Trump verhängt Zölle gegen 60 Länder – auch die EU ist betroffen
Washington/Brüssel. Die US-Regierung hat neue Zölle gegen 60 Handelspartner verhängt – darunter die Europäische Union, China, Indien, Kanada und Großbritannien. Die Abgaben von zehn beziehungsweise 12,5 Prozent traten in der Nacht zum Freitag in Kraft. Begründet wird der Schritt mit dem Kampf gegen Zwangsarbeit. Aus Brüssel kommt scharfe Kritik: Die Maßnahme sei "ungerechtfertigt".
Zwangsarbeit als Begründung
Verkündet wurde die Maßnahme am Donnerstag vom Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Betroffen sind nach offiziellen Angaben die 60 wichtigsten Handelspartner der USA, die zusammen fast alle amerikanischen Importe abdecken.
Der Vorwurf: Die betroffenen Länder gingen nicht ausreichend gegen Waren aus Zwangsarbeit vor. Jahrzehntelange moralische Appelle hätten Zwangsarbeit nicht aus den weltweiten Lieferketten beseitigt, erklärte Greer. Die USA hätten seit fast hundert Jahren ein entsprechendes Importverbot und setzten es konsequent durch – es sei überfällig, dass die Handelspartner nachzögen.
Wer bereits ein Importverbot für solche Waren hat, zahlt zehn Prozent – das gilt unter anderem für Kanada, Mexiko, Indien und Großbritannien. Alle übrigen Länder, darunter China und Vietnam, werden mit 12,5 Prozent belegt. Für die EU, die Schweiz, Japan, Korea und Taiwan gelten je nach Produkt zehn oder 12,5 Prozent.
Ausgenommen sind unter anderem Waren, auf die bereits andere US-Zölle erhoben werden – etwa Stahl, Aluminium und Autoteile –, außerdem Öl und Gas.
Was das für Europa bedeutet
Für die EU bleibt es nach Darstellung Brüssels grundsätzlich beim Handelsabkommen vom Sommer 2025, das die Zölle auf die meisten europäischen Exporte bei 15 Prozent deckelt. Für rund 93 Prozent der EU-Ausfuhren in die USA gilt diese Obergrenze weiterhin.
Trotzdem ist der Ärger groß. Die EU-Kommission nannte die neuen Zölle "ungerechtfertigt" und verwies darauf, dass man vereinbart habe, gemeinsam gegen Zwangsarbeit vorzugehen. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, hielt den Vorwurf für "absurd": Die EU habe die weltweit strengsten Regeln gegen Produkte aus Zwangsarbeit. Er warnte zugleich davor, dass die Gesamtbelastung für einzelne europäische Waren nun über die vereinbarten 15 Prozent steigen könnte – das wäre für das Parlament nicht hinnehmbar.
Ein Ersatz für gekippte Zölle
Hintergrund ist eine juristische Niederlage Trumps: Im Februar hatte der Oberste US-Gerichtshof entschieden, dass der Präsident seine bisherigen weitreichenden Zölle nicht auf ein Notstandsgesetz stützen durfte. Die Zollhoheit liege beim Kongress. Damit fielen unter anderem die Abgaben aus dem "Liberation Day" vom April 2025.
Trump verhängte daraufhin befristete Ersatzzölle – die genau in dieser Nacht ausliefen. Die neuen Abgaben stützen sich nun auf eine andere Rechtsgrundlage, den sogenannten Section 301, der bei unfairen Handelspraktiken greift. Dieselbe Grundlage nutzte Trump bereits in seiner ersten Amtszeit gegen China, damals mit Bestand vor Gericht. Fachleute rechnen dennoch mit neuen Klagen.
Folgen für die Wirtschaft
Für die deutsche Wirtschaft bleibt die Lage angespannt. Das ifo-Institut hatte bereits berechnet, dass die höheren US-Zölle das deutsche Wachstum in diesem Jahr um rund einen halben Prozentpunkt drücken. In den USA selbst rechnen Ökonomen mit steigenden Verbraucherpreisen, weil Importe teurer werden.
Der durchschnittliche Zollsatz auf europäische Waren dürfte inzwischen bei zehn bis 14 Prozent liegen – vor Trumps Zollpolitik waren es knapp zwei Prozent.