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Ferdinand Hueppe

Ferdinand Hueppe aus Neuwied-Heddesdorf war Schüler Robert Kochs und erster DFB-Präsident. Warum sein Erbe heute so umstritten ist.

Ferdinand Hueppe wurde 1852 in Heddesdorf geboren, das heute zu Neuwied gehört, und machte sich als Hygieniker und Bakteriologe einen Namen. Bekannt ist er vor allem als erster Vorsitzender des Deutschen Fußball-Bundes. Zugleich vertrat er rassenhygienische Positionen, weshalb sein Andenken in Neuwied heute kritisch gesehen wird.

Leben

Hueppe kam am 24. August 1852 in Heddesdorf zur Welt. Sein Vater, der ebenfalls Ferdinand hieß, arbeitete als Kreissekretär. Der Sohn besuchte Schulen in Neuwied und Koblenz und schließlich das Gymnasium Philippinum in Weilburg. Ab 1872 studierte er Medizin am militärärztlichen Friedrich-Wilhelm-Institut in Berlin, wurde 1876 promoviert und ging danach als Militärarzt nach Rastatt.

1879 kehrte er nach Berlin zurück und kam an das Kaiserliche Gesundheitsamt. Dort gehörte er von 1880 bis 1884 zu den ersten Schülern und Mitarbeitern von Robert Koch. 1885 baute er am Chemischen Institut Fresenius in Wiesbaden eine bakteriologisch-hygienische Abteilung auf. 1889 folgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Hygiene an der Karl-Ferdinands-Universität in Prag, wo er das Hygienische Institut bis zu seiner Pensionierung 1912 leitete.

Im Ersten Weltkrieg diente er als beratender Hygieniker bei der Südarmee in den Karpaten und wurde dabei verwundet. Seinen Lebensabend verbrachte er in Dresden, wo er sich in der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis engagierte. Dort starb er 1938.

Wissenschaftliches Wirken

Hueppe arbeitete an Methoden der Bakterienforschung mit und beschäftigte sich mit Desinfektion, Fäulnis und Gärung sowie mit der Zersetzung von Milch. Sein Buch "Die Methoden der Bakterienforschung" erschien 1885, ein "Handbuch der Hygiene" folgte 1899. Er untersuchte Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier und fragte, ob harmlose verwandte Keime vor gefährlichen Erregern schützen können. Bekannt wurde er außerdem als Begründer der sogenannten Konstitutionshygiene, die neben dem Erreger auch die körperliche Verfassung des Menschen als Krankheitsursache betrachtete. 1891 wurde er in die Leopoldina aufgenommen.

Sport und Fußball

Schon als Jugendlicher spielte Hueppe in Neuwied Fußball, als Student turnte er in der Berliner Turnerschaft. Später setzte er sich für Leibesübungen ein. 1890 war er an der Gründung des Zentralausschusses für Jugend- und Volksspiele beteiligt, 1896 wirkte er als Kampfrichter bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen, und 1898 gehörte er zu den Gründern der Deutschen Sportbehörde für Athletik, einem Vorläufer des heutigen Leichtathletik-Verbands.

Am 28. Januar 1900 nahm er als Vorsitzender des DFC Prag an der Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bundes in Leipzig teil, als ältester Anwesender. Dort wurde er an die Spitze des Gründungsausschusses gewählt, und am 7. Oktober 1900 wählte ihn der Bundestag in Frankfurt zum ersten Vorsitzenden des DFB. Nachdem der Verband 1904 der FIFA beigetreten war und die Prager Vereine deshalb ausscheiden mussten, trat Hueppe zurück und wurde Ehrenmitglied.

Kritische Einordnung

Hueppes Bild als Wegbereiter des Sports ist nicht ungetrübt. Er verband seine Vorstellungen von Sport und Gesundheit mit völkischer Rassenhygiene und sozialdarwinistischem Denken, und in seinen Schriften finden sich auch antisemitische Gedanken. Unter seinen mehr als 300 Veröffentlichungen sind Arbeiten zur sogenannten Rassenhygiene. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er geehrt, 1936 mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft und 1937 mit dem Großen Ehrenbrief des NS-Reichsbunds für Leibesübungen. Die Forschung bewertet seine Rolle deshalb heute deutlich zurückhaltender als frühere Darstellungen.

Bezug zu Neuwied

Heddesdorf, wo Hueppe geboren wurde, ist seit 1904 ein Stadtteil von Neuwied. Hier ging er zur Schule, und hier spielte er als junger Mann Fußball. Lange Zeit ehrte die Stadt ihn mit dem Namen ihres Stadions an der Andernacher Straße.

Spuren in Neuwied heute

Das frühere Professor-Hueppe-Stadion trägt seinen Namen nicht mehr. Im Dezember 2005 beschloss der Neuwieder Stadtrat wegen Hueppes rassenhygienischer Positionen die Umbenennung, heute heißt die Anlage Raiffeisen-Stadion.

Stand: 9. Oktober 2026.

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