Peter Kinzing
Peter Kinzing baute in Neuwied Uhren und Musikautomaten für Königshöfe und arbeitete eng mit David Roentgen zusammen. Das ist sein Weg.
Peter Kinzing war ein Neuwieder Uhrmacher und Mechaniker, dessen Uhren und Musikautomaten an den Höfen von Paris, Berlin und Sankt Petersburg standen. Gemeinsam mit dem Kunsttischler David Roentgen schuf er Werke, die Möbelkunst und Feinmechanik verbanden. Ein Teil davon ist heute im Roentgen-Museum seiner Heimatstadt zu sehen.
Leben
Kinzing wurde am 21. Dezember 1745 in Neuwied geboren. Er stammte aus einer Uhrmacherfamilie, die der mennonitischen Gemeinde der Stadt angehörte. Sein Vater Christian Kinzing arbeitete als Uhrmacher und Orgelbauer und betrieb in Neuwied eine Werkstatt, in die der Sohn 1762 eintrat, bereits mit dem Recht, Stücke unter eigenem Namen zu signieren.
1777 heiratete Kinzing Maria Magdalena Sabina Metz. Aus der Ehe gingen die Söhne Christian und Carl sowie die Tochter Elisabeth hervor. Peter Kinzing starb am 1. Januar 1816.
Wirken
Um 1770 begann die enge Zusammenarbeit zwischen der Uhrmacherwerkstatt Kinzing und der Schreinerwerkstatt Roentgen. Die Arbeitsteilung war klar: Roentgen lieferte die kunstvollen Gehäuse, Kinzing die Uhrwerke und Mechaniken, besonders für Musikautomaten mit Orgel- oder Hackbrettspiel. Zu den gemeinsamen Arbeiten gehören Uhren mit einem nach Benjamin Franklins Entwurf vereinfachten Uhrwerk, die teils in Gehäusen in Form eines Obelisken steckten.
In Paris erhielt Kinzing 1785 den Titel eines Uhrmachers der Königin. Ein bekanntes Werk aus dieser Zeit ist die Hackbrettspielerin, ein Automat in Gestalt einer Musikantin, den Marie-Antoinette 1785 erwarb und der heute im Musée des Arts et Métiers zu sehen ist. Zu den Abnehmern der Neuwieder Uhren zählten Katharina II. von Russland, Ludwig XVI. von Frankreich und Friedrich Wilhelm II. von Preußen. Kinzing trug außerdem den Titel eines herzoglich-nassauischen Hofuhrmachers.
Als Roentgens Werkstatt in den Wirren der Revolutionskriege schließen musste, endete die Zusammenarbeit. Die Uhrmacherei der Familie Kinzing bestand dagegen weiter. Seine Söhne Christian und Carl führten sie weiter, und die Zifferblätter wurden fortan mit Gebrüder Kinzing und Comp. in Neuwied signiert.
Bezug zu Neuwied
Anders als die Roentgens, die von außen zugezogen waren, war Kinzing ein gebürtiger Neuwieder. Seine Familie gehörte zu den Mennoniten, die von der Glaubensfreiheit in Neuwied angezogen worden waren und deren Gemeinde die Grafen zu Wied 1680 anerkannt hatten. Die Nähe zur Roentgen-Manufaktur machte Neuwied für einige Jahrzehnte zu einem Zentrum für Luxusmöbel und Präzisionsuhren.
Spuren in Neuwied heute
Das Roentgen-Museum am Raiffeisenplatz verbindet beide Werkstätten in seiner Roentgen-Kinzing-Sammlung, die das Haus als weltweit einmalig beschreibt. Herausragend ist die Apollo-Uhr, eine Musikuhr aus der Zusammenarbeit von Kinzing und Roentgen, die einst an den russischen Zarenhof geliefert wurde. Auch die Mennonitenkirche am Ende der Schlossstraße, 1768 eingeweiht und das Gotteshaus der Gemeinde, der die Familie Kinzing angehörte, steht noch; nach einem Brand 1984 wurde sie wiederaufgebaut und wird heute als städtische Galerie genutzt.
Stand: 9. Oktober 2026.