessant ist ein möglicher Nebeneffekt: Die Haushaltsbehörde geht davon aus, dass die Steuer den Verkauf von E-Autos leicht bremsen könnte – manche Autofahrer könnten ihren alten Verbrenner länger behalten oder zum kleineren Stromer greifen.

Und in Deutschland?

Hierzulande gibt es eine solche Kilometersteuer nicht – im Gegenteil: Reine Elektroautos sind aktuell von der Kfz-Steuer befreit. Diese Befreiung wurde Ende 2025 sogar verlängert. Wer sein E-Auto bis Ende 2030 zulässt, zahlt bis zu zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer, längstens bis Ende 2035. Erst danach greift eine nach Gewicht gestaffelte Besteuerung.

Trotzdem steht dieselbe Grundfrage wie in Großbritannien auch bei uns im Raum: Auch dem deutschen Staat entgehen langfristig Milliarden, wenn immer weniger getankt wird. Eine Abgabe pro Kilometer wäre da eine denkbare Lösung – und unter Verkehrsexperten wird sie durchaus diskutiert. Zur Einordnung, was das bedeuten könnte: Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von rund 12.300 Kilometern im Jahr käme eine Abgabe nach britischem Vorbild einen deutschen E-Autofahrer auf etwa 430 Euro pro Jahr zu stehen.

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. In Deutschland stehen einer solchen Regelung hohe bürokratische Hürden und vor allem der Datenschutz im Weg. Eine flächendeckende Erfassung von Fahrdaten ist politisch heikel und umstritten. Genau deshalb ist das britische Modell so interessant: Mit Selbstauskunft und Tacho-Kontrolle bei der Hauptuntersuchung kommt es ohne dauerhafte Überwachung aus – und könnte, wenn überhaupt, eher als Vorlage taugen.

Was bleibt

Kurzfristig ändert sich für E-Auto-Fahrer in Deutschland nichts, die Steuerbefreiung gilt weiter. Klar ist aber auch: Die Frage, wie der Staat den Straßenverkehr finanziert, wenn kaum noch jemand tankt, wird nicht verschwinden. Großbritannien liefert dafür nun ein erstes Praxisbeispiel – und Deutschland dürfte genau hinschauen, wie gut es funktioniert.

Mehr

Weitere Meldungen

Aus International.

Live
NeuwiedFMKlassik-Sender · Live