Waldbrände erreichen Großstadt – Flughafen evakuiert, Lage spitzt sich zu
Bordeaux/Madrid. Die Waldbrände in Südwesteuropa verschärfen sich weiter dramatisch. In Frankreich hat sich das Feuer in der Nacht zum Samstag bis an die Großstadt Bordeaux herangefressen: Erstmals mussten westliche Vororte samt dem Flughafen Bordeaux-Mérignac vorsorglich geräumt werden. Rund 141.000 Menschen sind im Südwesten des Landes inzwischen auf der Flucht. Auch in Spanien, wo die Regierung erstmals wegen Waldbränden den nationalen Notstand ausgerufen hat, bleibt die Lage kritisch.
Über die Ausrufung des spanischen Notstands und den Beginn der Brandkatastrophe hatten wir bereits berichtet. Nun weitet sich vor allem die Lage in Frankreich weiter aus.
Das Feuer rückt auf Bordeaux vor
Der Brand war am Mittwoch bei Saumos ausgebrochen, rund 40 Kilometer von Bordeaux entfernt, und fraß sich seither durch die knochentrockenen Pinienwälder der Atlantikküste. Inzwischen sind nach Angaben der Behörden zwischen 22.000 und 25.000 Hektar verbrannt.
In der Nacht zum Samstag überschritt das Feuer eine weitere Ausbreitungslinie – die Präfektur ordnete daraufhin die Räumung von Teilen dreier westlicher Bordeaux-Vororte an, einschließlich des Flughafengeländes. Innenminister Laurent Nuñez sprach von Bränden in einem Ausmaß, wie Frankreich sie "noch nie zuvor erlebt" habe, und versprach, alles zu tun, um Bordeaux zu schützen. Präsident Emmanuel Macron ließ 1.000 Soldaten zur Unterstützung mobilisieren.
Zuvor hatten sich bereits dramatische Szenen an der Küste abgespielt: Von der Halbinsel Cap-Ferret flüchteten rund 2.000 Menschen per Boot über das Becken von Arcachon, weil die Landwege abgeschnitten waren. 53 Häuser wurden zerstört, mehr als 40 Feuerwehrleute verletzt. Bereits am Dienstag waren am Flughafen Bordeaux zwei Feuerwehrmänner ums Leben gekommen, als sie in ihrem Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen wurden.
Spanien: Feuer westlich von Madrid "nicht zu löschen"
Auch in Spanien entspannt sich die Lage nicht. Das Großfeuer westlich von Madrid war nach Angaben des regionalen Katastrophenschutzes zwischenzeitlich "jenseits der Kapazität der Feuerwehr, es einzudämmen". Zwei Brände verschmolzen zu einem einzigen Feuer, das sich auf den Ort Navas del Rey zubewegte. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach von einem "kritischen Tag" mit dem obersten Ziel, ein weiteres Zusammenwachsen der Brände zu verhindern.
Über 60.000 Menschen wurden in der Region Madrid und der Provinz Ávila evakuiert oder aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Bis zu 25.000 Hektar sind dort verbrannt – mehr als das Doppelte der Fläche von Paris. Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte die Lage "dramatisch". Landesweit sind in dieser Brandsaison bereits über 114.000 Hektar in Flammen aufgegangen, mehr als das Fünffache des Vorjahreszeitraums.
Etwas Entspannung am Wochenende – dann droht neue Hitze
Immerhin: Die Hitzewelle schwächt sich zum Wochenende vorübergehend ab. Für Samstag erwartete der französische Wetterdienst kein Département mehr in der höchsten Warnstufe Rot, Gewitter und etwas Regen sollten für leichte Entspannung sorgen. Doch die Erholung dürfte kurz sein: Für die zweite Wochenhälfte ab dem 27. Juli sagen die Meteorologen bereits die Rückkehr großer Hitze voraus – und damit erneut erhöhte Brandgefahr.
Die Ursachen sind überall dieselben: eine lange Hitzewelle, extreme Trockenheit und Wind. Ein regenreicher Frühling hatte für üppiges Pflanzenwachstum gesorgt, das nun ausgetrocknet ist und den Flammen reichlich Nahrung bietet. Fachleute bringen die Häufung solcher Extreme mit dem Klimawandel in Verbindung.
Hilfe aus ganz Europa – auch aus Deutschland
Bei der Brandbekämpfung hilft die EU: Über den europäischen Katastrophenschutz sind Löschflugzeuge aus Kroatien, Portugal, Italien und Griechenland sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei im Einsatz. Für den Sommer 2026 hatte die EU zudem vorsorglich 777 Feuerwehrleute aus 14 Ländern in Risikogebieten stationiert – so viele wie nie zuvor.
Auch Deutschland war beteiligt – allerdings bei einem anderen Brandkomplex im Nordwesten Spaniens, wo in Kastilien-León und Galicien weiterhin große Feuer wüten. Dort halfen 67 Feuerwehrleute mit 21 Einsatzfahrzeugen aus Bonn, Düsseldorf und Celle. Nach gut einer Woche haben sie ihren Einsatz inzwischen beendet und die Heimreise angetreten. "Der Einsatz hat sich absolut gelohnt", zog ihr Sprecher Frank Frenser eine erste Bilanz. Für die deutschen Kräfte ging es auch darum, das Wissen ihrer südeuropäischen Kollegen mit nach Hause zu nehmen – Spanien kämpft seit Jahren gegen Waldbrände dieses Ausmaßes.
An der aktuellen Brandbekämpfung aus der Luft bei Bordeaux und Madrid ist Deutschland dagegen nicht beteiligt.
Was Urlauber jetzt beachten sollten
Da die Sommerferien in Rheinland-Pfalz noch bis zum 7. August laufen, sind viele Familien aus der Region in Frankreich und Spanien unterwegs – gerade die französische Atlantikküste ist ein beliebtes Ziel. Reisewarnungen des Auswärtigen Amts gibt es weiterhin nicht, wohl aber Sicherheitshinweise.
Wer in einer betroffenen Region Urlaub macht, sollte besonders auf Campingplätzen nahe trockener Wälder wachsam sein, den Anweisungen der Behörden unbedingt folgen und Warn-Apps beachten. Vor der An- oder Abreise empfiehlt sich ein Blick auf den Flug- und Bahnstatus, da der Flughafen Bordeaux und mehrere Straßen betroffen sind. Sinnvoll ist außerdem die Registrierung in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts.
Die wichtigste Regel im Ernstfall bleibt: den offiziellen Evakuierungswegen folgen und nicht auf eigene Faust flüchten.