Freitag, 9. Oktober 202623:09 Uhr
13° Nieselregen Eilmeldungen abonnieren
NeuwiedFM

Wilhelm zu Wied

Wilhelm zu Wied kam 1876 in Neuwied zur Welt und regierte 1914 für ein halbes Jahr Albanien. Wie kam ein Prinz vom Rhein auf den Thron am Balkan?

Wilhelm zu Wied war ein Prinz aus dem Neuwieder Fürstenhaus, den die europäischen Großmächte 1914 zum Fürsten des neu gegründeten Staates Albanien bestimmten. Seine Herrschaft dauerte nur rund sechs Monate, doch sie verbindet die Stadt Neuwied auf ungewöhnliche Weise mit der Geschichte des Balkans.

Herkunft und Weg zum Thron

Wilhelm Friedrich Heinrich Prinz zu Wied wurde am 26. März 1876 in Neuwied geboren. Er war der dritte Sohn des Fürsten Wilhelm zu Wied und dessen Frau Marie, einer Prinzessin aus dem niederländischen Haus Oranien-Nassau. Das Haus Wied gehörte zum alten deutschen Hochadel und hatte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 über ein eigenes Fürstentum regiert, dessen Residenz Neuwied war. Als nachgeborener Sohn ohne Aussicht auf die Erbfolge schlug Wilhelm die Offizierslaufbahn ein und diente zuletzt als Rittmeister in der preußischen Armee. Im November 1906 heiratete er Prinzessin Sophie von Schönburg-Waldenburg.

Nach dem Ersten Balkankrieg hatte Albanien seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erklärt. Die Botschafterkonferenz der Großmächte in London erkannte den jungen Staat 1913 an, behielt sich aber vor, ihm einen Fürsten von außen zu geben. Die Wahl fiel auf einen evangelischen deutschen Prinzen, den auch Österreich-Ungarn unterstützte. Ins Spiel gebracht hatte ihn seine Tante, die rumänische Königin Elisabeth, selbst eine geborene Prinzessin zu Wied. Wilhelm zögerte zunächst und sagte erst auf Drängen seiner Frau zu.

Ein halbes Jahr in Albanien

Am 21. Februar 1914 reiste eine Abordnung albanischer Notabeln unter der Führung von Essad Pascha Toptani an den Rhein und trug Wilhelm im Neuwieder Schloss die Krone an. Wenige Wochen später, am 7. März 1914, traf er mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Hafenstadt Durrës ein, die zum Regierungssitz wurde. Als Residenz diente ein zweistöckiges Haus mitten in der Stadt.

Die Ausgangslage war denkbar schwierig. Das Land war arm, eine funktionierende Verwaltung gab es kaum, und der neue Fürst kannte Albanien nur wenig. Er war auf Berater angewiesen und fand weder bei der Bevölkerung noch bei den einflussreichen Familien des Landes breiten Rückhalt. Im Süden suchte Griechenland Einfluss zu gewinnen, sein eigener Innen- und Kriegsminister Essad Pascha strebte selbst nach der Macht, und in Mittelalbanien erhoben sich muslimische Aufständische gegen die Regierung und rückten bis vor die Hauptstadt.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verlor Wilhelm auch die Unterstützung der Großmächte, die nun andere Sorgen hatten. Am 3. September 1914 verließ er Albanien. Formell abgedankt hat er nie. Im Weltkrieg diente er wieder als preußischer Offizier und reichte im selben Jahr eine Denkschrift ein, in der er seine Wiedereinsetzung forderte. Im April 1918 nahm er seinen Abschied aus der Armee. Als Albanien 1928 erneut Monarchie wurde, bestieg jedoch Ahmet Zogu als König Zog I. den Thron.

Späte Jahre in Rumänien

Ab 1925 lebte Wilhelm zu Wied in Rumänien, wo seine Tante einst Königin gewesen war. Seine Frau Sophie starb 1936. Er selbst starb am 18. April 1945 in Predeal und wurde in der evangelischen Kirche in Bukarest beigesetzt.

Bezug zu Neuwied

Neuwied war für Wilhelm zu Wied Geburtsort und Familiensitz zugleich. Im Schloss seiner Familie nahm er 1914 das Angebot der albanischen Delegation an, sodass die kurze Episode der albanischen Monarchie unter einem deutschen Fürsten in Neuwied ihren Anfang nahm.

Stand: 9. Oktober 2026.

Wie gefällt Ihnen das neue Design?

Was gefällt Ihnen, was nicht, und was würden Sie sich wünschen? Ihre Rückmeldung ist anonym und hilft uns bei der Weiterentwicklung.